17.09.2017

„Wollen den Laden wieder nach vorne bringen“

Interview der Woche mit Thomas Brdaric

Einst Neustrelitz und Wolfsburg II in der Regionalliga, jetzt TeBe in der Oberliga: Trainer Thomas Brdaric. Foto: JouLux

Nach nur drei Punkten aus den ersten drei Oberliga-Spielen entließ Tennis Borussia vor zwei Wochen Trainer Cemal Yildiz. Ihm folgte ein großer Name: Ex-Profi Thomas Brdaric, der für Stuttgart, Düsseldorf, Leverkusen, Hannover und Wolfsburg insgesamt 204 Bundesliga-Spiele absolvierte und dabei 54 Tore schoss. Zudem lief er achtmal für die deutsche Nationalmannschaft auf. Kein Wunder, dass sich der 42-Jährige bei dieser Vita auf Dauer nicht mit der fünftklassigen Oberliga zufrieden gibt.

FuWo: Herr Brdaric, als aktiver Fußballer versuchten Sie sich auch als Sänger und nahmen im Jahr 2003 die Single „Die Wilde 13“ auf, in der Sie die drei Torhüter Oliver Kahn, Jens Lehmann und Frank Rost aufs Korn nahmen. Dürfen sich die TeBe-Fans bald auf einen neuen Song freuen?

Thomas Brdaric: „Da ich ja jetzt Trainer bin, habe ich für so einen Spaß keine Zeit mehr. Ich wollte damals nicht die Charts stürmen, sondern diesen drei Torhütern, die mir etwas auf den Zeiger gegangen waren, ein bisschen was heimzahlen. Das sollte einfach eine lustige Geschichte sein – nicht mehr oder weniger.“

Den Humor der TeBe-Fans haben Sie damit getroffen. Jedenfalls zählte der Song nach Ihrem Debüt, dem 0:0 bei Optik Rathenow vor einer Woche, auf der Zug­rückfahrt zum Sangesgut der Anhänger.

Brdaric: „Ich habe bereits mitbekommen, dass TeBe von vielen Fans unterstützt wird. In Rathenow war das toll. Die Fans sind superwichtig und wir wollen, dass sie glücklich nach Hause gehen.“

Auf welche Art von Fußball dürfen sich die TeBe-Fans freuen?

Brdaric: „Wir wollen erfolgreich sein mit einem System, das uns weiterbringt. Wir brauchen Lösungsmöglichkeiten, um das Ding vorne zu verwerten. Ob Ballbesitz- oder Umschaltspiel, das entscheiden wir von Spiel zu Spiel. Aber da wir eine technisch versierte Mannschaft haben, wird es eher dahin gehen, dass wir ball­orientiert und dominant auftreten.“

Wie schwierig ist es, eine Mannschaft so früh in der Saison zu übernehmen, die Sie gar nicht zusammengestellt haben?

Brdaric: „Das ist auf jeden Fall eine große Herausforderung, doch wir müssen diese Situation annehmen, wie sie ist. Ich muss mich aber bei meinem Vorgänger bedanken, weil er die Mannschaft gut zusammengestellt hat.“

Dieses Team hat nach fünf Spieltagen allerdings bereits zehn Punkte Rückstand zur Spitze. Mit dem Aufstieg wird es schwierig.

Brdaric: „Da ist aber noch alles möglich. Die anderen werden auch noch Punkte lassen und müssen auch nochmal gegen uns spielen. Wichtig ist, dass wir dranbleiben und Dreier einfahren. Dann verkürzt sich der Abstand automatisch.“

Wie gut kennen Sie die NOFV-Oberliga Nord eigentlich?

Brdaric: „Wenn ich ehrlich bin: So viele Spiele habe ich noch nicht gesehen.“

Ist das nicht ein Nachteil?

Brdaric: „Nein, ich sehe da keine Gefahr. Ich schaue mir schon unterschiedliche Ligen an und kann mich da schnell hin­einversetzen. Außerdem wollen wir immer unsere Spielweise auf den Gegner adaptieren und nicht andersrum.“

Zuletzt waren Sie Trainer des mazedonischen Erstligisten KF Shkendija, mit dem Sie vergangene Saison Zweiter wurden. Warum haben Sie den Klub trotzdem verlassen?

Brdaric: „Aufgrund der politischen Situation in Mazedonien. Die Albaner und Mazedonier können nicht miteinander, das ist sehr heikel. Ich bin ein interna­tionaler Mensch, der mit allen sprechen möchte – und das ging da nicht.“

Nach Ihrer Station bei KF Shkendija hatten Sie auch Angebote von ausländischen Profiklubs. Warum sind Sie bei Tennis Borussia in der fünftklassigen Oberliga gelandet?

Brdaric: „Ich hatte tatsächlich die Möglichkeit, nach Bosnien, Asien oder in die Schweiz zu gehen und dort bei Profiklubs zu arbeiten. Aber meine Familie lebt in Düsseldorf, ich habe drei Jungs und die brauchen noch einen Papa. Deshalb bin ich froh, dass es eine Station in Deutschland geworden ist. Ich wäre aber nicht zu jedem Oberligisten gegangen.“

Zu seiner aktiven Zeit absolvierte Thomas Brdaric für Stuttgart, Düsseldorf, Leverkusen, Hannover und Wolfsburg 204 Bundesliga-Spiele. Foto: JouLux

Was hat den Ausschlag für Tennis Borussia gegeben?

Brdaric: „Hier stimmt das Gesamtpaket. Der Vorstandsvorsitzende Jens Redlich und ich haben uns auf Anhieb verstanden. Wir wollen den Laden wieder nach vorne bringen. Es ist mir immer lieber, einen Verein weiterentwickeln zu können. Außerdem ist Berlin eine megageile Stadt. Hier wird es nicht langweilig.“


Langweilig war auch Ihre aktive Profikarriere nicht. Sie haben mit Bayer Leverkusen sogar im Champions-League-Finale gestanden. Genießen Sie bei Ihren Spielern deshalb ein besonders hohes Ansehen?

Brdaric: „Vielleicht, aber entscheidend ist immer, wie man zwischenmenschlich miteinander umgeht.“

Apropos Champions-League-Finale: Sie wurden 2002 bei Leverkusens 1:2-Niederlage gegen Real Madrid schon in der ersten Hälfte ausgewechselt.

Brdaric: „Das war eine riesige Enttäuschung für mich. Unser Trainer Klaus Toppmöller hat damals den Überblick verloren. Ich habe mir das Spiel bestimmt noch 20-mal angeguckt, weil ich es nie verstanden habe. Zu dem Zeitpunkt stand es 1:1 und es gab überhaupt keine Not zu wechseln. Kurz vor der Pause traf Zinedine Zidane dann zum 2:1 – und Toppmöller konnte in der zweiten Hälfte nicht mehr nachsetzen, weil er schon gewechselt hatte.“

Interview: Andreas Krühler

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