04.11.2017

Mäcki Laucks bitteres Ende

In dieser Woche vor 20 Jahren

Es ist der wahre Irrsinn, den das Leben in besonderen Fällen bereithält. Manchmal ist es sogar regelrecht fies, wenn auch mit langem Anlauf.

Es ist im Sommer 1980, Reinhard „Mäcki“ Lauck sitzt mit Schlips und Kragen auf der Tribüne des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks. 33 Jahre ist der Haudegen inzwischen alt und sagt der Oberliga ade. Obwohl er wegen Verletzungen in seiner letzten Saison nur noch zwölf Spiele bestritten hat, haben sich die Fans was einfallen lassen für den Mittelfeld-Strategen, in vielen Begegnungen der Kopf der Mannschaft und der besonnene Lenker. Ein Ferkel hoppelt über den Rasen, das Abschiedsgeschenk für den Oldie. Glück soll es dem 33-maligen Nationalspieler, dem WM-Teilnehmer von 1974 und Olympiasieger von 1976 bringen.


Das mit dem Glück ist ein Wunsch, der so gar nicht in Erfüllung geht. Dabei bringt Mäcki alle Voraussetzungen mit, sich die Zeit nach der sportlichen Karriere durchaus bequem einzurichten. Im Herzen der Stadt wohnt er, am Alexanderplatz, von wo es weder ins Sportforum und schon gar nicht in die Cantianstraße, wo der BFC Dynamo seine Heimspiele bestreitet, ein beschwerlicher Weg ist. Nach 256 Erstligaspielen, nach dem FDGB-Pokalsieg mit dem 1. FC Union 1968 und nach zwei Titelgewinnen mit dem BFC stehen ihm die Türen nahezu überall offen. Zudem hat er längst das geschafft, was allen anderen, die diesen Weg gegangen sind, nicht vergönnt ist: Obwohl er 1973 die Seiten zwischen den erbitterten Rivalen aus Köpenick und Hohenschönhausen wechselt, begegnen sie ihm hier wie da und selbst in den hartgesottenen Fankurven mit Respekt.

Doch die Geschichte seines Lebens, des Jungen aus der Lausitz, der über die SG Sielow, den SC Cottbus, Vorwärts Cottbus, Vorwärts Neubrandenburg und Energie Cottbus 21-jährig nach Berlin kommt, bei den Eisernen unter Kult-Trainer Werner Schwenzfeier über Nacht in die vergötterte Pokalsiegerelf, die mit dem 2:1-Finalsieg gegen Carl Zeiss Jena den bis heute einzigen nationalen Titel in die Wuhlheide holt, sozusagen eingeschleust wird und später mit den Dynamos auch international mitmischt, bleibt ohne Happyend. Ist Lauck die Jahre nach seinem Karriere-Ende im Fuhrpark der Dynamos beschäftigt, so haut ihm die politische Wende regelrecht die Beine weg. In Autowerkstätten arbeitet er und als Kohlenschlepper, als Bauarbeiter und als Schlosser sowie als Schweißer bei einem Tiefbauunternehmen. Alles nur Gelegenheitsjobs und nichts auf Dauer. Gravierender kann der Bruch in einem Leben kaum sein.

Dazu kommt, dass es spätestens 1993 bei der Wiederauflage des WM-Klassikers von 1974, dem deutsch-deutschen Duell, das die DDR seinerzeit in Hamburg 1:0 gewann und bei dem gegen Lauck weder Wolfgang Overath noch Günter Netzer einen Stich sahen, kein Geheimnis mehr ist: Mäcki ist dem Teufel aus der Flasche verfallen.
Spielen kann er nicht mehr, das ist vorbei. Es geht bei dem Mann, der einst eine Pferdelunge besaß und einen Schuss hatte, an dem sich die meisten Torhüter Hände und Füße hätten wärmen können, allein um die Existenz, um die Gesundheit. Diesen Kampf aber kann Lauck, der auf dem Rasen so viele Siege gefeiert hat, nicht gewinnen. Schlimmer noch: Er endet auf der Straße. Mit schweren Kopfverletzungen wird er gefunden und als hilflose Person ins Krankenhaus Prenzlauer Berg eingeliefert. Die Operation hilft nicht mehr, Mäcki wacht aus dem Koma nicht mehr auf und stirbt am 22. Oktober 1997, nur fünf Wochen nach seinem 51. Geburtstag.

Von Robert Klein

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