Mein Fußball-Woche

23.06.2012

Stadion Altglienicke

Das Stadion Altglienicke lebte schon immer von der Eigeninitiative.

Der Startschuss fiel nach dem 2. Weltkrieg. Altglienicke wurde vom Ost-Berliner Magistrat als Sportschwerpunkt-Standort bestätigt, der Weg für den Bau eines Stadions am Alten Schönefelder Weg mit Sportfunktionsgebäude und Kegelbahn war frei.

Im September 1950 begannen die Mitglieder des Altglienicker Sportvereins, der nach dem Verbot von „Vereinen“ in der ehemaligen DDR alsbald in Volkssportgemeinschaft (VSG) umbenannt wurde, und zahlreiche Altglienicker Bürger mit den Bauarbeiten. Viele fleißige Hände wandelten eine alte Kiesgrube in das „Volksstadion Altglienicke“ um, das schon ein dreiviertel Jahr später am 15. Juli 1951 mit einem großen Sportfest eingeweiht wurde.

Am 6. September 1953 erlebte die neue Anlage mit der Austragung der Berliner Mehrkampfmeisterschaften ein echtes Highlight. Rappelvoll war die damals noch 18 Stufen hohe Sitztribüne, die 2000 Zuschauern Platz bot. 1962 wurde das Funktionsgebäude umgebaut und erhielt über der Gaststätte ein zusätzliches Stockwerk. 1975 entstand ein Hartplatz neben dem Stadion.

Am 11. Juni 2006 erhielt die Anlage ihr heutiges Aussehen. Der riesige Rasenplatz (120 x 90 m) wich einem kleineren Platz mit Kunstrasen (Typ 3), dazu kam ein Kleinfeldplatz mit Naturrasen, von der Tribüne wurde auf der Südseite ein Stück weggenommen. Pläne, zur Entlastung der boomenden VSG einen weiteren Fußballplatz an anderer Stelle zu bauen, verschwanden aus Kostengründen bisher in der Schublade.

Anfahrt

Das Gute vorweg: Mit dem Auto ist man über die A113 ruckzuck da. Ausfahrt Adlershof, von hier sind es keine fünf Minuten mehr. Dann aber geht die Suche nach einem Parkplatz am Alten Schönefelder Weg los, einen kleinen Fußmarsch sollte man schon in Kauf nehmen. Auch mit dem ÖPNV muss man einige Zeit einplanen, vom S-Bahnhof Altglienicke geht es mit dem Bus zum Ziel. Eine gute Alternative ist das Fahrrad, die Rad- und Skaterstrecke von Neukölln nach Altglienicke zwischen Teltow-Kanal und Autobahn ist erst vor wenigen Jahren entstanden und bestens in Schuss. Fahrradständer am Stadion sind reichlich vorhanden.

Wertung: 2 Bälle

Preise

Ganz normal, die Eintrittspreise bewegen sich im üblichen Rahmen der Berlin-Liga. 5 Euro werden pro Spiel fällig, für Senioren, Schüler, Studenten und Hartz-IV-Empfänger 3 Euro. Vereinsmitglieder zahlen einen Euro.

Wertung: 3 Bälle

Casino

Die im Originalzustand belassene Außenfassade des Funktionsgebäudes lässt kaum vermuten, welches Schmuckstück sich dahinter verbirgt. Nachdem das Sport-Casino von Ende 2010 bis zum Sommer 2011 brach lag, haben Karsten Mietchen, VSG-Mitglied seit Kindesbeinen an und Topspieler früherer Jahre, und seine Frau Simone mit viel Eigenarbeit und der Mithilfe vieler Vereinsmitglieder den Raum gründlich renoviert, mit neuem Boden, Tresen, neuen Tischen und Bestuhlung ausgestattet und am 1. Juni wiedereröffnet. Das Betreiber-Ehepaar richtet hier auch größere Feiern aus.

