22.01.2018

„Union kann seine Ziele noch immer erreichen“

Interview mit Dominic Peitz (Holstein Kiel)

Kopfballduell: Dominic Peitz von Holstein Kiel (links) und Unions Damir Kreilach beim Hinrundenspiel an der Alten Försterei, das die Berliner 4:3 gewannen. Foto: JouLux

Nach seinem Wechsel vom 1. FC Union zum FC Augsburg im Sommer 2011 hatte Dominic Peitz (33) den Sprung in die Bundesliga quasi geschafft. Beim damals frischgebackenen Erstligaaufsteiger wurde die defensive Mittelfeldkante jedoch für zu leicht befunden und umgehend an Hansa Rostock (damals 2. Liga) weiterverliehen. Als man bei den bayerischen Schwaben auch nach Ende der Leihfrist keine Verwendung für den beidfüßigen Defensivmann hatte, entschloss sich Peitz 2012 für einen Wechsel zum Karlsruher SC – und damit in die 3. Liga. Nach sofortigem Aufstieg mit dem KSC sicherte sich Holstein Kiel ab Sommer 2016 die Dienste des 1,96 Meter großen Ostwestfalen. Mit den Störchen gelang Peitz ebenfalls auf Anhieb der Aufstieg in die 2. Liga, nach furioser Hinrunde belegt er mit dem Deutschen Meister von 1912 aktuell sogar einen direkten Aufstiegsplatz. Diesen gilt es jetzt zu verteidigen, wenn am Dienstag zum Start ins Spieljahr 2018 der selbsternannte Aufstiegsanwärter Union beim Überraschungsteam im Holstein-Stadion antritt (Anstoß 20.30 Uhr).

Fußball-Woche: Herr Peitz, waren die Würzburger Kickers in der Winterpause Gesprächsthema bei Holstein Kiel?

Dominic Peitz: „Ob Sie es glauben oder nicht: Die waren im selben Trainingslager (La Manga/Spanien; die Red) wie wir und sogar im gleichen Komplex einquartiert.“

Das ist in der Tat ein kurioser Zufall. Die Kickers haben letzte Saison als Aufsteiger ebenfalls eine grandiose Hinrunde gespielt und sind am Ende dennoch abgestiegen. Warum bleibt Holstein ein ähnliches Schicksal erspart?

Peitz: „Wir sind uns bewusst, dass wir die Hinrunde nicht überbewerten sollten. Genauso haben wir das bislang auch kommuniziert: Wir nehmen alles gerne mit und lassen uns vom Tabellenstand nicht blenden. Das werden wir auch weiterhin tun.“

Das Wort Aufstieg wird tunlichst vermieden?

Peitz: „Ach, das wäre ja nun auch Quatsch, der Realität sollte man schon ins Auge schauen. Was man dabei aber nicht vergessen darf: Unsere Spieler haben überwiegend genauso viele Zweitliga-Einsätze gesammelt, wie wir Spieltage absolviert haben. Wir sind nach wie vor in der Lernphase, jeder Einzelne, aber auch als Mannschaft. Es wäre also vermessen, von großen Zielen zu fabulieren.“ 

Die Konkurrenz reibt sich jedenfalls die Augen. Was macht Holstein besser als die Platzhirsche der 2. Liga?

Peitz: „Wir versuchen einfach das umzusetzen, was uns der Trainer aufgibt. Das versucht natürlich jede Mannschaft, nur ist uns das durchweg gut gelungen. Sicher kommen da mehrere Dinge zusammen; mal haben wir einen Gegner auf dem falschen Fuß erwischt, dann gab es günstige Spielverläufe, hie und da hatten wir auch Glück. Auch wenn sich das abgedroschen anhört, am Ende ist es die Arbeit, die sich auszahlt.“

Oder wurde der Aufsteiger von seinen Gegnern schlicht unterschätzt?

