13.04.2018

„Wir müssen ständig auf der Hut sein“

Interview mit Lasse Sobiech (FC St. Pauli)

Wechselt nach vier Jahren bei St. Pauli im Sommer wohl zum 1. FC Köln: Innenverteidiger Lasse Sobiech (links), hier im Duell mit Unions Sebastian Polter. Foto: JouLux

Lasse Sobiech (27) wurde der Durchbruch auch bei seinem Stammverein Borussia Dortmund zugetraut, allerdings hatte der 1,96 Meter große Innenverteidiger mit Mats Hummels, Neven Subotic und Felipe Santana nicht zu verach­tende Kaliber vor der Nase. Weil der BVB trotzdem an das Talent seines Eigengewächses glaubte, wurde der im nahen Schwerte geborene Rechtsfuß zunächst nur leihweise abgegeben, 2011 zum damaligen Bundesligaabsteiger FC St. Pauli, im Jahr darauf zum Aufsteiger Greuther Fürth, bevor sich Sobiech 2013 dem HSV anschloss. Nach einer wenig befriedigenden Saison wechselte Sobiech 2014 vom Volksparkstadion ans benachbarte Millerntor, erst auf Leihbasis, 2015 ablösefrei. Im Sommer endet dort seine bislang erfolgreichste Zeit, sein nächster Verein soll der 1. FC Köln sein, der am Sonnabend bei Hertha BSC (15.30 Uhr) antritt, während die Kiez-Kicker kurz zuvor (13 Uhr) den 1. FC Union empfangen.

Fußball-Woche: Herr Sobiech, Sie sollen sich 2010 im Hamburger Hafen mal übel den Fuß gequetscht haben. Wie kam es dazu?

Lasse Sobiech: „Das ist eine alte Geschichte, die ich ehrlich gesagt nicht so gerne aufwärme. Aber das stimmt schon, ich hatte da eine kleine Kollision mit einem Schiff an der Binnenalster.“

Zu dem Zeitpunkt spielten Sie noch für Borussia Dortmund. Was hat Sie damals nach Hamburg geführt?

Sobiech: „Das war das erste Mal, dass ich in Hamburg war, ein rein privates Wochenende.“

Dann kommen wir zum Beruflichen: Der Saisonverlauf des FC St. Pauli ist ein ständiges Auf und Ab. Warum kriegt Ihre Mannschaft keine Konstanz auf den Platz?

Sobiech: „Die fehlende Konstanz ist natürlich auch bei uns ein Thema. Mal gibt es eine gute Phase, dann folgen zwei, drei Spiele, in denen wir unsere Leistung nicht abrufen können. Warum das so ist, ist schwer zu sagen. Es ist auf jeden Fall angebracht, in den letzten Spielen nochmal gute Leistungen zu zeigen. Wir müssen ständig auf der Hut sein, jeder weiß, dass selbst die Plätze neun, zehn oder elf keine Sicherheit garantieren. Jedes Spiel ist verdammt wichtig.“

Mit drei Treffern gehören Sie zu den torgefährlichsten Spielern Ihres Teams. Aufgrund Ihrer Größe ist anzunehmen, dass es Kopfballtore waren?

Sobiech: „Ich gelte zwar durchaus als kopfballstark, aber interessanterweise habe ich alle Tore mit dem Fuß erzielt, eins mit rechts, die anderen beiden mit links. Alle resultierten aus Standardsitua­tionen, entweder aus dem Gewühl heraus oder nach einer Flanke.“

Woher kommt Ihr guter Torriecher?

Sobiech: „Ich bin eigentlich gelernter Stürmer, vielleicht rührt es daher. Aber ich bin schon in der Jugend immer weiter nach hinten gerutscht: In der B-Jugend war ich noch Sechser, in der A-Jugend schließlich Innenverteidiger.“

Ihre Stürmerkollegen treffen jedenfalls nicht unbedingt öfter ...

Sobiech: „Wir wünschen uns natürlich, dass wir insgesamt mehr Tore machen. Wobei es letztendlich egal ist, wer trifft. Aber es stimmt schon, mit unserer Torbilanz können wir nicht zufrieden sein.“

Sie standen mit einigen Vereinen im Abstiegskampf, welches waren für Sie die wichtigsten Erfahrungen?

Sobiech: „Das Allerwichtigste ist immer, dass die Mannschaft intakt bleibt, dass nicht jeder die Verantwortung wegschiebt und die Schuld beim Nächsten sucht. Es mag sich blöd anhören, aber man muss fest zusammenhalten. Das war bei St. Pauli bis jetzt jedes Mal der Fall und diesen Zusammenhalt spüre ich auch jetzt.“

Ist Abstiegskampf gleich Abstiegskampf oder gibt es Unterschiede?

Sobiech: „Es ist schon ein Unterschied, ob du an letzer Stelle stehst und nach oben klettern musst, oder ob du drei Punkte vor den Abstiegsplätzen stehst und deinen Platz verteidigen willst. Das sind jeweils andere Drucksituationen, die sich auch von Verein zu Verein unterscheiden. Manche Klubs erwischt es unerwartet, die kennen Abstiegskampf gar nicht. Bei anderen ist es mehr oder weniger klar, dass es gegen den Abstieg geht.“

Als Sie 2013/14 beim HSV waren, ging es gerade noch mal gut, diesmal scheinen die Lichter tatsächlich auszugehen. Darf man als Profi des FC St. Pauli Mitleid mit dem großen Nachbarn haben?

Sobiech: „Ich wünsche meinen Ex-Vereinen immer, dass sie erfolgreich sind. Deswegen wünsche ich auch dem HSV, dass er in dieser Saison noch ein paar Spiele gewinnt. Noch ist nichts entschieden. Ich denke, alle Mannschaften in der Bundesliga, die unten drin stehen, können da noch hineinrutschen.“

Vermutlich drücken Sie dem 1. FC Köln ganz besonders fest die Daumen? In Köln scheint zumindest die Stimmung besser zu sein als beim HSV ...


Sobiech: „Da wäre ich mir nicht so sicher. Durch den Trainerwechsel beim HSV und die Tatsache, dass da jede Menge junge Spieler zum Zuge kommen, herrscht schon eine gewisse Aufbruchstimmung. Klar, Köln hat in der Rückrunde gut performt, wobei die harte 0:6-Niederlage in Hoffenheim sicher nicht förderlich war.“

Für gute Stimmung ist auch das Publikum auf St. Pauli bekannt, dabei läuft es zu Hause in dieser Saison überhaupt nicht gut?


Sobiech:
„Die Mannschaft will den Fans natürlich gerade zu Hause guten Fußball bieten und die Punkte einfahren, so dass man zusammen feiern kann. Woran es liegt, kann ich nicht sagen. Wir hauen uns rein, versuchen alles, aber die Statistik spricht gegen uns.“

Der 1. FC Union schien lange Zeit mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben, im Gegensatz zu Ihrer Mannschaft. Vom Kopf her ein Vorteil für Ihr Team?

Sobiech: „Das kann man so auslegen, wobei: Das sind alles so Überlegungen, die sind rein spekulativ. Ich glaube, am Ende wird das keine große Rolle spielen.“

Interview: Alex Heinen

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