Wertung: 5 Bälle

Getränke/Imbiss

An Spieltagen grillt der Chef Karsten Mietchen persönlich, drinnen bedient Simone Mietchen die Gäste, unterstützt von Anne-Kathrin Wordel und Franziska Lingies. Alles zu Freundschaftspreisen. Ein strammer Max für 2,80 Euro, Bockwurst 1,40, Wiener, Knacker für 1,30, drei Rühr- oder Spiegeleier auf Brot für 2,20 – ein Stadionnachmittag ist hier günstiger als anderswo. Kammfleisch im Brötchen kostet 1,70 Euro, Bulette 1,30, Bratwurst 1,50. Dazu eine große Auswahl an verschiedenen Ketchups, Senf und Mayo. Berliner Kindl gibt’s für 1,60 (0,3 l) bis 2 Euro (0,5 l), Kindl-Bockbier für 2,10 (0,5 l). Weizen (Schöfferhofer und Erdinger, Hefe, Kristall und Alkoholfrei) 2,10 für den Halben. Cola, Fanta, Sprite, Selters oder Säfte: 1,60 für den halben Liter. Zuden gibt es Kakao, Kaffee, Latte Macchiato, Espresso. Und in der kalten Jahreszeit Glühwein (1,60 Euro, mit Schuss 2,60). Prima!

Wertung: 5 Bälle

Komfort

Der ist überschaubar. Bei Regen sucht man ein Dach vergeblich, nur bei Sonne und wärmeren Temperaturen kann man es sich dafür auf den Stufen der Tribüne, wo auch zwei kleine Holzbänke aufgebaut sind, oder ganz oben auf dem kleinen Rasenstück halbwegs gemütlich machen, ohne sich Hämorrhoiden zu holen. Pluspunkte: Es gibt ein ordentlich gemachtes Stadionprogramm und einen Stadionsprecher.

Wertung: 3 Bälle

Sanitäre Anlagen

Sanitäre Anlagen Spartanisch, aber sauber. Für die Männer stehen vier Pinkelbecken und drei WC's, für die Damen vier Toiletten zur Verfügung. Eng wird es für die Spieler sowohl in den Kabinen als auch beim Duschen. In der Damen- und Herrentoilette stehen jeweils drei Duschköpfe zur Verfügung. Damen müssen dann aber draußen bleiben, wenn sich die Spieler chic machen.

Wertung: 3 Bälle

Kids/Familie

Müssen alle Fußball kucken, andere Zerstreuungen gibt es nicht.

Wertung: 1 Ball

Allgemeine Atmosphäre

Seltsam. Die Zuschauer sind alle auf der Tribüne auf der Südseite mit der Sonne im Rücken untergebracht, hinter den Toren stehen nur hohe Zäune, gegenüber sind nur die Trainerbänke für die Coaches und Reservespieler, sowie der Platz für den Stadionsprecher Reinhard Stein untergebracht. Der Leipziger aber tut alles dafür, mit humorigen Ansagen Stimmung in den Laden zu bringen. Und „Maskottchen“ Henning Grabow hängt seit Urzeiten die Ziffern an die Ergebnistafel, wenn ein Tor fällt. Auf der Tribüne unterhält bisweilen ein junger „Pöbelmann“ unter einer karierten Schiebermütze mit verbalen Tiefschlägen gegen gegnerische Spieler vor allem seine Kumpels. Richtig feindselig ist das aber nicht.

Wertung: 3 Bälle

Sportlicher Reiz

Der ist gegeben, die VSG erlebt gerade die beste Zeit ihrer Vereinsgeschichte, nachdem man 1989 noch zu DDR-Zeiten den Aufstieg in die Bezirksliga, die damals dritthöchste Spielklasse, geschafft hatte. Der Vizemeister des Vorjahres ist nun Tabellenführer der Berlin-Liga und spielt meistens einen richtig guten Ball. Allerdings: Zu Hause gingen schon zwei Spiele verloren, auswärts ist die VSG stärker. Der kleine Kunstrasenplatz macht es den Gästen leichter, gegen Altglienicke zu verteidigen. Aber es gab auch hier schon tolle Spiele in dieser Saison, etwa den 7:0-Sieg gegen TeBe.

Wertung: 4 Bälle

Sechs Bälle: besser geht es kaum — Fünf Bälle: hervorragend — Vier Bälle: guter Durchschnitt — Drei Bälle: ausreichend — Zwei Bälle: ganz schön dürftig — Ein Ball: einfach nur ärgerlich, lohnt keinen Besuch.

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