Mein Fußball-Woche

05.06.2017

Pokalsieger nach 210 Minuten

Höhepunkt der Saison – nicht nur aus Berliner Sicht – war das DFB-Pokalfinale am Pfingstsonnabend zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln, das in die Geschichte des an spektakulären Begegnungen reichen Cup-Wettbewerbs einging, denn zum ersten Mal gab es nach 120 Minuten keinen Sieger. Die 60.000 Zuschauer im Niedersachsenstadion von Hannover sahen ein gerechtes 1:1-Unentschieden nach Verlängerung zwischen den beiden Bundesligisten. Hertha BSC, in der Meisterschaftsrunde mit ausgeglichenem Punktekonto nur auf dem 10. Tabellenplatz gelandet, überraschte mit einer starken Leistung gegen die Domstädter, die immerhin fünf Plätze besser abgeschnitten hatten.

Die Berliner konnten in der Verlängerung noch zulegen und besaßen durch den eingewechselten Gersdorff die Chance zum Siegtor. Sein Schuss flog nur Zentimeter am Pfosten vorbei.
In der ersten Halbzeit hatten die Kölner etwas mehr vom Spiel und gingen durch ein Prachttor von Nationalspieler Dieter Müller, der eine Flanke von Konopka wuchtig einköpfte, kurz vor der Pause in Führung. Ansonsten war Müller bei Kliemann gut aufgehoben, ließ Sziedat Nationalspieler Löhr nicht zur Geltung kommen und schaltete Hermandung Kölns Spielmacher Overath weitgehend aus. 


Garanten des Unentschiedens aber waren Horr, der seinen Gegenspieler Konopka immer wieder vor Probleme stellte und trotz seiner 34 Jahre eines seiner besten Spiele für die Blau-Weißen überhaupt machte, und Nigbur, der bei Kopfbällen von Strack zweimal glänzend reagierte. Sehenswert der Ausgleich durch Horr, der einen Frei­stoß von Beer mit dem Kopf verwandelte (68.). „Es war die Krönung von Horrs brillanter Leistung“, schrieb die Fußball-Woche. Bei Hertha gab es kaum eine Schwachstelle, auch der junge Förster, der acht Minuten vor dem Abpfiff für Laufwunder Grau kam, fügte sich bestens ein. 
 
Zwei Tage später standen sich die beiden Mannschaften vor 45.000 Zuschauern erneut in Hannover gegenüber. „Die Wiederholung strahlte nicht so viel Kraft, Spannung und Klasse aus wie der erste Teil dieses Pokalkrimis“, schrieb die Fußball-Woche und bescheinigte den Kölnern, dass die etwas größere Frische und bessere Kondition ausschlaggebend für den 1:0 (0:0)-Sieg war. Kölns Trainer Hennes Weisweiler hatte am Pfingstmontag auf den seine Karriere beendenden Ove­rath verzichtet, der von dieser Maßnahme völlig überrascht wurde und nicht auf der Reservebank Platz nehmen wollte. Stattdessen kam Neumann zum Einsatz, der aber ­Overath nicht ersetzen konnte.
Die erste Halbzeit ähnelte der vom Pfingstsonnabend. Die Kölner besaßen leichte spielerische Vorteile, ohne dabei klare Torchancen herausspielen zu können. Im zweiten Abschnitt kamen die Berliner besser zur Geltung. 

Grau knallte den Ball an die Torstange, Beer erzielte kurz darauf einen Prachttreffer, der von Schiedsrichter Ohmsen nicht anerkannt wurde, weil er vorher ein Foul von Beer an Gerber erkannt haben wollte. Doch dieses angebliche Foul hatte offensichtlich nur der Unparteiische gesehen, denn der Linienrichter war bereits zur Mitte geschritten. Die Blau-Weißen verstanden die Welt nicht mehr, vor allem Torschütze Beer, den Bundestrainer Helmut Schön später „als besten Mann auf dem Platz“ bezeichnete. So kam es schließlich wie es kommen musste. Eine Flanke von Konopka köpfte Dieter Müller (70.) zum 1:0-Siegtreffer ein – eine getreue Kopie des 1:0 vom ersten Spiel. Für Hertha standen auf dem Platz: Nigbur – Sziedat, Brück, Kliemann, Weiner – Hermandung (80. Kristensen), Sidka (71. Gersdorff), Beer – Grau, Granitza, Horr.

Von Rainer Fritzsche

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