Mein Fußball-Woche

10.07.2016

Mit dem längeren Atem

Die Reserve von Tennis Borussia schafft den Durchmarsch und steigt in die Bezirksliga auf

Mit Meisterschale und einer Kiste Bier feierte Tennis Borussia II den Aufstieg in die Bezirksliga. Die „Veilchen“ überzeugten vor allem dank ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit. In der Rückrunde blieb das Team unbesiegt. Foto: Verein

Die Meisterschaft in der 4. Abteilung der Kreisliga A hat sich in der vergangenen Saison die Mannschaft gesichert, die den „längeren Atem“ besaß. So charakterisiert Trainer Ersan Kazar das Erfolgsgeheimnis seines Teams, der zweiten Mannschaft von Tennis Borussia. Das mit dem langen Atem ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen: Viele Partien gewannen die Borussen erst in der Schlussphase und auch den Spitzenplatz in der Tabelle sicherten sie sich im letzten Drittel der Meisterschaft; am 20. Spieltag führten die kleinen Veilchen erstmals das Feld an, danach aber gaben sie diesen Platz bis zum Schluss nicht mehr her. 

Überhaupt ging in der Rückrunde keine einzige Partie mehr verloren, die beiden einzigen Saisonniederlagen setzte es in der Hinrunde gegen die beiden erbittertsten Meisterschaftskonkurrenten, dem Mariendorfer SV 06 II und den Berliner VB, die aber letztlich dem starken Finish der Schützlinge des gleichberechtigten Trainerteams Ersan Kazar und Alexander Clausen nicht mehr ganz folgen konnten.


Das Team, das erst in dieser Saison überhaupt in die Kreisliga A aufgestiegen war, hat die Meisterschaft dabei komplett aus eigener Kraft errungen. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten bei manch anderem Reserveteam bekannter Berliner Vereine griff man auch noch an den letzten Spieltagen nicht auf Schützenhilfe aus dem Oberliga-Team zurück. Lediglich Sascha Kuche, der aber nicht zur Stammformation der Ersten zählt, griff einmal, das aber mit durchschlagendem Erfolg, im Trikot der zweiten Mannschaft ins Geschehen ein: Im Rückrundenspitzenspiel am 27. Spieltag gegen die zweitplatzierte Reserve des Mariendorfer SV gelang Kuche der Ausgleichstreffer – und dem Team insgesamt ein 3:1-Sieg. „Nach diesem Erfolg wussten wir, dass wir Meister werden, dass uns das keiner mehr wird nehmen können“, mit diesen Worten beschreibt Kazar die Partie als einen der Schlüsselmomente der abgelaufenen Spielzeit. 

Dass es keinen Starspieler, nicht den einen herausragenden Akteur gibt, war eine weitere Stärke seines Teams, sagt Kazar: „Meine Mannschaft ist jung, konditionsstark und in allen Mannschaftsteilen ausgeglichen besetzt; wir waren dadurch nicht so einfach ausrechenbar.“ Und so will man nun auch in der Bezirksliga bestehen, wenn auch im Kader die Karten neu gemischt werden. „14 Spieler werden bleiben, geplant sind etwa zehn Neuzugänge. Wir wollen etwas frischen Wind, dabei aber die bisherige gesunde Mischung im Team beibehalten und den einen oder anderen etwas erfahreneren Spieler einbauen“, beschreibt Kazar die Planung für die kommende Saison, die mit dem Auftakttraining am 13. Juli offiziell beginnt.

Der Trainer, der sich selbst als „eingefleischten Borussen“ bezeichnet und schon als Spieler für die Veilchen aktiv war, geht jedenfalls mit Optimismus an die Herausforderung Bezirksliga heran. Ein Grund dafür ist auch, dass sich nach der langen Durststrecke der letzten Jahre, in der der Neuaufbau der Zweiten im finanziell nach der Insolvenz stets etwas klammen Verein allein aus eigener Kraft erfolgen musste, Lichtstreifen am Horizont zeigen. „Der Vorstand hat signalisiert, dass er uns in Zukunft besser unterstützen kann“, sagt Kazar. Auch soll die Kooperation mit der ersten Mannschaft vertieft werden. So könnte die Erfolgsgeschichte der kleinen Veilchen auch in der Bezirksliga weitergehen.

Die 98 Tore für Tennis Borussia II erzielten:

Baris Köse (17), Cengiz Kaan Köse (15), Malet (10), Hack (9), Striese (8), Boyce (7), Lindner (6), Shigwedha (5), Wenzel (4), Yildirim (4), Goth (3), Traoré (3), Demirel, Etingü-Kum, Hernandez-Toimil, Kuche, Trillhof, Wandersleben sowie ein Eigentor.

Von Uli Krug

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