Mein Fußball-Woche

10.01.2014

Von Tempelhof an die Mühle

25 Vereine aus dem heutigen Groß-Berlin waren am 28. Januar 1900 dabei, als in Leipzig der Deutsche Fußball-Bund gegründet wurde. In einer neuen Serie stellt die Fußball-Woche diese Klubs der ersten Stunde aus Charlottenburg, Berlin, Friedenau, Niederschönhausen und Rixdorf vor und erzählt, was aus ihnen geworden ist. In der Serie sind bisher erschienen: die Vorläufer von Blau-Weiß 90 (jetzt SV Blau Weiss) und von der SV Nord Wedding. Jetzt folgt Teil 3.

Wie so viele Berliner Vereine hat der SV Stern Britz seine Wurzeln in einer Gaststätte. 1889 versammelte sich eine Gruppe junger Männer in einem Restaurant in der Fidicinstraße, um nach dem gemeinsamen Fußballspielen auf dem Tempelhofer Feld, das damals ein militärischer Truppenübungsplatz war, noch ein Bier zu trinken. Am 3. Mai jenen Jahres gründeten die fußballbegeisterten Männer den FC Stern 1889, wobei sie der klare Nachthimmel bei der Namenswahl inspiriert haben soll.

Von einem geregelten Plfichtspielbetrieb war man zur damaligen Zeit allerdings noch weit entfernt. Es gab nur eine Handvoll Vereine und die Organisation von Spielen war aufwändig. Eine der ersten Begegnungen bestritt der Verein am 18. Oktober 1890 gegen Viktoria 89 – mit jeweils zehn Spielern und einer Spielzeit von „17.00 - 19.00 Uhr“.

In den folgenden Jahren ging es mit dem Fußball jedoch immer rasanter voran und am 28. Januar 1900 war der FC Stern 1889 Gründungsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes. An die sportlichen Errungenschaften anderer Berliner Gründungsmitglieder wie Viktoria oder Hertha reichte Stern bei weitem nicht heran. Größte Erfolge waren 1906/07 ein achter Rang in der Oberliga Berlin sowie der Einzug ins Viertelfinale des Berliner Pokals 1926.

Der zweite Weltkrieg und mehrere unfreiwillige Platzwechsel ließen den Verein dann für lange Zeit in den Niederungen des Berliner Amateurfußballs verschwinden. Von der Harzer Straße zog der Verein an den Dammweg, dann an die Karl-Marx-Straße. Der große Bruch kam im Jahr 1972: Sportlich lag die erste Männermannschaft am Boden und dümpelte in der C-Klasse herum. Aufgrund von Neubauten an Dammweg und Karl-Marx-Straße musste der Verein an den Kölner Damm nach Buckow, das damals noch lange nicht so dicht besiedelt war wie heute, umziehen. Die Jugendabteilung brach zusammen, die Zuschauer blieben aus und der Verein stand am Scheideweg. Nur ein Jahr später fusionierte Stern mit der sportlich kaum besser stehenden Spielvereinigung Britz Süd 49 zum SV Stern Britz 1889 und bezog die neue Heimat An der Windmühle. Heute ist die Jugendabteilung mit 14 Mannschaften wieder eine der Stärken der Britzer, die aktuell in der achtklassigen Bezirksliga spielen.

Von Julian Graeber

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