17.07.2016

Ohne Druck zum Titel

Die Reserve des SSC Südwest lebt von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit und stellt einige Bestmarken auf

Ein Prosit auf die Meisterschaft. Mit dem torgefährlichsten Angriff und der besten Defensive der 4. Abteilung sicherte sich der SSC Südwest II den Aufstieg in die Kreisliga A. Foto: Verein

Vor der Saison hatte die FuWo dem SSC Südwest II lediglich einen Platz im Mittelfeld zugetraut. Schließlich wollten die Steglitzer nach zwei Jahren mit Aufstiegsambitionen diesmal das Wort Aufstieg nicht in den Mund nehmen. Die Mannschaft war zudem eine der jüngsten der Kreisliga B und ihr Trainer Klaus Paulick im Männerbereich ein Neuling. Er hatte bisher „nur“ mit Jugendmannschaften gearbeitet. Das aber war wohl ein großer Vorteil, denn im Team standen überwiegend junge Spieler. Ein weiteres Plus: Kaum eine Mannschaft hatte die Südwest-Reserve so richtig auf der Rechnung. Im Windschatten der Konkurrenz übernahm das Paulick-Team am letzten Hinrundenspieltag durch den 2:1-Sieg gegen BSV 92 II erstmals die Tabellenführung.

Doch der Coach warnte: „Wir spielen nicht mit voller Kapelle.“ Aufgrund des kleinen Kaders war die „Zweite“ immer wieder auf die Hilfe der Landesligamannschaft angewiesen. Erfreulich: Die Zusammenarbeit mit der „Ersten“ und deren Trainer Umut Binici funktionierte. Binici schickte immer wieder Spieler „nach unten“. Die junge Mannschaft schlug sich weiter tapfer. Und Paulicks erste Station als Männertrainer („Ich trainiere gern junge Spieler“) wurde vom Erfolg gekrönt: Am 17. Spieltag übernahm die Mannschaft erneut den 1. Platz und gab diesen bis zum Schluss nicht mehr ab – und zwar ohne Spieler aus der Landesliga.


Die Mannschaft wuchs weiter zusammen. Wobei in diesem Fall natürlich gilt: Nichts schweißt bekanntlich mehr zusammen als der Erfolg. Und den hatten die Steglitzer. Sie verloren in der Hinrunde nur zwei Spiele (5:7 gegen Eintracht Südring II, 3:4 gegen den 1. FC Schöneberg II) und spielten einmal 0:0 gegen VfB Sperber Neukölln. Das waren alles Kontrahenten aus dem Vorderfeld der Tabelle. Die Rückrunde lief noch besser: Nur gegen „Angstgegner“ und Mitaufsteiger Eintracht-Südring II gab es eine 1:5-Niederlage. Ansonsten besiegte nur noch die technisch starke Mannschaft von Kickers 1900 II die Paulick-Truppe (1:0). Sah die Bilanz gegen die Mitfavoriten auf den Titel dennoch eher durchwachsen aus, gab sich der SSC Südwest II wie schon in der Vorrunde auch in der zweiten Saisonhälfte gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte keine Blöße: 11:0 gegen Berliner Amateure II, 9:0 gegen Victoria Friedrichshain II, 8:0 gegen Hürriyet-Burgund II, 7:0 gegen SV Blau-Gelb II. Ein paar weitere Bestmarken gefällig? Bestes Hin- und Rückrundenteam, beste Heimbilanz (13 Siegen, eine Niederlage) und mit 32 Gelben und drei Gelb-Roten Karten auch in der Fairnesstabelle der 4. Abteilung ganz vorn. 

Manuel Ruprecht gelang ein zusätzlicher Bonbon. Im letzten Saisonspiel gegen Sperber Neukölln schoss er binnen der ersten drei Spielminuten drei Tore. Danach gab Sperber auf.
Die größte Stärke aber war die mannschaftliche Geschlossenheit in einem Team ohne Stars. Und es wurde nie Druck aufgebaut. „Wir müssen nicht aufsteigen“, betonte Trainer Paulick nach der Hinrunde, „aber wenn‘s klappt, nehmen wir’s natürlich mit.“ 

Stützen der Mannschaft waren die beiden Torhüter Johannes Recknagel und Niklas Röstel (sieben Spiele ohne Gegentor). „Das sind zwei überdurchschnittliche Keeper für die Kreisliga B“, sagt der Trainer. Als einer der wenigen „Alten“ überzeugte Angelo Valentin mit 15 Saisontoren. Am letzten Vorrundenspieltag feierte Valentin seinen 32. Geburtstag auf ganz besondere Weise. Zur zweiten Halbzeit eingewechselt, drehte er mit seinen beiden Toren gegen den BSV 92 II den 0:1-Rückstand im Alleingang. Aber auch die Torjäger Olaf Hanuschka und Christian Schulz wussten zu überzeugen.
Wie geht‘s jetzt weiter? In der Kreisliga A traut Trainer Paulick, seit 1987 im Verein, seinem Team einen Platzierung im gesicherten Mittelfeld zu.

Die 126 Tore für den SSC Südwest II erzielten:

Hanuschka (24), Schulz (23), Valentin (15), Ruprecht (13), Martin (9), U. Binici (4), von Geyr (4), Dori (3), Rabsahl (3), Schrade (3), Dietzel (2), Kretschmer (2), Östreich (2), Förster, Grutzmann, Letz, Mauz, Ramer, Torwart Recknagel, Sönke, Ülker sowie zwei Eigentore und neun Tore am Grünen Tisch.

Von Manuel Fernandes

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