03.02.2018

„Wir wollen international wieder dabei sein“

Interview mit Nico Schulz (1899 Hoffenheim)

Spielt seit Sommer 2017 für 1899 Hoffenheim: Nico Schulz. Foto: JouLux

Nach zwei sportlich schwierigen Jahren bei Borussia Mönchengladbach schloss sich Nico Schulz (24) zu Saisonbeginn der TSG Hoffenheim an. Dort erhoffte sich der flinke Linksverteidiger vor allem mehr Einsatzzeit, nachdem er in Gladbach, auch aufgrund eines im Oktober 2015 erlittenen Kreuzbandrisses, nie über die Rolle des Ergänzungsspielers hinausgekommen war. Angesichts der zu erwartenden Dreifachbelastung des Champions-League-­Qualifikanten aus dem Kraichgau eine durchaus realistische Option, wie sich zeigen sollte (13 Bundesligaeinsätze, fünf in der Europa League, zwei im DFB-Pokal). Nachdem Hoffenheim allerdings sowohl in Europa als auch im DFB-Pokal früh die Segel streichen musste, sieht sich Schulz vor einer ähnlichen Situation, wie sie auch bei seinem Ex-Klub und kommenden Gegner Hertha BSC (Sonnabend, 15.30 Uhr, Olympiastadion) vorherrscht: Ein reichhaltiges Angebot an Profis rangelt um relativ wenige Plätze im Kader.

Fußball-Woche: Herr Schulz, wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach einem halben Jahr in Hoffenheim aus?


Nico Schulz: „Gut. Wir haben eine starke Mannschaft, wobei wir unser großes Potenzial leider noch nicht voll nutzen konnten. Wir können mehr und werden versuchen, das auch umzusetzen.“

Worin besteht der größte Unterschied im Vergleich zu Ihren Ex-Klubs Hertha und Gladbach?

Schulz: „In erster Linie sicher hinsichtlich der Fans. Gladbach und Berlin, das war nochmal eine ganz andere Hausnummer. Die Stadien sind größer, auch das ganze Drumherum ist imposanter. Aber auch in dieser Hinsicht sind wir hier auf einem guten Weg.“

Ist die TSG ein familiärer Verein?

Schulz: „Das kann man so sagen. Wir Spieler verbringen viel Zeit zusammen auf dem Vereinsgelände. Das war ich so in Gladbach und Berlin nicht gewohnt. Auch der Umgang mit der Geschäftsstelle und dem Personal, von der Putzfrau bis zum Koch, das ist alles sehr familiär.“

In Gladbach wurden Sie durch einen Kreuzbandriss zurückgeworfen. Haben Sie die Verletzung komplett hinter sich gelassen?

Schulz: „Da habe ich gottseidank gar keine Probleme, damit beschäftige ich mich überhaupt nicht mehr.“

Beim Rückrundenauftakt in Bremen saßen Sie nur auf der Bank, beim anschließenden Heimspiel gegen Leverkusen waren Sie nicht im Kader. Gab es einen Grund?

Schulz: „Nicht wirklich. So ist das eben, mal läuft es besser, dann wieder schlechter. Wenn ich dranbleibe, werde ich schon auf meine Einsätze kommen.“

Im Winter ist Sandro Wagner gegangen, nach der Saison verlassen mit Mark Uth und Serge Gnabry mindestens zwei weitere Leistungsträger die TSG. Ist in Hoffenheim der Umbruch Normalzustand?


Schulz: „Das kam in den letzten Jahren immer wieder vor, das spricht auch für das gute Scouting des Vereins. Viele Spieler waren auf einem guten Weg, das weckt dann auch Begehrlichkeiten. Ich bin trotz der Abgänge zuversichtlich, dass unser Management auch im nächsten Jahr wieder eine super Truppe zusammenstellt.“

Ihr Vertrag läuft bis 2020. Welche Ziele wollen Sie mit Hoffenheim erreichen? 

Schulz: „Zunächst einmal soll die Rückrunde besser werden als die Hinrunde. Die Bundesliga ist sehr eng, schauen wir mal, wie weit wir nach oben kommen. Wir waren in dieser Saison international dabei, haben nur leider nicht alles zeigen können, was wir draufhaben. Das soll, wenn alles optimal läuft, kommende Saison besser werden.“

Das Scheitern in der Qualifikation zur Champions League gegen Liverpool kam nicht unerwartet, das anschließende Aus in der Europa League hat dagegen schon überrascht. Wie hat die Mannschaft das verarbeitet?

Schulz: „Die Enttäuschung war schon sehr groß, wir hatten uns alle mehr vorgenommen und gehofft, dass wir weiterkommen. Aber wir sind eine junge Mannschaft, die noch viel lernen muss. Deshalb wollen wir nächstes Jahr auch unbedingt wieder international dabei sein.“

Julian Nagelsmann wird regelmäßig mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Was macht ihn zu einem besonderen Trainer?

Schulz: „Sein Training ist sehr anspruchsvoll, er macht viel für den Kopf und entwickelt jeden Spieler individuell weiter. Er achtet sehr auf Feinheiten, speziell im taktischen Bereich. Jeder muss flexibel sein, in jedem System. Wenn die Mannschaft das umsetzt, was der Trainer uns vorgibt, ist die Wahrscheinlichkeit in jedem Spiel hoch, dass wir gewinnen.“

Welche Rolle spielt sein Alter, Nagelsmann ist ja noch recht jung?


Schulz: „Wenn man an das, was einem der Trainer sagt, glaubt, dann spielt das Alter keine Rolle.“

Die TSG kann sich, genau wie Hertha, voll auf die Bundesliga konzentrieren. Wie schwer wiegt der Vorteil, nur noch in einem Wettbewerb zu spielen?

Schulz: „Unser Vorteil ist, dass wir mehr Zeit zum Trainieren und damit günstigere Voraussetzungen haben, um eine bessere Rückrunde zu spielen. Für einen Profi ist es natürlich immer schöner, wenn man mehr Spiele hat.“

Hertha und Hoffenheim tummeln sich im dichtgedrängten Mittelfeld der Liga. Wieviele Zuschauer erwarten Sie am Sonnabend?

Schulz: „Ich habe mit Hoffenheim noch nicht in Berlin gespielt. Ich hoffe natürlich auf so viele wie möglich, könnte mir aber denken, dass es nicht ganz so voll sein wird.“ 

Wird die Mehrzahl eher zufrieden oder enttäuscht nach Hause gehen?

Schulz: „Ich glaube schon, dass wir da was holen können, von daher werden die meisten wohl enttäuscht sein.“

Interview: Alex Heinen

Kommentieren

Vermarktung: