20.08.2017

„Union wird bis zum Ende oben dabei sein“

Interview mit Sören Brandy (Arminia Bielefeld)

Sören Brandy (links) bei seiner Verabschiedung mit Maskottchen Ritter Keule vor dem Ligaspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Rechts: Collin Quaner. Foto: JouLux

Sören Brandy (32) gilt privat als freundlich und umgänglich, entsprechend geräuschlos verlief im vergangenen Winter der Wechsel des Stürmers vom 1. FC Union zum Ligakonkurrenten Arminia Bielefeld. Auf dem Platz ist der im ostwestfälischen Verl geborene Angreifer ein eher unangenehmer Zeitgenosse, der mit allen ihm sportlich zur Verfügung stehenden Mitteln zum Torerfolg kommen will. Deshalb wird Brandy am kommenden Sonntag bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte (13.30 Uhr, Alte Försterei) auch keine Rücksicht auf eventuelle Befindlichkeiten nehmen, sofern er von weiteren Verletzungen, die ihn sowohl im Frühjahr als auch während der letzten Vorbereitung zeitweise außer Gefecht setzten, verschont bleibt.

Fußball-Woche: Herr Brandy, wie stehen die Chancen, dass Sie diesmal in Berlin dabei sind?


Brandy: „Ich fühle mich gut. Im Pokal war ich bereits im Kader, wurde aber leider nicht eingewechselt. Ich versuche, mich dem Trainer aufzudrängen, damit ich meinen Auftritt in der Alten Försterei nachholen kann.“

Es gibt reichlich Konkurrenz im Arminen-Sturm. Macht Ihnen das Sorgen?

Brandy: „Ach, ich bin mittlerweile in einem Alter, da denke ich nicht mehr so viel drüber nach. Die Jungs machen das momentan sehr gut, natürlich ist der Konkurrenzkampf groß. Aber ich habe auch meine Qualitäten.“

Wie sehen die aus, abgesehen von Ihrer Erfahrung?

Brandy: „Da hat sich nicht viel geändert: Ich komme über Aggressivität und Emotionalität ins Spiel, ein bisschen auch über Tempo und Geschwindigkeit. Ich arbeite Fußball. Das mag auf der Offensiv­position vielleicht untypisch sein, aber das ist mein Naturell.“

Union kennen Sie noch in- und auswendig – ein Vorteil?

Brandy: „Heutzutage werden doch alle Mannschaften gut analysiert und gescoutet, da muss ich dem Trainer nichts mehr erzählen. Zumal sich die Spielweise von Union im Vergleich zur letzten Saison nicht groß verändert hat.“

Vielleicht interessiert Sie diese Statistik: Bielefeld konnte bislang noch nie in der Alten Försterei gewinnen.

Brandy: „Jede Serie geht irgendwann zu Ende und ich hoffe, dass wir mit Arminia am Wochenende in Berlin etwas holen werden.“

Letztes Jahr ist die Arminia knapp dem Abstieg entronnen, jetzt stehen schon zwei Siege auf der Habenseite. Was hat sich auf der Alm verändert?

Brandy: „Ich kann schwer beurteilen, was in der letzten Hinrunde war, außer, dass die Ausbeute von 14 Punkten nicht überragend war. In der Rückrunde haben wir dafür kontinuierlich gepunktet. Der neue Trainer hat neuen Schwung und eine neue Philosophie vermittelt, die Jungs haben das alles sehr gut und schnell angenommen. Und: Seit Jeff Saibene Trainer in Bielefeld ist, haben wir erst ein Meisterschaftsspiel verloren – in der letzten Minute gegen den späteren Zweitligameister VfB Stuttgart.“

Was ist Jeff Saibene für ein Typ, im Vergleich zu Jens Keller?

Brandy: „Das ist immer schwer zu vergleichen. Jeff Saibene ist ein sehr ruhiger Typ, der weiß, was er will und das den Spielern auch gut vermitteln kann. Jens Keller hat auch seine Philosophie, er ist vielleicht noch ein bisschen emotionaler. Beide haben ihre Qualitäten. Es wird spannend sein zu sehen, wie das Spiel am Sonntag ausgeht.“

Union strebt den Aufstieg an. Welches Ziel hat Arminia?

Brandy: „Möglichst nicht wieder bis zur letzten Sekunde zittern zu müssen. Da sind wir auf einem guten Weg, denke ich. Die 2. Liga ist so ausgeglichen, da gibt es acht, neun Mannschaften, die oben reinschnuppern wollen. Ob es bei uns dafür schon reicht, sei hier mal dahingestellt.“

Langfristig will Bielefeld sicher mehr, der Klub war immerhin 17 Spielzeiten erstklassig.

Brandy: „Arminia Bielefeld ist der größte Verein in Ostwestfalen, da hört man öfter mal Geschichten von den alten Bundesligazeiten. Wir sollten aber die Kirche im Dorf lassen und uns in der 2. Liga weiter stabilisieren. Bielefeld war in den letzten Jahren auch als Fahrstuhlmannschaft bekannt, zwischendurch ging es auch mal in die 3. Liga. Vielleicht können wir uns in den nächsten Jahren wieder höhere Ziele stecken.“

Ihr Vertrag in Bielefeld läuft bis 2019. Haben Sie noch sportliche Ziele?

Brandy: „(lacht) Natürlich, die decken sich oft mit den Zielen des Vereins. Ich bin 32, habe zwei Jahre Vertrag, in dieser Zeit nochmal Bundesliga zu spielen, erscheint mir relativ unwahrscheinlich. Ich bin trotzdem glücklich, wie meine Karriere bis jetzt verlaufen ist und hoffe, auch in den nächsten Jahren eine gute Rolle in der 2. Liga spielen zu können.“

Was glauben Sie, schafft Union in dieser Saison den Aufstieg?

Brandy: „Letzte Saison war es schon knapp, da ging Union in der Englischen Woche allerdings ein wenig die Puste aus. Die Mannschaft ist größtenteils zusammen geblieben, bis auf Roberto Puncec hat kein Stammspieler den Verein verlassen, dafür wurden drei, vier richtig gute Leute geholt. Ich traue Union einiges zu, sie werden sicher bis zum Ende der Saison oben dabei sein. Ob es schon in dieser Saison für den großen Wurf reicht, wird man sehen.“

Interview: Alex Heinen

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