Peitz: „Da müsste man die Gegner fragen. Wobei ich sagen muss, spätestens ab Mitte der Hinrunde, als wir in der Tabelle schon ganz gut dastanden, wäre es fatal gewesen, uns weiterhin zu unterschätzen.“

Wir haben zu Saisonbeginn ein Interview mit ihrem Kollegen Christopher Lenz geführt. Er sagte damals, das Ziel Klassenerhalt sei bei Holstein nie ein Thema gewesen. Er klang sehr überzeugt von sich und der Mannschaft, offenbar zu Recht.


Peitz: „Das ist tatsächlich auch eine Sache des Glaubens. Unser Trainer Markus Anfang sagt immer, wenn man nur versucht, etwas zu vermeiden, dann birgt das die Gefahr der Unsicherheit. Stattdessen sollte man sich besser vornehmen, seine Aufgaben zu erfüllen und Spiele zu gewinnen. Wir versuchen einfach guten Fußball zu spielen. Was am Ende dabei herauskommt, das ergibt sich dann aus der Gesamtkonstellation. Wenn wir versucht haben, unser Spiel vernünftig aufzuziehen, aber dennoch verlieren, sind wir auch zufrieden. Dass unsere Herangehensweise überwiegend zu Erfolgen geführt hat, ist natürlich doppelt schön.“

Im Gegensatz zu Kiel hinkt Union den eigenen Erwartungen etwas hinterher. Haben Sie eine Erklärung?

Peitz: „Union kann seine Ziele noch immer erreichen. Vor der Saison wurde der Aufstieg als Ziel verkündet, jetzt muss man damit leben, dass man an den Tabellenplätzen gemessen wird. Ich persönlich würde das nicht so extrem beurteilen. Betrachtet man die letzten Jahre insgesamt, befindet sich Union auf einer aufsteigenden Kurve, es ist die richtige Richtung. Mir gefällt es, wenn ein Verein kontinuierlich wächst, das war bei Union in den letzten Jahren der Fall. Auch, als ich noch dort gespielt habe, hatten wir schon eine wunderbare Entwicklung. Ob man schon jetzt aufsteigt oder noch etwas Zeit braucht, spielt meines Erachtens keine Rolle. Wichtig ist: Union ist auf dem richtigen Weg.“

Neben Christopher Lenz ist mit Co-Trainer Patrick Kohlmann ein weiterer Ex-Unioner bei Holstein. Wächst im Norden eine kleine Köpenicker Kolonie? 


Peitz: „Ich habe mich vor meinem Wechsel nach Kiel tatsächlich bei Patrick Kohlmann erkundigt, ob Kiel der richtige Weg für mich wäre. Wenn man sich kennt und gut versteht, dann ist es doch selbstverständlich, dass man da mal nachfragt. Wir konnten wegen Kohles Verletzung zwar nicht mehr zusammen spielen, am Ende hatten wir mit dem Aufstieg aber doch ein gemeinsames Erfolgserlebnis.“

Beim FC Augsburg hatten Sie die Bundesliga eigentlich schon erreicht, nur ein Einsatz war Ihnen nicht vergönnt. Spornt es Sie besonders an, dass es mit Holstein Kiel auf der Zielgeraden Ihrer Karriere doch noch klappen könnte?

Peitz: „Es geht immer darum, wieviel man persönlich aus sich herausholt. Ob es dann für die erste oder zweite Liga reicht, da spielen viele Faktoren eine Rolle. Wir wissen alle, wie subjektiv der Fußball sein kann, wieviel von Urteilen abhängt, die auf Manager- oder Trainerebene getroffen werden. Ich habe viele Spiele machen dürfen und bin überwiegend gesund geblieben. Ob jetzt noch Spiele in der ersten Liga dazukommen, davon hängt mein Wohlbefinden nicht ab. Ich würde mich trotzdem sehr darüber freuen.“

Interview: Alex Heinen

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