17.12.2014

Mann der Woche: Der Unverzichtbare

Julian Schieber verschafft Hertha BSC Luft im Abstiegskampf – und festigt seinen Stammplatz

Schiebers bislang größer Moment in Blau-Weiß: Der 1:0-Siegtreffer gegen Borussia Dortmund. Foto: JouLux

Dass Hertha BSC gegen Borussia Dortmund gewinnt, galt vor dem Spiel als Wunschtraum blau-weißer Optimisten. Weil Stürmer Julian Schieber gegen seinen früheren Klub aber zur Hochform auflief, feierten die Berliner tatsächlich einen 1:0-Erfolg. Für die FuWo-Redaktion ist Schieber wegen seines spektakulären Siegtors der „Mann der Woche“.

Nein, Mitleid sei das falsche Wort, sagte Julian Schieber, als er in den Katakomben des Olympiastadions auf Borussia Dortmund angesprochen wurde. Ein bisschen weh tue es allerdings schon, die einstigen Kollegen so leiden zu sehen. Dass ausgerechnet er, der vor seinem Wechsel nach Berlin zwei Jahre das Trikot des BVB trug, die Borussia zurück in die Krise schoss, barg tatsächlich eine gewisse Tragik in sich.

Bei aller Sympathie für seinen früheren Klub: Inzwischen gilt Schiebers volle Konzentration längst Hertha BSC. Mit seinem Siegtor gegen Dortmund ist er endgültig angekommen in Berlin. Derzeit führt kein Weg an dem 25 Jahre alten Angreifer vorbei. Dabei machte es vor gut drei Wochen noch den Anschein, als würde ihn seine einstige Rolle beim BVB auch bei Hertha heimsuchen. Die des Reservisten.

Mit Salomon Kalou hatte der Berliner Bundesligist kurz vor Ende der Transferperiode einen namhaften Konkurrenten eingekauft, einen Nationalspieler, WM-Teilnehmer und Champions-League-Sieger. Die fußballerischen Qualitäten des Ivorers sind unbestritten – und so fand sich Schieber schon bald nach Kalous Ankunft auf der Ersatzbank wieder.

Schieber gewinnt wichtige Zweikämpfe

In Herthas derzeitiger Situation, in der es einzig und allein um den Klassenerhalt geht, scheint Schieber für Trainer Jos Luhukay jedoch der wertvollere Spieler zu sein. Der gebürtige Schwabe gewinnt mehr Zweikämpfe als Kalou und ist insgesamt der mannschaftsdienlichere Spieler. Kurzum: Schieber ist momentan unverzichtbar. Auch, weil er das in ihn gesetzte Vertrauen derzeit mit Toren zurückzahlt.

Nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich bei Borussia Mönchengladbach in der Vorwoche wurde Schieber mit seinem 1:0-Siegor gegen Dortmund nun zum Entscheider. Ein Treffer, der nicht nur eminent wichtig, sondern auch ausgesprochen sehenswert war.

Kein Mann der großen Gesten

Nach Zuspiel von Per Skjelbred setzte sich Schieber zunächst gegen Weltmeister Mats Hummels durch und ließ dann Sebastian Kehl aussteigen. Während der BVB-Routinier ein wenig die Orientierung verlor, behielt Schieber die Übersicht – und beförderte den Ball souverän ins Netz.

„Ich habe Glück gehabt, dass der Torwart ein bisschen spekuliert hat“, befand Schieber, „da brauchte ich nur noch einschieben.“ Schon auf dem Rasen hatte er sich bescheiden gegeben. Während die Kollegen jubelten, war von großen Gesten beim Torschützen nichts zu sehen.

Sein Trainer verteilte dafür umso mehr Lob. Ein technisch so anspruchsvolles Tor, „hätten Julian nur die wenigsten zugetraut“, sagte Luhukay. „Das bringt mich innerlich zum Strahlen.“ Den Hertha-Fans dürfte es nicht anders gegangen sein. Und wer mit seinen Toren für derart viel Freude sorgt wie Julian Schieber, hat sich den FuWo-Titel „Mann der Woche“ redlich verdient.

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