05.02.2017

„Wir müssen besser und transparenter kommunizieren“

Kevin Langner kam 2001 zum Berliner Fußball-Verband (BFV). Seit 2007 ist der heute 36-Jährige hauptberuflich beim BFV. Zuletzt war er Pressesprecher, Leiter der Sportschule und stellvertretender Geschäftsführer. Zu Jahresbeginn trat der gebürtige Berliner, der als Schiedsrichter bis hoch zur Berlin-Liga pfiff, die Nachfolge von Michael Lameli als Geschäftsführer an. Im FuWo-Interview der Woche spricht Langner über seine Visionen im neuen Amt, veränderte Anforderungen für den Verband und das Thema Lärmschutz.

Fußball-Woche: Herr Langner, Ihr Büro ist jetzt wieder im „Haus des Fußballs“ in der BFV-Geschäftsstelle. Nach zwei Jahren in der Sportschule in Wannsee sind Sie dorthin zurückgekehrt. Haben Sie sich schon wieder eingewöhnt?


Kevin Langner: „Es gab einige bauliche Veränderungen, aber ich konnte mich noch orientieren (lacht). Das Aufgabengebiet hat sich natürlich deutlich verändert.“

Was stand in den ersten Wochen insbesondere auf dem Programm?

Langner: „Ich habe zahlreiche Gespräche mit den Mitarbeitern geführt, mich in verschiedenen Gremien vorgestellt und für meine Visionen geworben.“

Wo wollen Sie mit dem BFV hin?

Langner: „Wir müssen uns professionalisieren. Dafür stehe ich, daran lasse ich mich messen. Eine erste Veränderung ist bereits sichtbar. Kürzlich ist unser überarbeitetes Logo und neues Corporate Design vorgestellt worden – als ein Baustein von vielen.“

Und die Reaktion der Mitarbeiter auf die anstehenden Änderungen?

Langner: „Generell redet jeder lieber über Stärken als über Schwächen. Ich erlebe jedoch im Ehren- wie Hauptamt eine hohe Dialogbereitschaft.“ 

Sie sehen also einiges an Optimierungsbedarf.

Langner: „Nehmen Sie den Bereich Kinderschutz und Gewaltprävention. Da wird in Berlin seit geraumer Zeit hervorragende Arbeit geleistet. Wir sind dem DFB sogar einen Schritt voraus. Andere Bereiche haben dafür vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen wie nötig.“

Zum Beispiel?

Langner: „Wir sind Dienstleister und Interessenvertreter für die Vereine. So werden wir allerdings nicht wahrgenommen. Stattdessen oftmals als verstaubte Verwaltung.“

Mit welchen Mitteln möchten Sie diese Wahrnehmung ändern?

Langner: „Es reicht beispielsweise nicht mehr, lediglich mit einer Person eines Vereins im Kontakt zu stehen. Wenn diese Person den Verein verlässt oder etwa BFV-Mails nicht weiterleitet, ist der Kommunikationsweg versandet. Zudem wollten wir beispielsweise jüngst den Vereinen die Vorzüge des digitalen Spielerpasses im Vergleich zum herkömmlichen Pass auf Papier verdeutlichen. Dies ist uns nicht in vollem Umfang gelungen. Wir müssen generell besser und transparenter kommunizieren.“

Die Anforderungen an den Verband sind andere als in früheren Jahren. Gilt das auch für das Ehrenamt?

Langner: „Ein Ehrenamtler ist mittlerweile in einem Verein quasi Sozialarbeiter. Das reicht von der Hilfe bei Hausaufgaben und Bewerbungen bis zur Flüchtlingsarbeit. Man könnte sagen: In der Vergangenheit haben wir beim BFV Trainer qualifiziert und den Spielbetrieb organisiert und alles war gut. Mag es auch gewesen sein. Aber den gesellschaftlichen Veränderungen haben wir uns zu stellen und überall noch breiter zu qualifizieren.“ 

Ein wichtiges Kommunikationsmittel waren stets die „Amtlichen Mitteilungen“. Auch heute noch, im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co.?

Langner: „Manche Vereinsvertreter bekommen die ‚Amtlichen‘ seit Jahrzehnten per Post. Würden wir sagen, ‚das geht nicht mehr‘, verlieren wir die Mitarbeiter. Wir haben Mitglieder zwischen fünf und 90 Jahren. Denen müssen wir allen gerecht werden.“ 

In Berlin regiert seit kurzem ein neuer Senat. Für den Sport ist jetzt Senator Andreas Geisel von der SPD zuständig. Wie ist der erste Eindruck aus Sicht des Verbandes?

Langner: „Der Sportsenator hat sich auf unserem Neujahrsempfang bei der dringend nötigen Modernisierung und dem Neubau von Sportstätten sowie beim Lärmschutz klar zum Berliner Fußball bekannt. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Wir werden aber weiter den Finger in die Wunde legen.“

Beim Lärmschutz kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Anwohnern und Vereinen. Ende Januar hat der Bundestag die Richtwerte für die Abendstunden sowie an Sonn- und Feiertagen in der Mittagszeit um fünf Dezibel erhöht. Sind Sie damit zufrieden?

Langner: „Wir haben das sehr positiv aufgenommen. Die Frage bleibt die Umsetzung in der Praxis. Die Entscheidung ist auf jeden Fall die Grundlage für eine richtige Entwicklung. Die Interessen einzelner dürfen nicht über denen der Gemeinschaft stehen.“

Im vergangenen Winter waren über 60 Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte genutzt worden. Nur wenige sind schon wieder für den Sport nutzbar. Nun heißt es, bis Ende März sollen alle Hallen frei sein.

Langner: „Es hat bereits viel zu lange gedauert. Wir fordern den Senat auf, dass danach überall schnell mit den nötigen Renovierungsarbeiten begonnen wird und spätestens zum nächsten Herbst alle Hallen vom gesamten Berliner Sport genutzt werden können.“

Blicken wir einige Monate nach vorn Richtung Saisonende. Was wäre Ihre Wunschvorstellung bezogen auf die drei Profiligen?

Langner: „Dass Hertha BSC den Europapokal erreicht, der 1. FC Union in die Bundesliga aufsteigt und der BAK als derzeit aussichtsreichster Klub aus Berlin doch noch den Sprung in die 3. Liga schafft.“

Interview: Sebastian Schlichting

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