29.07.2017

Mit viel Herz und Willen

Souveräne Rückrunde macht Startschwierigkeiten vergessen – André Kücken erzielt 13 Tore in einem Spiel

Foto: Verein

NSF-Trainer Siegfried Beeskow erinnert sich gut daran, dass viele der höherklassig erprobten und vor der Saison zu seiner Mannschaft gestoßenen Spieler zunächst einige Anpassungsschwierigkeiten an die Kreisliga B gezeigt hatten. Anders zumindest kann er sich den Stotterstart der Neuköllner, die als Saisonziel den direkten Wiederaufstieg in die Kreisliga A ausgerufen hatten, nicht erklären. Nach einem 6:0-Auftaktsieg gegen Süden 09 II mühte man sich zunächst zu einem 2:2 beim FC Hellas, bevor man am dritten Spieltag mit dem 3:4 gegen SW Spandau II bereits die erste Niederlage verbuchen musste.

Auch in vielen Partien der Hinrunde, die letztlich siegreich gestaltet wurden, zeigte Gropiusstadt nicht die Souveränität und Überlegenheit, die man bei den vielen aus der Bezirksliga geholten Spielern eigentlich hätte erwarten können. Beim BSC Marzahn (5. Spieltag, 3:2) fiel das erlösende Siegtor nach zweimaligem Rückstand erst in der Nachspielzeit und sowohl dem SV Blau-Gelb II (10. Spieltag, 2:1) als auch BW Hohen Neuendorf II (12. Spieltag, 4:2) konnte erst durch einen Doppelschlag in der Schlussviertelstunde der Zahn gezogen werden. Der spätere Absteiger Empor Hohenschönhausen (7. Spieltag, 5:4) sowie der 1. FC Lübars II (13. Spieltag; 10:6 nach zwischenzeitlicher 4:1-Führung für die Reinickendorfer) brachten die Sportfreunde ebenfalls gehörig in die Bredouille.


Da die Mannschaft bis dahin zu oft einen Schlendrian an den Tag gelegt hatte, sah sich Beeskow nach Abschluss der Hinrunde (3. Platz, 32 Punkte) genötigt, „ein ernstes Wort“ mit seinen Spielern zu sprechen. Dieses schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben, gewann seine Elf anschließend doch 13 ihrer 15 Rückrundenpartien in zumeist eindrucksvoller Manier. „Da hat man dann an jedem Wochenende gemerkt, wieviel Wille und Herz tatsächlich in der Mannschaft steckt“, sagt der Übungsleiter. Der Lohn war das Überflügeln des Herbstmeisters und späteren Mitaufsteigers FCK Frohnau in der Tabelle, der zur Winterpause noch fünf Punkte Vorsprung auf die Neuköllner gehabt hatte.

Bei der Frage nach den Schlüsselspielern fallen Beeskow drei Namen ein: „In der Offensive kann man nur über den Namen André Kücken stolpern.“ In der Tat sprechen die folgenden Zahlen Bände über die Kaltschnäuzigkeit des NSF-Stürmers: Kücken schnürte acht Doppel-, drei Vierer- sowie je einen Fünfer- und einen Sechserpack. Dem Absteiger Süden 09 II schenkte er am drittletzten Spieltag dann sogar sage und schreibe 13 Treffer ein. Mit insgesamt 64 Toren schnappte er sich auch die Torjägerkanone der Kreisliga B. Sein Trainer betont aber auch ausdrücklich, wie mannschaftsdienlich sich Kücken im Spiel verhalten habe, wenn er mal gerade nicht damit beschäftigt war, eines seiner Tore zu bejubeln. Im Mittelfeld überragte derweil Miro Geuenich, der sein „außergewöhnliches Spielverständnis“ regelmäßig aufblitzen ließ. Beeskow nennt ihn zudem „eine Laufmaschine, bei der ich gegen Spielende immer wieder erstaunt darüber war, wo der noch die Luft für die letzten Sprints hergeholt hat“. Und in der Abwehr bewies Kapitän Deyan Milosavljevic, immerhin schon 38 Jahre alt, „absolute Routine“ und schreckte dabei auch vor keiner Grätsche zurück.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war nach Beeskows Dafürhalten, dass ihm mit Daniel Franz ein zweiter Trainer zur Seite stand. „Das war schon ungemein hilfreich“, sagt er, „weil ich dadurch nicht immer nur meinen eigenen Sturkopf durchsetzen konnte. Vier Augen sehen bekanntlich immer mehr als zwei.“ Das war nicht nur im Spiel, sondern auch im Training von großem Vorteil, wenn etwa einer der beiden Übungsleiter der Meinung war, dass einem für die nächste Partie eigentlich gesetzten Spieler lieber mal eine kleine Verschnaufspause gegönnt werden sollte. Inzwischen leitet mit Martin Bargaoui sogar noch ein dritter Trainer die Geschicke bei den Sportfreunden. Das Dreigespann wird die erfolgreiche Zusammenarbeit auch in der Kreisliga A fortsetzen. 

„Bei uns bleibt glücklicherweise der Großteil der Mannschaft zusammen“, sieht Beeskow seinen Verein gut für die neue Saison aufgestellt. Mit Benjamin Schienagel, der mit 30 Treffern und zahlreichen Vorlagen für seinen kongenialen Sturmpartner Kücken ebenfalls maßgeblich zum Aufstieg beigetragen hat, verlässt lediglich ein Leistungsträger den Verein. Im ersten Jahr nach der Kreisliga-A-Rückkehr möchten die Neuköllner „erstmal nur oben mitstänkern“, wie es heißt. Die Bezirksliga sei aber das langfristige Ziel.

Die 133 Tore für NSF Gropiusstadt erzielten:

Kücken (64), Schienagel (30), Geuenich (10), Fechner (6), R. Erler (5), Jänsch, Köster (je 4), Mocuk (3), Milosavljevic, Walter (je 2), Civil, Nickel, Özcan (je 1). 

Von Maximilian Voigt

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