24.09.2017

„Pal Dardai – das passt“

Interview mit Dieter Hoeneß

Am kommenden Sonntag empfängt Hertha BSC den FC Bayern München im Berliner Olympiastadion (15.30 Uhr). Für Dieter Hoeneß sind die Spiele der beiden Mannschaften immer besondere Duelle. Hoeneß (64, Foto: JouLux) absolvierte einst als Mittelstürmer 224 Bundesligaspiele für Bayern, in denen er 102 Tore schoss. Fünfmal wurde er mit den Roten Deutscher Meister. Von 1997 bis 2009 arbeitete Hoeneß als Manager bei Hertha BSC. In diese Zeit fielen immerhin vier Siege der Hertha gegen die Bayern in der Liga – 2:1 am 14. Februar 1998, 1:0 am 21. November 1998, 2:1 am 2. Dezember 2001 und 2:1 am 14. Februar 2009. Heute ist Dieter Hoeneß Inhaber einer Berater-Agentur in München.

FuWo: Herr Hoeneß, was fällt Ihnen spontan ein, wenn es zum Duell zwischen Hertha und dem FC Bayern kommt?


Dieter Hoeneß: „Naja, das waren meist große Ereignisse. Die Spiele in Berlin waren stets ganz schnell ausverkauft. Zu meiner Zeit als Manager der Hertha hatten wir einst den Abstand zu den oft übermächtigen Bayern etwas verkürzt – rein sportlich gesehen. Mir fallen da mehrere knappe 2:1-Siege im Olympiastadion ein, der letzte 2009 mit zwei Treffern durch Andrej Woronin. Da spielten wir mit Hertha ja sogar lange um die Meisterschaft mit.“

Jetzt, acht Jahre später, ist der Abstand aber wieder sehr groß zwischen beiden Klubs?

Dieter Hoeneß: „Auch damals war Bayern etwa strukturell oder wirtschaftlich weit weg von Hertha und den meisten anderen Vereinen in der Bundesliga. Mit Hertha wollten wir die Tuchfühlung nach oben nicht verlieren. Durch die beiden Abstiege der Hertha 2010 und 2012 ist der Abstand auf allen Gebieten natürlich viel größer geworden. Aber nun hat sich Hertha BSC wieder etabliert und ist stabil im oberen Mittelfeld.“

Im Moment ist der FC Bayern in aller Munde. Nach Niederlagen und schwächeren Auftritten gab es Kritik an Trainer Carlo Ancelotti, einige Spieler äußerten ihre Unzufriedenheit.

Dieter Hoeneß: „Dass der FC Bayern im Fokus steht, ist ja normal. Ganz Fußball-Deutschland schaut auf diesen Klub. Und wenn die Ergebnisse nicht zu 100 Prozent stimmen, kommt Kritik auf. Aber Bayern geht meist gestärkt aus solchen Situationen hervor, ist diesen hohen Dauerdruck gewohnt. Man geht mit geschärftem Blick aus weniger erfolgreichen Phasen hervor, wie die letzten Ergebnisse, etwa auf Schalke, gezeigt haben.“

Und Ancelotti?

Dieter Hoeneß: „Nach Pep Guardiola wollte man einen anderen Trainertyp, der mehr das Mannschaftsgefüge im Blick hat und eher väterlich mit Stars umgeht. Das erste Jahr war okay, aber nicht ganz zufriedenstellend. Ein Titel reicht eben in München nicht. Auch bei Bayern wird jeder Trainer an den Ergebnissen gemessen und muss in möglichst allen Wettbewerben erfolgreich sein.“

Wie beurteilen Sie die Situation bei der Hertha?

Dieter Hoeneß: „Hertha hat sich stabilisiert und im oberen Mittelfeld festgesetzt. Ausreißer nach oben halte ich für möglich. Wichtig ist es, dass Hertha nicht mehr als ein Abstiegskandidat gehandelt wird. Das ist schon ein gutes Zeichen.“

Wie groß ist der Anteil von Trainer Pal Dardai an dieser positiven Entwicklung?

Dieter Hoeneß: „Pal hat schon als Profi ein Spiel gut gelesen und oft die Sicht eines Trainers eingenommen. Ich habe ihn als Manager gern nach seiner Meinung zu sportlichen Dingen gefragt. Seine fußballerische Analyse war schon damals glasklar. Er macht einen guten Job, das habe ich auch von ihm erwartet. Pal Dardai – das passt!“

Im Moment beschäftigen die Fans und die Bundesliga die irren Ablösesummen, die international gezahlt werden. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Dieter Hoeneß: „Das ist verrückt und nicht gesund für den Fußball. Manche finden sich damit ab, ich denke, die Fans werden das auf Dauer nicht tun. Wir müssen aufpassen, dass sich der Profifußball nicht zu weit von der Basis entfernt. Wenn man die Fans verliert, gehen irgendwann auch die Investoren und Sponsoren weg. Vorsicht ist also angesagt.“

Interview: Michael Jahn

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