19.03.2017

Union landet Befreiungsschlag

Das ist mal ein richtig schöner Spieltag für die beiden Berliner Erstligisten. Endlich gibt es in der DDR-Oberliga sowohl für den BFC Dynamo als auch für den 1. FC Union an einem Wochenende jeweils Siege. Während die Männer aus Hohenschönhausen nach ihrem vergeigten Ausflug zum 1. FC Lokomotive Leipzig und der 0:2-Niederlage nach Gegentoren von Henning Frenzel (7.) und Wolfram Löwe (73.) mit einem eher schmucklosen 2:0-Erfolg gegen Stahl Riesa zurück in die Spur und auf Tabellenplatz 3 finden, landen die Spieler aus der Wuhlheide einen regelrechten Befreiungsschlag. Dem 1:0 zu Hause gegen den FC Vorwärts Frankfurt (Oder) dank des goldenen Treffers von Rolf Weber (80.) lassen die Köpenicker bei Sachsenring Zwickau einen 2:1-Paukenschlag folgen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Männer um Kapitän Joachim Sigusch in der Fremde auftrumpfen. Mit seinem dritten Auswärtssieg (selbst Tabellenführer Dynamo Dresden ist an Doppelpunktgewinnen in der Fremde nicht besser) verschafft sich der Aufsteiger im Abstiegskampf ein wenig Luft und hat als Tabellenelfter jetzt drei Zähler Vorsprung auf den FC Hansa Rostock und Stahl Riesa. „Die Mannschaft bot eine großartige Leistung“, findet Trainer Heinz Werner, „sie hat selbstbewusst und ballsicher gespielt. Außerdem stand unsere Abwehr ausgezeichnet, denn die Zwickauer besaßen kaum nennenswerte Torgelegenheiten.“ Eine der wenigen, einen Kopfball von Nationalspieler Gert Schellenberg, meistert Torhüter Wolfgang Matthies in großem Stil. Allein bei einem Elfmeter, den Gunter Lippmann zum einzigen Gegentor nutzt (70.), hat Unions Nummer 1 keine Chance.


Zuvor aber ist die Partie längst im Sinne der Wuhlheider gelaufen. Ein Bravourstück von Sigusch ebnet schon vor der Pause den Weg zum Erfolg. Mit einem raffinierten Pass von Bernd Vogel zieht der Kapitän von der Mittellinie aus los, umkurvt Roland Stemmler sowie Lippmann und behält auch vor Jürgen Croy die Ruhe (32.). Als auch noch Michael Paschek den Nationaltorhüter überwindet (40.), ist den Zwickauern mit dem 2:0 bereits der Nerv gezogen. Mit Übersicht (Abwehrchef Fritz Bohla), Laufstärke (Mittelfeldmotor Ulrich Werder) und Spielfreude (Offensivverteidiger Lutz Möckel) bringen die Gäste die Partie souverän zu Ende.

Dagegen ist das 2:0 des BFC gegen Schlusslicht Stahl Riesa vor allem in der letzten halben Stunde eine nahezu maue Nummer. Ohne den mit einem Muskelfaserriss pausierenden Nationalspieler Reinhard Lauck brennen die Dynamos zunächst ein wahres Feuerwerk ab und spielen die Riesaer regelrecht an die Wand. Allein die Führung, herausgeholt durch Hans-Jürgen Riediger (23.) und Frank Terletzki (39.), ist angesichts der deutlichen Überlegenheit viel zu niedrig. Als sich nach einer guten Stunde zudem ein Gefühl von „Feierabend“ einstellt, ist es mit dem Hurra-Fußball endgültig vorbei. „Das lag keineswegs in unserer Absicht“, gesteht Terletzki, doch ein wenig zollt der Sieger auch seinem hohen Tempo vor der Pause Tribut. „Der Sieg war jederzeit verdient“, sagt Trainer Harry Nippert, „nur hätte er aufgrund unserer Stärke höher ausfallen müssen.“ Das aber gelingt auch deshalb nicht, weil sich die BFC-Spieler, die zunächst mit mannschaftlicher Geschlossenheit auftrumpfen, später in Einzel­aktionen verzetteln.

Während sich in der DDR-Liga EAB Lichtenberg 47 nach zwei weiteren Niederlagen (0:2 gegen Motor Eberswalde, 0:3 bei Vorwärts Neubrandenburg) als Tabellen-Schlusslicht sechs Spieltage vor Saisonende bei sechs Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz mit dem Gang in die Bezirksliga vertraut machen muss, hat sich Rotation Berlin ein kleines Polster geschaffen. Nach dem schon wichtigen 1:1 bei Aufbau Schwedt (die Führung der Spindlersfelder durch Andreas Baingo/48. gleicht Jochen Käppler zehn Minuten später aus) gelingt dank Toren von Volkmar Philipp (43.) und Rüdiger Zschieschang (86., Foulelfmeter) mit dem 2:0 gegen Mitaufsteiger TSG Neustrelitz ein Fünf-Punkte-Vorsprung auf die Abstiegsplätze.

Von Robert Klein

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