14.01.2017

Zu Höherem berufen

Simon Böhm sorgt in der Bezirksliga für Furore

Ganz jung und schon sehr erfolgreich: Der 18-jährige Simon Böhm (links) stürmt für Brandenburg 03. Foto: Joulux

Wenn es um Fußball geht, ist Tuur­jalai Zazai sehr kritisch. Auch nach Siegen ist der Trainer von Brandenburg 03 oft unzufrieden und die Bezirksliga sieht er nur als Durchgangsstation an. Wenn es um seinen Toptorjäger geht, gerät Zazai aber ins Schwärmen. „Als er in der Vorbereitung das erste Mal bei uns mittrainiert hat, habe ich sofort gedacht: Der Junge ist eine Granate, den muss ich haben.“ 

Und „der Junge“, um den es geht, ist tatsächlich noch ziemlich jung. Simon Böhm ist gerade einmal 18 Jahre alt, damit eigentlich noch A-Jugendlicher, aber schon die Nummer zwei in der Bezirksliga-Torschützenliste. Trainer der Konkurrenz stellen da schon mal neugierige Fragen: „Wer ist denn dieser Böhm? Von dem habe ich ja noch nie etwas gehört“, hieß es ein ums andere Mal. Kein Wunder bei 19 Toren in 15 Ligaspielen. Dazu kommen noch sieben Tore in drei Spielen für die U 19.


„Simon bringt alles mit“, sagt Zazai, der seinem Stürmer mindestens eine semiprofessionelle Karriere zutraut. Böhm sei enorm schnell, für sein Alter körperlich stark, wisse, wo er als Torjäger stehen muss. Deshalb spielt Böhm bei Brandenburg trotz seines jungen Alters eigentlich immer. In allen Punktspielen stand der 18-Jährige in der Startelf und verpasste insgesamt nicht einmal 20 Minuten. Seine gute Kondition erlaubt es ihm zudem, nebenbei immer mal wieder bei seinen alten Weggefährten aus der A-Jugend auszuhelfen.

Böhms größtes Plus sind seine kräftigen Beine, da ist sich sein Trainer sicher. Einmal in Schwung können ihm nur wenige Abwehrspieler folgen und obwohl er nicht besonders großgewachsen ist, gewinnt er dank seiner Sprungkraft viele Kopfballduelle. Eindruck bei Zazai hat aber vor allem etwas anderes hinterlassen. „Er hat einen Schuss, der ist nicht mehr normal“, sagt sein Trainer. Selbst Pablo Thi­am, Sportlicher Leiter der U 23 des VfL Wolfsburg und nach eigener Aussage ein guter Freund Zazais, sei bei einem Berlin-Besuch beeindruckt gewesen. „Wenn Simon abzieht, hörst du das bei uns über den ganzen Platz“, so Zazai.

Abseits des Rasens ist Böhm nicht der Mann für die Knalleffekte. Er sei ein ruhiger Typ, zurückhaltend, kein Lautsprecher und lasse die Dinge auf sich zukommen. „Er geht noch zur Schule, kommt mit dem Fahrrad zum Training gefahren und spielt einfach Fußball“, erzählt Zazai. Wie lange er das noch bei Brandenburg 03 macht, wird von Tor zu Tor ungewisser. 

Bis zum Saisonende plant sein Trainer fest mit ihm. Danach ist ein Abschied aber nicht nur nicht ausgeschlossen, sonder sehr gut möglich. Angebote soll es schon in der vergangenen Saison gegeben haben, auch wenn Böhm mit der A-Jugend von Brandenburg nur in der niedrigsten Spielklasse an den Start ging. Auch die Leistungen in dieser Spielzeit sind anderen Vereinen nicht verborgen geblieben. „Mich haben schon einige Trainer angesprochen“, sagt Zazai, „ich brauche ihn in der Rückrunde aber dringend.“

Auch wenn Böhm für sein Alter schon sehr weit ist, bleiben einige Defizite. Auf engem Raum fühlt sich der Knipser nicht ganz so wohl. „Er ist nicht der Edeltechniker und braucht für sein Spiel Platz“, erklärt Zazai. Das Spiel mit dem Rücken zum Tor und die Kombinationsstärke seien ebenfalls noch deutlich verbesserungsfähig. Doch wenn man als A-Jugendlicher so knipst, ist das wahrlich Kritik auf hohem Niveau.
Böhms nächste Station könnte daher um einige Ligen höher angesiedelt sein. „Bei uns ist er auf Dauer verschenkt, das macht in der Liga irgendwann keinen Sinn mehr“, sagt Zazai, „ich würde mich freuen, wenn er bald zu einem großen Verein wechselt.“ 

Von Julian Graeber

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