25.11.2014

Mann der Woche: Die lebende Legende

Je älter, desto besser – auch mit 37 Jahren besticht Michael Fuß als eiskalter Vollstrecker

Mit 18 Treffern Führender in der Torjägerliste der Berlin-Liga: TeBe-Kapitän Michael Fuß. Foto: JouLux

Er trifft und trifft und trifft. Verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk schießt Michael Fuß von Tennis Borussia Tor um Tor. Am vergangenen Freitag gelang ihm im Berlin-Liga-Spitzenspiel gegen CFC Hertha 06 ein Dreierpack. Damit ist Fuß für die FuWo der „Mann der Woche“.

Wohl kaum ein Amateurfußballer ist so bekannt wie er. Michael Fuß ist in Berlin längst eine lebende Legende. Mittlerweile ist der Angreifer von Tennis Borussia 37 Jahre alt, seine Leistung wird dadurch jedoch in keiner Weise beeinträchtigt. Im Gegenteil: Die gegnerischen Verteidiger können sich noch so anstrengen – Fuß trifft, wie er will. 18 Tore stehen nunmehr auf dem Konto des Vollblutstürmers, damit hat er TeBe an die Spitze der Berlin-Liga-Tabelle geschossen.

„Er ist ein Phänomen“, schwärmt sein Trainer Daniel Volbert, „auf ihn möchte und kann ich nicht verzichten.“ Fuß besitzt einen Torinstinkt, der seinesgleichen sucht. Er steht einfach immer richtig, zieht im Strafraum die Bälle geradezu magisch an und vollstreckt dann eiskalt. „Diese Gabe kann man nicht trainieren“, sagt Volbert, „entweder man hat sie oder nicht.“

Am Freitag gab es mal wieder eine typische Michael-Fuß-Gala

Am vergangenen Freitagabend ereignete sich mal wieder eine jener typischen Michael-Fuß-Galas, wie es sie schon so oft gegeben hat. Im gleißenden Flutlicht des Mommsenstadions ließ Fuß sein Können erstrahlen und die rund 500 Zuschauer verzücken. Beim 4:0-Sieg von Tennis Borussia im Berlin-Liga-Spitzenspiel gegen Hertha 06 erzielte der Routinier die ersten drei Tore, ehe er in der 63. Minute unter tosendem Applaus ausgewechselt wurde.

Wie macht Fuß das bloß? Der 37-Jährige redet seine Rolle klein: „Wir haben eine gute Mannschaft, die mir die Bälle hervorragend auflegt.“ Und warum er fast immer richtig steht? „Das ist meistens Instinkt“, sagt Fuß, „manchmal überlege ich mir vorher, wo die Bälle hinkommen könnten.“

Auf den ersten zehn Metern immer noch der Schnellste

Für Volbert liegt das Geheimnis des Erfolgs aber auch in Fuß‘ Einstellung zum Fußball. „Vieles sieht bei ihm so leicht aus, doch da steckt auch viel Arbeit hinter“, sagt Volbert. Fuß sei trainingsbesessen und für seine Mitspieler ein Vorbild. Natürlich hat Volbert Fuß schon gekannt, bevor er kurz vor dem Ende der vergangenen Saison Trainer bei TeBe wurde. „Doch als ich dann erstmals mit ihm zusammengearbeitet habe, war ich nochmal aufs Neue total überrascht.“ Etwa als Volbert einen Sprinttest durchführen ließ. „Ob Sie es glauben oder nicht: Auf den ersten zehn Metern war er immer noch der Schnellste.“

Volbert machte Fuß zu seinem Kapitän, und die Binde motiviert den Angreifer zusätzlich. „Das hat mir nochmal einen Schub gegeben“, sagt Fuß. Oftmals nehme er sich die jungen Spieler zur Seite, um ihnen wichtige Tipps zu geben, erzählt Volbert. Der Trainer schätzt, dass Fuß in seiner langen Karriere an die 1000 Tore geschossen hat. Die Bestmarke liegt bei 66 Treffern in der Saison 2000/01, als Fuß für den damaligen Verbandsligisten Türkiyemspor stürmte.

Vertrag mit dem HSV war bereits ausgehandelt

Beinahe wäre Fuß sogar Profi geworden. 1997 war ein Vertrag mit dem Hamburger SV bereits ausgehandelt, seinerzeit mit Felix Magath als verantwortlichem HSV-Coach. Doch nachdem Magath, der ihn unbedingt haben wollte, kurz darauf entlassen wurde, sollte Fuß lediglich bei den HSV-Amateuren spielen. „Das wollte ich nicht“, erzählt Fuß, der dann doch lieber in Berlin blieb.

Immerhin hat er es in der Hauptstadt zu einer Legende geschafft. Und das liegt nicht nur an seiner atemberaubenden Torquote. „Er ist ein echter Typ“, sagt Volbert, „solche Leute tun der Berlin-Liga unheimlich gut.“ Fürwahr ist der hauptberuflich als Lagerist arbeitende Fuß nahbar und auch deshalb so beliebt. Nicht selten kommt es vor, dass er nach TeBe-Spielen im Kasino des Mommsenstadions noch das ein oder andere Bierchen zischt und sich dabei manches Zigarettchen gönnt.

Und wie lange wird Fuß noch seine Tore schießen? „Der kann noch spielen, bis er 40 oder 41 ist“, meint Volbert. Fuß selbst denkt nicht ganz so weit: „Wenn wir in die Oberliga aufsteigen, hänge ich auf jeden Fall noch ein weiteres Jahr dran, vielleicht aber nur als Stand-By-Spieler.“ Da TeBe Tabellenführer ist, sieht es so aus, als können sich Berlins Amateurfußball-Fans noch eine weitere Saison an den Toren von Michael Fuß erfreuen.

Sollte es mit dem Aufstieg nicht klappen, kann sich Fuß immerhin damit rühmen, „Mann der Woche“ der FuWo geworden zu sein.

Von Andreas Krühler

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