Mein Fußball-Woche

09.07.2017

Mit nur 60 Toren zur Meisterschaft

Als Aufsteiger marschiert der Lichtenrader BC direkt in die Landesliga – Langfristige Ziele formuliert

Foto: Verein

Als Detlef Garz die Mannschaft des Lichtenrader BC zur Winterpause der Saison 2014/15 in der Bezirksliga übernahm, befand sich der ehemalige Oberligist in prekärer Lage direkt vor den Abstiegsplätzen. Der Absturz in die Kreisliga konnte damals nicht verhindert werden und der Abwärtstrend nach dem desaströsen Intermezzo in der Oberliga in der Spielzeit 2009/10 schien sich fortzusetzen. Doch seitdem hat sich einiges getan an der Halker Zeile. 

In der Kreisliga A schaffte der Verein mit umgekrempeltem Kader den direkten Wiederaufstieg. Nun sind die Lichtenrader nach einer weiteren beachtlichen Saison in der 3. Abteilung der Bezirksliga in die Landesliga durchmarschiert. Dass der Aufschwung so schnell voranschreitet, hätten vor der Saison wohl nur die wenigsten vorausgesehen. Nicht einmal der Meistertrainer selbst, wie Garz preisgibt: „Vor der Saison hatten wir ganz klar einen Platz im sicheren Mittelfeld angepeilt. Wir hatten uns zwar im letzten Sommer sehr gut verstärkt, etwa mit Ali Ahmad, Sascha Burow oder Patrick Kunik. Allerdings mussten die Neuen auch erst einmal in die gefestigte Mannschaft integriert werden.“


Was bei einem Blick auf die Leistungen der Hinrunde offenbar prächtig gelang. Dabei halfen sicher auch die in der Bezirksliga nicht überall üblichen drei Trainingseinheiten in der Woche. Der Aufsteiger beeindruckte vom Start weg. Selbst von einem kleinen Dämpfer durch die 1:3-Niederlage in Wartenberg am 2. Spieltag ließ sich das Team nicht beirren. Neun Spiele in Folge blieb der LBC ohne Niederlage. Trotz einiger Aussetzer kurz vor Schluss – jeweils 0:4 gegen Normannia 08 und Lichtenberg 47 II – beendeten die Lichtenrader die Hinserie als Spitzenreiter.
„Es ist schon beeindruckend, wie stark die Mannschaft zusammengewachsen ist. Jeder hat alles gegeben und es gab eigentlich keinen, der deutlich herausgeragt hat“, lobt Garz. Klarer Schlüssel zur Meisterschaft war die starke Defensive um Burow, Schlößer, Spönemann, Schulz und Schlussmann Rahden, die zum Teil in höheren Spielklassen bis zur Oberliga aktiv waren. Nur 33 Gegentore bedeuten nach dem Drittplatzierten GW Neukölln (32) den zweitbesten Wert. Da ließ es sich verschmerzen, dass der LBC in der Offensive kein Feuerwerk abbrannte. Mit 60 schoss man gerade einmal so viele Tore wie der Vorletzte Blau-Gelb. Dennoch zeigte sich auch hier, wie breit das Team aufgestellt war. Neben Stürmer Tschechne (13 Treffer) reihen sich noch neun weitere Spieler mit mindestens drei Toren in die Schützenliste ein. 

Angesichts der tollen Hinrunde wurde in der Winterpause das Saisonziel nach oben geschraubt. „Nach den Leistungen ging der Blick natürlich in Richtung Aufstieg. Zwar weiß man nie, wie die anderen sich verstärken, aber es war für mich klar, das der Wartenberger SV, GW Neukölln und BW Spandau wohl die ärgsten Konkurrenten werden würden“, so Garz. Dabei ging nicht von diesem Trio die größte Gefahr aus, sondern vom FC Nordost. „Den hatte ich gar nicht auf dem Zettel“, sagt der Trainer über den Kontrahenten, der am Ende nur durch das schlechtere Torverhältnis den Titel verpasste.

Doch durch das neu formulierte Saisonziel lief es fortan nicht mehr so richtig rund. Hinzu kamen einige Verletzungen. Ahmad zum Beispiel, der einen Innenbandriss erlitt, fiel lange aus – die Leichtigkeit war passé.
Zwar stand der LBC immer auf einem Aufstiegsplatz, aber das Team machte sich das Leben unnötig schwer. Anstatt die Meisterschaft schon frühzeitig zu entscheiden, war diese erst am letzten Spieltag perfekt – trotz einer Niederlage 0:1 bei der SG Blankenburg.

Von sofort an richten sich die Blicke nach vorn, die gesteckten Ziele sind klar formuliert. Mittelfristig wollen die Lichtenrader wieder in der höchsten Spielklasse des Verbandes, der Berlin-Liga, spielen. „Wir besitzen zwar nicht wirklich die finanziellen Mittel, die andere Vereine zur Verfügung haben, aber wir werden versuchen, auf unseren eigenen Nachwuchs zu setzen. Immerhin ist die A-Jugend ja in die Verbandsliga aufgestiegen“, sagt Gartz. Aktuell sind Verstärkungen geplant, gerne auch mit LBC-Vergangenheit, aber konkret ist noch nichts. 

Die 60 Tore für den Lichtenrader BC erzielten

Tschechne (13), Kramp (7), Borows­ki (6), M. Futterlieb, Jakubowski, Küc, Nehrenheim, Schlößer (je 4), Kunik, Sterzing (je 3), Schulz (2), Ahmad, R. Futterlieb, Gottwald, Neuhauser, Spönemann (je 1). Dazu kam ein Eigentor.

Von Nicholas Wuttke

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