Mein Fußball-Woche

03.09.2017

Terletzki macht Unterschied

Es sind wieder ganz besondere Voraussetzungen, die in der DDR-Oberliga über dem Berliner Derby zwischen dem BFC Dynamo und dem 1. FC Union schweben. Die Männer aus Hohenschönhausen haben unter ihrem neuen Trainer Jürgen Bogs nach zwei Spielen erst einen Punkt erobert und müssen sich, wenn es gegen die Eisernen wieder nichts wird, mit einem Fehlstart beschäftigen. Die Köpenicker ihrerseits sind mit drei Punkten durchaus furios gestartet und wollen den Weinroten nach ihren beiden 1:0-Husarenstücken aus dem Vorjahr erneut ein Bein stellen.

Am Ende atmen die Dynamos hörbar tief durch. Ihren knappen und letztlich glücklichen 1:0 (0:0)-Erfolg bekräftigt Trainerassistent Martin Skaba mit einem mehrfachen „Wir waren dran! Diesmal waren wir dran!“. Die Erleichterung ist den Dynamos selbst aus der Entfernung anzusehen, schließlich stehen sie 87 Minuten erneut vor einer unfassbaren Enttäuschung. Bis dahin verteidigen die Unioner das 0:0 nicht nur mit sturer Defensive, sondern auch mir akzeptablen spielerischen Mitteln. Dabei hält dieses Derby nahezu alle Schattierungen bereit. Zum einen verdienen flüssige Ballstafetten hier (Frank Terletzki, Wolf-Rüdiger Netz) wie da (Lutz Hendel, Ulrich Werder, Rainer Rohde) Applaus, dann wiederum übertreffen sich beide Mannschaften an Fehlpässen, dass manche der 45.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion der Weltjugend glauben, sie hätten es mit einem Drittligaspiel zu tun.


Ob Glanzpunkte oder Fahrlässigkeiten – beides findet seinen Höhepunkt in der 87. Minute. Terletzki, der erst richtig ins Spiel findet, als sein Widerpart Hendel mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Platz muss, tritt zu seiner Spezialdisziplin an: direkter Freistoß. Der Winkel ist eher ungünstig. Doch wie aus dem Nichts öffnet sich für den Präzisionsschützen eine winzige Lücke. Die Vier-Mann-Mauer der Eisernen lässt die kurze Ecke ungedeckt – genau hierhin platziert der BFC-Kapitän die Kugel, die unhaltbar für Wolfgang Matthies im Dreiangel einschlägt. Der Rest ist Jubel hier und pure Niedergeschlagenheit da. „Es war hauchdünn“, weiß der Schütze des Goldenen Tores, „aber nicht zu spät.“

Eisern-Trainer Heinz Werner kann die Schlamperei bei der Abwehrmauer ganz und gar nicht tolerieren. „Da haben wir uns aber ziemlich 'grün' angestellt“, mault der Übungsleiter. Und: „Das Derby hatte durchaus Spannung und Brisanz und wir hatten ein Unentschieden verdient. Nur ebnete unsere unaufmerksame Deckung mit einer schlecht gestellten Mauer dem BFC den Sieg.“ Im Gegensatz zu Werner und der Kritik an seinem Team findet Dynamo-Kollege Jürgen Bogs die Vorstellung seiner Elf ganz in Ordnung. „Unsere Mannschaft verdient ein großes Lob für ihre kämpferische Leistung“, sagt er nach seinem Premierensieg im dritten Spiel als Oberligatrainer. „Auch hat sich die Mannschaft gegenüber den ersten beiden Partien spielerisch gesteigert“, findet der BFC-Coach.

Dass die Wuhlheider nicht unbedingt zu den Lieblingsgegnern der Dynamos zählen, macht auch ein Blick in die Statistik deutlich. Im 666. Meisterschaftstreffen des BFC gelingt ihm gegen die Männer aus Köpenick erst der dritte volle Erfolg. Für Klubchef Manfred Kirste ist der erste Saisonsieg mehr als verdient. „Wir hatten deutliche spielerische Vorteile und weitaus mehr Torchancen, die das 1:0 auf jeden Fall rechtfertigen“, meint er. Ein Trost nur bleibt dem Verlierer. Zwar hat der BFC nach Punkten (je 3:3) zu ihm aufgeschlossen, wegen der um zwei Treffer besseren Tordifferenz bleiben die Unioner Tabellenvierter, der BFC ist wohl um vier Ränge geklettert, liegt aber als Tabellenachter noch immer hinter den Rot-Weißen.

Von Robert Klein

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