09.07.2017

Mission erfüllt

Sparta Lichtenberg kehrt nach zweijähriger Abstinenz in die Berlin-Liga zurück

Foto: Verein

Vor gut zwei Jahren saßen Ralph Pech, Dirk Zelle und Dragan Kostic zusammen – geknickt, gefrustet, gescheitert. Soeben war ihr Verein, der SV Sparta Lichtenberg, sang- und klanglos aus der Berlin-Liga abgestiegen. Es war keine Überraschung, vielmehr ein Abstieg mit Ansage. Denn wenige Monate zuvor – sprich: mitten in der Saison – hatten 16 Spieler den Klub wegen eines finanziellen Engpasses verlassen. Nun saßen die drei Macher vor einem Scherbenhaufen. Doch statt Trübsal zu blasen oder gar die Brocken hinzuschmeißen, sorgten sie für Aufbruchstimmung an der Fischerstraße – nach dem Motto: jetzt erst recht!

 „Wir waren uns einig: Wir wollten es allen zeigen, nachdem ganz Berlin über uns gelacht hatte“, erinnert sich Kostic, damals wie heute Trainer bei Sparta, und fügt hinzu: „Verständlich, wenn in der höchsten Berliner Spielklasse der Trainer und der Physio (Thomas Wirth, die Redaktion) in der Innenverteidigung spielen mussten, weil wir keine Spieler hatten.“


Das Trio – Dirk Zelle vom Hauptsponsor ATB, Ralph Pech (damals Abteilungsleiter, heute graue Eminenz) und Trainer Kostic – entwarf gemeinsam mit dem Sportlichen Leiter Jan Meißner einen Zweijahresplan, an dessen Ende die Rückkehr in die Berlin-Liga stand. Für diese Mission bauten die Verantwortlichen im Sommer 2015 eine komplett neue Mannschaft auf, als Eckpfeiler wurden Robert Scholl, Milos Marinkovic, Sanid Sejdic und Benjamin Griesert auserkoren. Um ein Haar hätte die Kostic-Truppe den Zweijahresplan mit Aufstieg vorzeitig erfüllt, denn in der vorigen Saison stand Sparta in der Aufstiegsrelegation, scheiterte aber knapp am TuS Makkabi (1:3, 4:3).

In der abgelaufenen Saison setzten die Lichtenberger den Masterplan in die Tat um und schafften die Rückkehr in die Berlin-Liga. „Wir sind stolz auf das gesamte Team“, sagt Spartas langjähriger Präsident Werner Natalis. „Der Aufstieg bedeutet uns sehr viel, er gibt dem ganzen Verein Aufschwung.“
„Wir haben alle an einem Strang gezogen“, freut sich Kostic, der nunmehr seit viereinhalb Jahren bei Sparta das Zepter schwingt. „Wir haben damals mit ihm einen großen Fang gemacht“, schwärmt Natalis. Er habe seine Mannschaft immer im Griff und sei menschlich ein feiner Kerl.
Für den 36-jährigen Kostic war es bereits der fünfte Aufstieg in seiner Trainerkarriere. „Dieser Aufstieg jetzt war der schwerste, weil wir vom ersten Spieltag an unter Druck standen, den wir uns selbst auferlegt hatten.“ Doch das Team blieb cool, vertraute auf die eigene Stärke und bewies im Saisonverlauf immer wieder, dass es Rückschläge wegstecken kann.

Zum Beispiel den Ausfall von Leistungsträgern. So fehlte Mittelfeld-Motor Sanid Sejdic mit einer Muskelverletzung vom 6. bis zum 23. Spieltag. „Eigentlich ist Sanid unverzichtbar, aber die Mannschaft hat es geschafft, auch ohne ihn erfolgreich zu sein“, lobt Kostic. Es sprangen halt andere Spieler in die Bresche: Allen voran Griesert, der in vielen Spielen das gewisse Etwas ausmachte. Als auch er sich verletzte, war ein Larry Ndjock zur Stelle.
Ganz wichtig war in der Hinrunde auch die kreative Doppel-Sechs mit Felix Polster (ging im Januar beruflich nach Norwegen) und Marinkovic (durchgängig stark). Tragende Rollen im Team hatten auch Raphael Klein, der die Mannschaft „fußballerisch und auch menschlich bereicherte“ (Kostic), Scholl, der im Januar aus seiner „Elternzeit“ zurückkehrte, sowie Durim Elezi, der sich stets in den Dienst der Mannschaft stellte. Nicht zu vergessen: Kurt Kossahn. Nicht, weil der (Ersatz-)Torwart zahlreiche Punkte festhielt, sondern weil er als Typ, als Stimmungskanone das Team beflügelte.

Auch Rückschläge auf dem Platz steckte Sparta weg. So auf der Zielgeraden der Saison, als die Lichtenberger drei Niederlagen in vier Spielen einstecken mussten und so am letzten Spieltag unter Zugzwang standen. „Die Stimmung und das Knistern vor diesem Finale werde ich nie vergessen“, so Kostic. Seine Schützlinge waren auf den Punkt da, spielten sich in einen Meister-Rausch und schossen sich mit einer 8:0-Gala gegen TSV Mariendorf 97 zu Aufstieg und Titel. „Die Atmosphäre und der menschliche Umgang innerhalb der Mannschaft war der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Kostic.

Die Vorfreude auf die Berlin-Liga ist groß. „Ziel von Vereinsseite ist der Klassen­erhalt“, sagt Präsident Natalis, während sich die Mannschaft auf die Fahnen geschrieben hat, „den einen oder anderen Großen zu ärgern“, so Kostic. „Wenn wir im oberen Drittel landen, wäre das super.“ Die Vorzeichen sind gut. Denn das Erfolgsteam bleibt zum Großteil zusammen, ist eingespielt – die meisten Spieler gehen in ihre dritte Saison bei Sparta.
Bleibt noch eine Frage zu klären: Haben die Macher einen neuen Zweijahresplan ausgetüftelt? „Die Frage ist wirklich gut“, schmunzelt Kostic. „Ganz ehrlich: Nein!“

Die 93 Tore für Sparta Lichtenberg erzielten:

Griesert (16), Sejdic (15), Ndjock (14), S. Demiryürek (9), Gaudian (9), Groschk (7), Elezi (4), Kupfer (4), Simmerl (3), Feta (2), Duman (2), Polster (2), Tas, Scholl, Liczbanski, Ilter, Tolbert sowie ein Eigentor.

Von Lajos Metzel

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