Mein Fußball-Woche

16.07.2017

Wermutstropfen im Freudenbecher

Eintracht Mahlsdorf II gewinnt erneut das Double, doch diesmal bleibt der Mannschaft der Aufstieg verwehrt

Foto: JouLux

Eigentlich ist diese Rubrik ja für Jubel­arien reserviert. Meister, Aufsteiger, tralala, alles schön, alles toll. Aber das Leben kann manchmal ganz schön ungerecht sein. Der Fußball macht da keine Ausnahme. „Ach quatsch, vor allem ist der Nordostdeutsche Fußballverband ungerecht“, sagt Nico Hennig. Man sollte ja auf den ersten Blick meinen, dass der Trainer von Eintracht Mahlsdorf II allen Grund zur Freude haben müsste. Zum zweiten Mal in Folge hat seine Mannschaft das Double klar gemacht. Im Vorjahr Meister der Bezirksliga und Pokalsieger bei den 2. Männern, jetzt als Aufsteiger Meister in der Landesliga und den Pokal verteidigt.

Aber das Sahnehäubchen, nämlich der Aufstieg in die Berlin-Liga, der blieb der Eintracht-Reserve Mahlsdorf II versagt. Der NOFV ließ nur den Champion der Berlin-Liga hoch in die Oberliga – und das war bekanntlich der SC Staaken. Mahlsdorf I wurde Vizemeister und bleibt Berlin-Ligist, für die Zweite der Eintracht war die Tür nach oben damit zu. „Das müssten mir die Herrschaften des NOFV mal erklären, warum der Absteiger 1. FC Frankfurt drin bleibt. Die sollten sich mal ein Beispiel am Berliner Fußball-Verband nehmen. Hier bei uns ist die Abstiegsregel nämlich eindeutig. Unsere Erste hätte es neben Staaken so verdient gehabt. Und wir haben bis zum letzten Moment gehofft, aber am 23. Juni war es leider Gewissheit, dass wir nicht rauf können.“


Auch der 1. Vorsitzende Thomas Loest sagt: „Es wäre das i-Tüpfelchen gewesen, aber es geschehen dubiose Sachen.“ Der Ärger ist verständlich, aber was den Mahlsdorfern unbenommen bleibt: Sie haben eine richtig geile Saison gespielt. Beim Blick auf den Kader war das auch kein Wunder. Das war kein normaler Aufsteiger, Spieler wie Heller, einst Zorns kongenialer Partner in der 1. Mannschaft, John, Ehrcke, Shlyakhta, Korn, Feiler oder Götze haben alle schon höherklassig gespielt. Mahlsdorf II überzeugte mit strukturiertem Fußball, hatte auch individuell mehr Klasse als die Konkurrenz und war dem Rest der Liga meist überlegen. Nur an neun von 30 Spieltagen stand die Hennig-Elf nicht an der Spitze.

Es begann mit einem 5:1-Sieg über den Köpenicker SC und einem 6:1 über Hellas-Nordwest. Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey. Das blieb so, nach neun Spieltagen hatte nur Hohen Neuendorf den Mahlsdorfern einen Punkt abgeknöpft. Dann geriet die Mannschaft in eine kleine Krise, vor der Winterpause gab es in fünf Spielen drei Niederlagen, 0:3 gegen Türkspor FK, jeweils 0:1 gegen Concordia Wittenau und Türkiyemspor. Und der letzten Partie vor der Winterpause folgte auch noch ein 0:0 gegen den BSC Rehberge. „Wie das eben manchmal so ist“, sagt Hennig, „bis dahin ging alles wie von selbst. Dann lässt man im Training ein bisschen nach, strengt sich weniger an. Aber mit halber Kraft geht es einfach nicht.“

Die Mannschaft kam im neuen Jahr wieder besser in die Spur. Die Dominanz der ersten zehn Wochen erreichte sie zwar nicht mehr, aber mit insgesamt 36 Gegentreffern hatte die Eintracht die beste Defensive und 79 geschossene Tore waren der zweitbeste Wert der Liga. „Ich will gar keinen richtig heraus­picken, wir hatten einfach eine echte Mannschaft“, sagt der Trainer. Im Gedächtnis ist ihm vor allem der 3:2-Sieg am 27. Spieltag in Wittenau, der mit zwei Toren in der Schlussphase klar gemacht wurde. Acht Punkte Vorsprung waren es schließlich vor dem Zweitplatzierten Hellas-Nordwest, sogar zwölf vor dem Dritten 1. FC Schöneberg. 

Und dann immer wieder der hoffnungsvolle Blick nach oben. Schafft es unsere Erste vielleicht doch? Oder streift den NOFV doch noch so etwas wie Gerechtigkeitsempfinden? Nichts von beidem. Da muss man durch. Die große Fluktuation gibt es ohnehin wieder nicht, in Mahlsdorf wäre das auch völlig unüblich. Heller und John hören auf, Götze geht nach Biesdorf. Der Rest bleibt zusammen, junge Spieler werden eingebaut. „Eine neue Herausforderung, aber wir wollen immer die vorige Saison bestätigen“, sagt Hennig. Da kann die Konkurrenz ja nur hoffen, dass Mahlsdorfs Erste wieder nur höchstens Zweiter wird. Oder der NOFV bei seiner seltsamen Linie bleibt.

Die 79 Tore für Eintracht Mahlsdorf II erzielten

Heller (20), Feiler (11), Shlyakhta (11), Maraszkiewicz (8), Dähne (5), Götze (4), Dorzok (3), Räther (2), Burmeister (2), John (2), Michas (2), Pensel (2), Englert (2), Lichtnow, Gusmann, Theuß, Lange, Wolf.

Von Bernd Karkossa

Kommentieren

Vermarktung: