21.01.2017

„So lange die Knochen halten“

Ronny Ermel hält bei Tasmania die Abwehr zusammen

Abwehrchef und Kapitän des SV Tasmania: Ronny Ermel (r.), hier gegen Tilo Scheffler (Eintracht Mahlsdorf) .Foto: JouLux

Am Donnerstag stand ein „Medizincheck“ an. Sollte Ronny Ermel etwa einen Vereinswechsel ins Auge gefasst haben? Nein, ein unaufmerksamer Autofahrer war ihm auf glatter Fahrbahn ins Heck seines Smarts gefahren, der Besuch beim Arzt war eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Untersuchung gab Aufschluss, es war nichts passiert. „Alles in Ordnung“, gab der Innenverteidiger des SV Tasmania Entwarnung. Sein Trainer Mario Reichel wird es mit Freude zur Kenntnis genommen haben.

Denn Ermel war einer der herausragenden Abwehrspieler der Hinserie. Ganze sechs Gegentreffer ließ die Defensive der Tasmanen in 17 Spielen zu, ein überragender Wert. Besser als der FC Bayern in der Vorsaison, der damals bis zur Winterpause zwei Gegentore mehr kassiert hatte. Warum hier die Bayern genannt werden? Weil es schon immer der Lieblingsverein des 32-Jährigen ist. „Wie die die Dreifachbelastung immer wieder hinbekommen, davor ziehe ich einfach meinen Hut.“


Respekt nötigen aber auch seine Leistungen ab. Und wie er damit umgeht. Er weiß natürlich, dass man das eigene Tor nicht allein verteidigen kann. „Mit Julian Loder habe ich den perfekten Partner neben mir, wir verstehen uns hervorragend. Er hilft mir genauso wie ich ihm. Und dann sind wir auch auf den Außenpositionen gut besetzt und haben mit Robert Schelenz ja auch noch einen Super-Torwart. Aber es ist die beste Hinrunde, seit ich bei Tasmania bin.“ 

Im vierten Jahr verteidigt Ermel inzwischen für den aktuellen Tabellenzweiten der Berlin-Liga, davor waren Vereinswechsel an der Tagesordnung. Seine ersten Klubs waren Berolina Mitte und der BSC Rehberge. Er wechselte zu TeBe, wo er auch die ersten Jahre im Männerbereich absolvierte und 2006 den Gewinn des Berliner Pokals feierte. Danach zog er hinaus, machte Station in Neuruppin, beim FC Schönberg, Türkiyemspor, Wolfen, Kickers Emden, VfB Oldenburg, Neustrelitz, Torgelow, Altlüdersdorf, ehe er bei Tasmania andockte.
Innenverteidiger war er nicht immer, früher hat er als Linksfuß auf der Außenbahn gespielt. Sein Lieblingsspieler in jungen Jahren spielte weiter vorn in der Zentrale: Zinedine Zidane. Mit diesem Ausnahmefußballer will sich Ermel nicht vergleichen, verstecken muss er sich aber auch nicht. „Er bringt viel Erfahrung auf den Platz, ist immer mit vollem Herzen dabei“, sagt sein Coach, Mario Reichel, der ihn deshalb auch zum Kapitän ernannt hat. „Dazu ist seine Spieleröffnung ordentlich und sein defensives Kopfballspiel sehr gut.“ Dass beim Kopfball vor dem gegnerischen Kasten noch Luft nach oben ist, weiß Ermel selbst, der neben dem Fußball ein Faible für American Football hat. Da haben es ihm vor allem die Philadel­phia Eagles angetan. Warum gerade die? „Ich habe mal einen Film über den Verein gesehen, da durfte ein Fan ein Probetraining absolvieren und war so gut, dass ihn die Eagles genommen haben. Das fand ich einfach großartig.“

Der Rückrunde auf dem Fußballplatz blickt er ganz entspannt entgegen. „Wenn wir am Ende oben stehen, ist es gut, aber wenn Staaken alles gewinnt, dann haben sie es sich auch verdient.“ Nach der aktiven Laufbahn wird er dem Fußball erhalten bleiben. Die B-Lizenz hat er schon in der Tasche, weitere Trainerscheine strebt er an. „Ich könnte mir auch einen Posten als Sportdirektor vorstellen“, sagt der selbständige Energieberater. Aber noch spielt er. „So lange die Knochen halten. Aber wenn ein Jüngerer besser ist, dann soll er spielen.“ 

Von Bernd Karkossa

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