Mein Fußball-Woche

10.07.2016

Meister der Ausgewogenheit

SC Borsigwalde II wächst zu einer Mannschaft zusammen und geht mit einem neuen Trainer in die Kreisliga A

Stimmung gut, Trainingsbeteiligung gut, Leistung gut: Die Reserve des SC Borsigwalde überraschte in der 6. Abteilung der Kreisliga B und sicherte sich nach Platz 8 im Vorjahr die Meisterschaft. Foto: Verein

Der Aufstieg des SC Borsigwalde II als Meister der 6. Abteilung der Kreisliga B kam überraschend. Denn die Mannschaft hatte zuvor in neun Jahren Zugehörigkeit zur Kreisliga B eigentlich nur einmal wirklich am Aufstieg gekratzt. In der Saison 2009/10 war das, seinerzeit landete die Mannschaft auf dem 4. Platz. Ein Jahr später wurde man Fünfter. Deshalb hatte auch die FuWo die Mannschaft von Trainer Sascha Sievert im vergangenen Sommer auch nicht wirklich auf dem Favoritenzettel. Sievert hatte im Jahr davor die junge Mannschaft auf Platz acht geführt, nichts sprach für eine Leistungsexplosion.

Doch im zweiten Jahr mit ihm passte es: „Wir hatten eine gute Mischung“, sagt der Trainer. Jung und Alt harmonierten in einem guten Team. Dazu kam auch noch enormer Trainingsfleiß, der für diese Liga überdurchschnittlich war. Ein weiteres wesentliches Erfolgsmoment sieht der 46-jährige Coach im guten Mannschaftsgeist: „Die Jungs haben auch viel in der Freizeit zusammen gemacht.“ Und außerdem: „Erfolg bringt Spaß.“ 

 
Das sieht man auch an der Entwicklung in der Saison: Die schlechteste Platzierung war Rang 4 am sechsten Spieltag. Am elften Spieltag übernahmen die Nordberliner dann die Tabellenspitze, wurden mit drei Punkten Vorsprung vor Süden 09 Herbstmeister und landeten am Ende vier Zähler vor dem 1. FC Afrisko. Das sieht glatt aus – und war es dann doch nicht. „In der Rückrunde hatten wir viele Verletzte, andere fehlten mitunter aus beruflichen Gründen“, erzählt der Trainer. Aus der „Ersten“ kam keine Verstärkung, zudem fiel Dominik Gordziel aus. Der Spielmacher erlitt einen Kreuzbandriss.
Das machte sich in der kleinen Krise vom 25. bis zum 27. Spieltag bemerkbar. Da spielte Borsigwalde gegen Meteor 06 II 3:3, gegen den 1. FC Afrisko 2:2 und verlor schließlich gegen den SV Süden 09 mit 0:1. Das waren alles Sechs-Punkte-Spiele gegen direkte Mitkonkurrenten um den Aufstieg. 

Die Borsigwalder waren in den Spielen gegen die härtesten Widersacher ohnehin nicht stark: Nur gegen Afrisko (3:1) und Süden 09 (5:4) gab es in der Hinrunde Siege. Gegen Meteor 06 II (1. Spiel 2:4) blieb man in beiden Partien sieglos. Aber man leistete sich ansonsten kaum Schwächen, das 2:2 gegen Eichkamp-Rupenhorn und die 1:3-Niederlage gegen den in der Rückrunde starken FCK Frohnau bildeten die Ausnahme. Da patzte die Konkurrenz häufiger. Zudem gab's drei hohe Siege zu feiern: ein 8:1 beim Absteiger 1. Traber FC Mariendorf II sowie zwei 7:0-Siege bei Eichkamp-Rupenhorn und VfB Friedrichshain II. Die beiden nächsthöheren Siege (6:0 beim 1. FC Berlin 06 und 6:0 im letzten Spiel gegen Traber) wurden am Grünen Tisch erzielt – der Gegner trat nicht an.

Die Stärke der Mannschaft war laut Sievert ihre Ausgeglichenheit. Einige ragten aber noch heraus: Daniel Milewsky als Zehner und 15-facher Torschütze, Mittelfeldspieler Denny Neu und „Knipser“ Timm Nabroth (25 Tore in 18 Spielen). Und in der Abwehr standen Darius Kaatz und Anton Mertens bombensicher. „Viel kam nicht auf unser Tor“, lobt der Trainer. Zwischen den Pfosten stand zumeist Steven Hausendorf. Der Meister kassierte nur 34 Gegentore, so wenig wie niemand sonst in der 6. Abteilung. Das gilt fast auch für die Verwarnungen: In der Fairnesstabelle landete Borsigwalde mit 39 Gelben und zwei Gelb-Roten Karten hinter Eichkamp-Rupenhorn auf Rang 2. Einsatz und einwandfreies Verhalten schließen sich also auch bei erfolgreichen Mannschaften nicht aus.

Der SC Borsigwalde II wird seinen Weg machen. „Bleiben alle zusammen, spielen sie in der neuen Saison in der Kreisliga A im Mittelfeld“, ist sich Sievert sicher. Er selbst ist dann aber nicht mehr dabei. Seine Vorstellungen für die nächste Saison deckten sich nicht mit denen des Vorstands. So wird er nun Co-Trainer beim 1. FC Lübars. Möglich, dass ihm dorthin der eine oder andere Spieler folgt. Die Jungs haben sich schließlich an den Trainer und seine Art gewöhnt.
Die Trennung erfolgte ohne Nebengeräusche und verlief ebenso unaufgeregt, wie man Meister wurde. Mit Michael Gusko wurde bereits ein Nachfolger gefunden, der sich im Berliner Amateurfußball gut auskennt. Es muss also keinen Bruch geben. 

Die 103 Tore für den SC Borsigwalde II erzielten:

Nabroth (25), Milewsky (15), Krause (8), Hugel (7), Neu (6), Sagelsdorff (5), Gordziel (4), Längert (4), Bayrak (2), Bielke (2), Balke, Hain, Helwig, Kaatz, Mertens, Möbius, Nowak, Philipps, Senyüz, von Marschall, Wolff (je 1) sowie zwei Eigentore und zwei 6:0-Wertungen.

Von Manuel Fernandes

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