16.07.2017

Unstillbarer Torhunger

DJK SW Neukölln II gelingt die direkte Rückkehr in die Kreisliga A – Aufstiegstrainer Ringhandt tritt ab

Foto: Verein

Nach dem Kreisliga-A-Ausflug der DJK Schwarz-Weiß Neukölln II in der Saison 2015/16, der aufgrund zahlreicher verletzungs- und arbeitsbedingter Ausfälle von Stammspielern vorerst nur ein einjähriger gewesen war, hatte deren Trainer Ralph Ringhandt, der nach dem Abstieg im Amt geblieben war, zu Saisonbeginn unmissverständlich klargemacht, dass in diesem Frühjahr die sofortige Rückkehr dorthin bewerkstelligt werden sollte: „Wir wollten die letzte Saison, in der so vieles zu unserem Ungunsten gelaufen war, unbedingt ausmerzen.“

Ein kurzer Blick in die Statistik genügt, um zu erkennen, wie sehr die Ringhandt-Elf die 3. Abteilung der Kreisliga B in den vergangenen Monaten dominiert hat. So hatte die Mannschaft die Tabellenführung bereits am dritten Spieltag erobert und sie sich danach auch nicht mehr entreißen lassen. Mit 165 Toren waren die Neuköllner, die in fünf Spielen zweistellig triumphierten, über alle Staffelgrenzen hinweg die mit Abstand torhungrigste Mannschaft. Sechs weitere Tore waren ihr nach dem Nichtantritt eines Gegners vom Sportgericht zugesprochen worden. Und auch der stattliche Punkteschnitt (2,73 pro Partie) spricht für sich. Mit Rouwen Eisenhut, dem allein 60 Buden gelangen, hatte die DJK zudem den zweitgefährlichsten Stürmer der Spielklasse in ihren Reihen.


„Allein von seiner Schnelligkeit her ist er in dieser Liga schon eine Ausnahmeerscheinung“, lobt Ringhandt seinen Goalgetter. „Aber wenn er vorne nicht gewesen wäre, hätte Chris Hartmann die Dinger reingemacht“, fügt der Coach lachend hinzu. Ringhandt hatte Hartmann, eigentlich ein gelernter Stürmer, und viele andere Spieler vor der Saison wegen eines Überangebots in der Offensive und einem personellen Engpass im Defensivbereich umschulen müssen. Hartmann und seine Mitspieler machten ihre Sache auf den für sie ungewohnten Positionen aber sehr gut, kassierte die DJK doch nur 29 Gegentreffer – ein ebenfalls überragender Wert, den nur der SV Tasmania II (25) in der Kreisliga B noch toppen konnte. Weitere wichtige Säulen des Neuköllner Erfolgs waren Mannschaftsführer Daniel Messing und Ringhandts Co-Trainer Christoph Hoffmann.

Bei all dem Lob, das er seiner Mannschaft aussprechen kann, gibt der Erfolgstrainer aber auch zu, dass er die souveräne Tabellenführung manchmal auch als Laster für seine Spieler empfunden hat. Dann nämlich, wenn er einen gelegentlichen Schlendrian gegen Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen konstatieren musste. Er ruft dabei vor allem das Rückspiel bei Fortuna Pankow II (5:0-Sieg) ins Gedächtnis, als seine Elf ob ihres phlegmatischen Autritts in Durchgang eins gegen mutige Gastgeber eigentlich zur Pause hätte zurückliegen müssen, aber mit Glück ein torloses Remis in die Halbzeitpause rettete. „Dieser Leichtsinn hat mich ein bisschen geärgert“, so Ringhandt, der wusste, wie groß die Motivation bei allen gegnerischen Teams war, gegen den Tabellenführer etwas Zählbares einzufahren. Versöhnlich stimmte den Übungsleiter dann meist aber die Vorstellung seiner Spieler nach dem Seitenwechsel. Regelmäßig überrollten die Neuköllner dann ihre Gegner und präsentierten sich mit 95 Treffern im Vergleich zum ersten Spielabschnitt nochmals um 25 Tore treffsicherer.

Nach dem erreichten Wiederaufstieg stellte Ringhandt etwas überraschend seinen Trainerposten bei den Neuköllnern zur Verfügung. „Unser mittelfristiges Ziel lautet, den Liga-Abstand zwischen unserer 1. Mannschaft in der Berlin-Liga und der Zweiten so weit wie möglich zu verkleinern. Zumindest die Bezirksliga sollte da für meine Elf noch erreichbar sein“, so Ringhandt. 

Der Coach, der mit seinen Spielern mitunter schon seit sechs, sieben Jahren ununterbrochen zusammengearbeitet hatte, sah es jetzt aber als notwendig an, den Weg frei zu machen für einen neuen Übungsleiter, der der Mannschaft „den nötigen Kick gibt, um diesen nächsten Schritt machen zu können“. Schließlich starteten unter einem neuen Trainer alle Spieler wieder bei Null und müssten sich durch besonders gute Trainings- und Spieleindrücke erst wieder für regelmäßige Einsatzzeit empfehlen. 

Ringhandt selbst bleibt dem Verein aber auch weiterhin, fortan als sportlicher Leiter im Jugendbereich, verbunden. „Mein Ding war schon immer das Aufbauen von etwas Neuem“, nennt der Erfolgstrainer einen weiteren Beweggrund für seinen Amtswechsel und blickt dabei schon voller Vorfreude der neuen Herausforderung entgegen.

Die 171 Tore für DJK SW Neukölln II erzielten

Eisenhut (60), Zenteno-Montano (19), Mitschker (18), Hartmann (16), Becker (8), Schäfer (6), Ayad, Cetin, Isar, Treder (je 5), Sauerland (4), Hirsch, Mardenlli, Messing, D. Ringhandt (je 2), Asadi. Hinzu kommen fünf Eigentore und sechs Tore vom mit 6:0 für Neukölln gewerteten Auswärtsspiel bei den SF Berlin 06 (15. Spieltag).

Von Maximilian Voigt

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