23.07.2017

„Wir sind gefestigter als in der letzten Saison“

Interview mit Marc Stein (Energie Cottbus)

Einsatz in Europa: Marc Stein (links) 2009 im Europa-League-Spiel gegen FK Ventspils (Alessandro Zamperini). Foto: JouLux

Nachdem sich der FC Energie Cottbus in der vergangenen Spielzeit der Regionalliga Nordost lediglich Liga-Überflieger Carl Zeiss Jena beugen musste, wollen sich die Lausitzer nicht abermals überraschen lassen. Die Voraussetzungen für eine Rückkehr in die 3. Liga scheinen günstig, nicht ohne Grund haben nahezu sämtliche Trainer der Konkurrenz den Ex-Bundesligisten zum Top-Aufstiegskandidaten gekürt. Vor dem Premieren-Auftritt des FC Energie bei der TSG Neustrelitz (Sonntag, 13.30 Uhr, Parkstadion) sprach die Fußball-Woche mit Kapitän Marc Stein (32) über die Bürde des Favoriten, die Neuauflage des Pokalfinales von 1997 und seine Beinahe-Meisterschaft mit Hertha BSC.

Fußball-Woche: Herr Stein, freuen Sie sich auf die neue Saison?


Marc Stein: „Man freut sich immer, wenn es wieder losgeht. Wenn nach der Saison Ruhe einkehrt, ist es auch angenehm, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man der neuen Saison entgegenfiebert. Wir haben jetzt noch eine Woche Zeit, etwas zu tun, wir fühlen uns absolut bereit.“

Wie verkraften Sie als 32-Jähriger die Vorbereitung?

Stein: „Ich versuche immer, auf meinen Körper zu achten, das habe ich früher schon so gemacht. Ich merke natürlich, dass ich die eine oder andere Übung nicht mehr ganz so locker wegstecke. Aber wenn man sich gut kennt, ist das auch im fortgeschrittenen Alter kein Problem. Die Physis ist ohnehin nicht so mein Problem, da profitiere ich noch von meiner Zeit als Leichtathlet (Stein war als Schüler Brandenburgischer Meister im Weitsprung; die Red.).“

Wen sehen Sie als ärgste Widersacher um den Aufstieg?

Stein: „Das lässt sich schwer voraussagen. Letztes Jahr wurden Nordhausen und der BAK hoch gehandelt, beide konnten die Erwartungen nicht ansatzweise erfüllen. Jena hatte dagegen keiner auf dem Zettel. Wichtig wird sein, dass wir bei uns bleiben, dass wir uns weiterentwickeln. Als Mannschaft sind wir mit Sicherheit gefestigter als in der letzten Saison. Wir wissen, was wir können und wie wir damit umgehen müssen. Es wird sicher ein oder zwei Mannschaften geben, die versuchen werden, uns zu stören, aber dagegen müssen wir ankämpfen.“

Es wurden jetzt schon mehr Dauerkarten verkauft, als zum gleichen Zeitpunkt der letzten Saison. Verspüren Sie so etwas wie Euphorie rund um Energie Cottbus?

Stein: „Ich denke schon, dass die Leute honorieren, was letztes Jahr passiert ist. Da hat eine Mannschaft gespielt, die wollte alles herausholen, was ging – am Ende hat es leider nicht ganz gereicht. Mit dem Pokalsieg und der Qualifikation für den DFB-Pokal gab es trotzdem einen tollen Abschluss. Jetzt gilt es, das weiterzuführen.“
Eine gute Gelegenheit wäre das Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart, die Neuauflage des Endspiels von 1997 ...
Stein: „Direkt davor haben wir eine Englische Woche – und die steht ganz klar im Vordergrund. Das Spiel gegen den VfB wird für uns ohnehin das leichteste der ganzen Saison. Wir können gar nicht verlieren, wir sind der Herausforderer, der VfB muss zeigen, dass er der Erstligist ist und unbedingt weiterkommen will. Wir werden größtmögliche Gegenwehr leisten und dann wird man sehen, was wir zu Hause holen können.“

Sie selbst verfügen über Bundesliga-Erfahrung. Welche Tipps haben Sie für Ihre Mannschaftskollegen?

Stein: „Wichtig ist, dass die Jungs auf dem Feld zusammenstehen. Gegen die vermeintlich höhere Qualität des Gegners müssen wir gegenhalten. Jeder muss für jeden da sein, und wenn jemandem ein Fehler passiert, wird der vom Nebenmann ausgebügelt. Wenn das Spiel lange offen bleibt, müssen wir zeigen, dass wir es wollen. Aber bis zum Pokalspiel gegen Stuttgart ist es noch ein weiter Weg, unser Fokus liegt eindeutig auf der Regionalliga.“

Denken Sie noch hin und wieder an die Saison 2008/09, als Sie mit Hertha kurzzeitig an der Meisterschaft geschnuppert haben?

Stein: „Das war ein schönes Gefühl, wir haben viel erlebt, es schien eine Menge möglich. Wobei man zugeben muss, dass wir absolut am Limit waren, wenn nicht sogar ein paar Punkte darüber hinaus. Das Traurige aber war die Saison danach, als wir abgestiegen sind. Ich hatte mich nach acht oder neun Spieltagen verletzt und konnte nicht mehr wirklich eingreifen. Erst wieder zum Ende der Saison, da war die Messe aber schon gesungen.“

Hertha feiert in dieser Woche 125. Geburtstag. Was wünschen Sie Ihrem Ex-Klub zum Geburtstag?

Stein: „Sie sollen kontinuierlich weiterarbeiten und möglichst versuchen, dass Berlin irgendwann auch Fußball-Hauptstadt wird. Die Stadionproblematik wird hoffentlich auch bald gelöst, das Olympia­stadion ist nicht mehr zeitgemäß, auch ein Stück weit zu groß. Ich drücke jedenfalls die Daumen, dass sie die letzte Saison wiederholen können.“

Interview: Alex Heinen

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