Mein Fußball-Woche

15.02.2014

Wegbereiter des deutschen Fußballs

Wer sich noch nie detailliert mit den Anfängen des organisierten Fußballs in Deutschland beschäftigt hat, wird es kaum glauben, aber ohne den BFC Germania 88 wäre der Fußball in Berlin und ganz Deutschland wohl nicht das, was er heute ist. Am 15. April 1888 gründeten einige Schüler des Askanischen Gymnasiums um den 17-jährigen Paul Jestram den ersten Fußballverein Deutschlands und wurden damit zu Vorreitern einer Sportart, die zu jener Zeit noch unorganisiert und ohne festes Regelwerk auf dem Tempelhofer Feld, damals noch ein Exerzierplatz der preußischen Armee, ausgeübt wurde.

In den folgenden Jahren entstanden in Berlin immer mehr Vereine, die sich dem Fußball widmeten, prägend blieb für viele Jahre aber Germania 88. So war es keine große Überraschung, dass die Tempelhofer an der Gründung des ersten Fußballverbandes, des Bundes Deutscher Fußballspieler (BDF), maßgeblich beteiligt waren und 1890/91 sogar die erste (inoffizielle) Deutsche Meisterschaft gewannen.

„Überall im deutschen Vaterlande, wo man dem Fußballsport Interesse entgegen bringt, hat der Name des BFC Germania einen guten Klang“, hieß es in einer Ausgabe von „Sport im Bild“ aus dem Januar 1897. Da hatte Germania seine Vormachtstellung allerdings schon an den Lokalrivalen Viktoria 89 verloren. Zu den Derbys strömten regelmäßig bis zu tausend Zuschauer, so dass die Presse von dem „Klassiker“ der Zeit sprach.

Während Germanias Bedeutung für die Entwicklung des Fußballs noch einige Jahre sehr groß blieb – Georg Dremmler und Fritz Boxhammer waren ganz wesentlich an der Gründung des VDB (heute Berliner Fußball-Verband) 1897 und des DFB beteiligt – konnte der Verein sportlich nie mehr an die Glanzzeiten der 1890er Jahre anknüpfen. BFC-Torwart Fritz Baumgartner stand 1908 zwar beim ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft zwischen den Pfosten, das Kapitel überregionaler Fußball sollte allerdings für immer abgeschlossen sein.

1953/54 schafften es die Tempelhofer noch einmal in die Amateurliga, damals zweithöchste Berliner Spielklasse, stiegen am Ende der Saison aber postwendend wieder ab. Genau 50 Jahre später sorgte der Verein erneut für Aufsehen. Für drei Jahre spielte Germania in der Verbandsliga und feierte mit Rang vier in der Saison 2004/05 den größten Erfolg seit den Glanzzeiten kurz nach Vereinsgründung.

Doch Germania wäre nicht Germania, wenn sich die mittlerweile seit 125 Jahren andauernde Achterbahnfahrt nicht fortgesetzt hätte. 2006 war das Abenteuer Verbandsliga als Tabellenletzter zu Ende. Es folgte der Abstieg aus der Landesliga, dann der aus der Bezirksliga. Heute spielt der erste Deutsche Meister in der Kreisliga B, der zweitniedrigsten Spielklasse. Viele der Gründungsvereine des DFB sind tief gefallen, von der Meisterschaft in die Niederungen der Kreisliga – dieses harte Schicksal mussten neben Germania aber nur die wenigsten Vereine erdulden. Nachdem in den vergangenen Jahren Abstiegskampf auf dem Programm stand, ist mit Platz drei zur Winterpause nun allerdings der Aufstieg im Bereich des Möglichen. Zumindest ein Lichtblick für den ersten Fußballverein Deutschlands.

Von Julian Graeber

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