23.07.2017

Sparwasser mit dem Siegtreffer

Kaum ist die DDR-Nationalmannschaft von ihrem Trip aus Südamerika zurück, wo es neben dem 0:2 im Länderspiel gegen Argentinien zwei Unentschieden und eine 2:3-Niederlage gegen Klubmannschaften aus Kolumbien und Ecuador gegeben hat, steigt während des VI. Turn- und Sportfestes in Leipzig ein Kräftemessen mit der Auswahl der Sowjetunion. Die kommt mit allen Assen, so mit Oleg Blochin, dem pfeilschnellen Linksaußen von Dynamo Kiew, und David Kipiani, dem genialen Mittelfeldlenker von Dynamo Tiflis.

Noch prominenter ist die Tribüne besetzt, auf der sich sogar FIFA-Präsident Dr. Joao Havelange befindet. „Mir hat die physische Verfassung der DDR-Elf imponiert, im taktischen Vermögen aber hat sie noch Nachholbedarf“, sagt der Brasilianer nach dem 2:1 (1:1)-Sieg des Gastgebers. Ein Spieler aber hat es Havelange besonders angetan: „Die Nummer 8, Häfner, hat mir großartig gefallen.“


Während die UdSSR bereits alle Chancen auf die WM-Teilnahme verspielt hat, ist die DDR noch im Rennen um ein Ticket für Argentinien, wo es ein Duell mit Österreich gibt. Helmut Senekowitsch, Trainer von Hans Krankl und Co., hat das Spiel genutzt, um den Gegner zu beobachten. Er reist mit gemischten Gefühlen zurück nach Wien, denn: „Körperliche Fitness und Moral waren angesichts des frühen Zeitpunktes in der Saison erstaunlich gut, spielerisch aber war es nicht viel.“

Mit 95.000 Zuschauern, meist sind es Gäste des Turnfestes und der zentralen Spartakiade, ist das Zentralstadion bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einem flotten Beginn mit der 1:0-Führung durch Reinhard Häfner mit einem Heber (9.) und dem Ausgleich durch Alexander Bubnow per direktem Freistoß (22.) werden die Fans bis zur allerletzten Minute auf die Folter gespannt. Nahezu mit dem Abpfiff erst gelingt Jürgen Sparwasser mit wunderschönem Schuss das 2:1-Siegtor. „Dieser Treffer war einer meiner schönsten im Nationalteam“, freut sich der Magdeburger über sein 14. Länderspieltor, zumal er damit eine Flaute von zwei Jahren beendet.

Für Nationaltrainer Georg Buschner ist dieser Test ein Lichtblick hinsichtlich der WM-Qualifikation. „Nach den schwachen Resultaten auf der Südamerikatournee hat die Mannschaft eine Reaktion gezeigt.“ Von einem „völlig verdienten Sieg“ spricht Buschner und von „sichtbaren Fortschritten in unserem Mittelfeldspiel“. Andererseits bemerkt der Coach, dass auch trotz des Sieges längst nicht alles in Butter ist: „Tempo und Spielverständnis ließen in der ersten Halbzeit ebenso zu wünschen übrig wie die mannschaftliche Harmonie unmittelbar nach dem Ausgleich.“

Von Robert Klein

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