Mein Fußball-Woche

03.09.2017

„Wir müssen zusehen, dass wir Dreier einfahren“

Vor rund fünf Monaten feierte Werder Bremen seinen vorerst letzten Bundesligasieg, seitdem kassierten die Hanseaten saisonübergreifend fünf Pleiten am Stück. Der Gegner an jenem 29. April hieß Hertha BSC, überragende Akteure bei den Hanseaten waren Max Kruse (29) und Fin Bartels (30), die jeweils ein Tor und eine Vorlage zum verdienten 2:0-Heimsieg beisteuerten. Vor dem erneuten Aufeinandertreffen zwischen Hertha und Werder (Sonntag, 15.30 Uhr, Olympiastadion) sprach die FuWo mit Bartels über den vergeigten Saisonstart, die verpasste Europa League-Teilnahme und private Poker-Duelle mit seinem Sturmpartner Kruse.

Fußball-Woche: Herr Bartels, wie bewerten Sie die ersten Spiele gegen Hoffenheim und Bayern München?


Fin Bartels: „Natürlich wollten wir da mehr holen. Aber das waren auch zwei Top-Teams, gegen die wir verloren haben. Gegen Bayern haben wir es über 70 Minuten, zumindest defensiv, ordentlich gemacht. Das müssen wir mitnehmen und in den nächsten Spielen besser machen.“

In den ersten beiden Spielen stand Werder sehr tief, der Fokus lag eher auf der Defensive – oder täuscht der Eindruck?

Bartels: „Auf der Defensive lag auf jeden Fall das Hauptaugenmerk in der Vorbereitung. Angesichts der vielen Gegentore in der letzten Saison mussten wir da ansetzen. Jetzt müssen wir die Balance finden, dass wir auch offensiv wieder gefährlich werden. Aber nochmal: Wir hatten zwei Brocken zu Beginn, da dürfen wir uns auch nicht komplett verrückt machen lassen.“

Also erleben wir gegen Hertha eine offensivere Werder-Mannschaft?

Bartels: „Hertha ist auch eine Top-Mannschaft und gerade zu Hause schwer zu bespielen. Aber ich glaube, wir sahen in den letzten Jahren nicht immer ganz schlecht dort aus. Wir haben immer unsere Chancen gewittert und auch bekommen, das werden wir auch diesmal versuchen.“

Sie persönlich haben sogar noch nie gegen Hertha verloren, seit Sie bei Werder sind ...

Bartels: „So genau wusste ich das gar nicht, das hört sich doch gut an (lacht).“

Besonders mit Max Kruse haben Sie letzte Saison hervorragend harmoniert. Verstehen Sie sich auch privat?

Bartels: „Das auf jeden Fall.“

Pokern Sie auch mit Ihrem Offensiv-Partner?

Bartels: „Ab und zu (lacht).“

Aber Sie zocken nicht so intensiv wie der Kollege Kruse?

Bartels: „So professionell kann ich das dann doch nicht, da ist er einen Tick besser.“

Verrät er Ihnen denn wenigstens ein paar Tricks?

Bartels: „Wenn wir spielen, dann gegeneinander. Da verrät er mir natürlich nichts.“

Zurück zum Fußball: Ihre Karriere war zu Beginn nicht immer vom Glück geprägt, mit Holstein Kiel, Hansa Rostock und St. Pauli sind Sie jeweils abgestiegen. Wie sehr hat Sie das geprägt?

Bartels: „Das muss man relativieren: Mit Pauli und Rostock waren wir in der 1. Liga krasse Außenseiter, das wäre einer Sensation gleichgekommen, wenn wir das geschafft hätten. Nichtsdestotrotz sammelt man seine Erfahrungen und versucht daran zu arbeiten, dass man nicht wieder in solche Situationen gerät. Bei Werder hatten wir auch hin und wieder kritische Phasen, die haben wir aber immer gut gelöst. Jetzt würden wir gerne mal in ruhigeres Fahrwasser.“

Sie sind gebürtiger Kieler, haben bislang nur für Nordklubs gespielt. Zufall oder fühlen Sie sich in Küstennähe wohler?

Bartels: „Beides, würde ich sagen. Es war sicherlich Zufall, dass es bei den entsprechenden Angeboten immer gut gepasst hat. Aber ich bin auch gut im Norden verwurzelt, die Entfernungen zu Freunden und Familie sind nicht so riesig, das gefällt mir gut.“

Holstein Kiel ist gerade wieder aufgestiegen in die 2. Liga. Wollen Sie zum Abschluss Ihrer Karriere nochmal für die Störche spielen?

Bartels: „Das ist hoffentlich noch lange hin, aber ich spüre schon eine Riesenverbundenheit mit Kiel und freue mich sehr, was da gerade abläuft. Das wäre sicher ein schöner Abschluss, aber ich hoffe wirklich, dass es noch eine Weile dauert, bis es soweit ist.“

Vielleicht reicht es vorher nochmal für Europa. Vergangene Saison stand Werder kurz davor, was hat am Ende gefehlt?

Bartels: „Das war lange ein harter Kampf gegen den Abstieg, immer viel Druck, viel Emotion. Dann kam diese Serie, kann sein, dass da im Unterbewusstsein etwas abgefallen ist. Nach vorne ging immer noch viel, aber hinten standen wir nicht mehr sicher. Das hat uns alle gewurmt, deshalb wollten wir in dieser Saison defensiv besser stehen.“

Oder sind Sie womöglich froh, dass Ihnen die zusätzliche Belastung Europapokal erspart bleibt?


Bartels: „Wenn man die Chance hat und das Ziel so dicht vor Augen, dann will man das unbedingt. Wenn es nicht klappt, ist man entsprechend niedergeschlagen.“

Was ist mit Werder in dieser Saison drin?

Bartels: „Wir müssen natürlich vorsichtig sein, das Auftaktprogramm ist schwer. Erstmal müssen wir Punkte einfahren, es bringt nichts, wenn wir uns jetzt großartige Ziele setzen. Wir müssen hart arbeiten, um in die Saison zu kommen und zusehen, dass wir Dreier einfahren.“

Also müssen Sie aus Berlin etwas mitnehmen?

Bartels: „Klar, das ist das Ziel. Aber das war es auch in den ersten beiden Spielen. Wir wollen in jedem Spiel punkten, das werden wir auch in Berlin versuchen.“

Interview: Alex Heinen

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