09.07.2017

„Letztendlich bin ich an mir selbst gescheitert“

Interview mit Kevin Pannewitz

Kevin Pannewitz (25, Foto: JouLux) will es nochmal wissen. Dabei schien die Karriere des 1,85 Meter großen Mittelfeldspielers längst ad acta gelegt, nachdem der gebürtige Berliner zuletzt selbst in Alt­glienicke (2015/16) und bei Eintracht Oranienburg (2016/17) nicht recht Fuß fassen konnte – oder wollte. Die Zeiten, in denen Pannewitz allenthalben eine große Zukunft prophezeiht wurde, sind längst Geschichte. Zu oft hatte der Hochveranlagte seine Förderer enttäuscht, sei es bei Hansa Rostock, wo er im November 2009 sein Profi-Debüt feierte, sei es ab 2012 beim VfL Wolfsburg, wo selbst Felix Magath sich vergeblich mühte, seinen phlegmatischen Schützling in Form zu bringen. Jetzt hat sich überraschend doch noch mal ein Türchen zum Profifußball geöffnet, zumindest ein wenig: Seit rund zwei Wochen trainiert Pannewitz bei Drittliga-Aufsteiger FC Carl Zeiss Jena zur Probe mit.

Fußball-Woche: Herr Pannewitz, wieviel Kilo bringen Sie aktuell auf die Waage?


Kevin Pannewitz: „Ungefähr 94 Kilo.“

Wieviel sollen noch runter?

Pannewitz: „Wenn ich zwischen 90 und 92 lande, bin ich zufrieden.“

Sie sagten mal, der Kühlschrank sei Ihr größter Feind. Welche Lebensmittel sind tabu?

Pannewitz: „Fastfood. Kohlehydrate esse ich schon, weil wir viel und hart trainieren. Für mich ist das jetzt eine enorme Umstellung, ich habe seit einigen Jahren nicht mehr im Leistungsbereich trainiert und brauche Kraft.“

Wie kam der Kontakt zum FC Carl Zeiss zustande?

Pannewitz: „Durch Timmy Thiele (FCC-Stürmer Thiele ist sein Schwager; die Red.). Er hat bemerkt, dass ich etliche Kilos abgenommen habe, nicht nur drei oder vier, sondern 13, 14. Er wusste, ich meine es ernst. Dann hat Timmy mit dem Verein gesprochen, dadurch kam die Sache ins Rollen. Ich hatte ebenfalls ein, zwei Gespräche. Die Vorgabe war, dass ich fit aussehe, das Gewicht war erstmal zweitrangig. Nach zwei Monaten war ich so weit, dass ich mittrainieren konnte.“

Bei Eintracht Oranienburg hatten Sie zuletzt einiges mehr auf den Rippen?

Pannewitz: „Da habe ich 115 Kilo gewogen, habe aber nach einem halben Jahr aufgehört zu spielen und dann nochmal acht Kilo zugelegt. Seitdem habe ich fast 30 Kilo verloren.“

Gab es einen bestimmten Auslöser, dass Sie gesagt haben, ich will es noch einmal wissen?

Pannewitz: „Ich wollte es einfach, deshalb ziehe ich es jetzt auch durch.“

Sie hatten es im Grunde schon geschafft, Felix Magath hat Sie als „eines der größten Talente Deutschlands“ bezeichnet. Ist Ihnen das Lob zu Kopf gestiegen?

Pannewitz: „Mir wurde immer schon Honig ums Maul geschmiert, weil ich ganz gut kicken konnte. Letztendlich bin ich an mir selbst gescheitert. Als dann auch noch meine Mutter starb (Anfang Juli 2013; die Red.), war die Sache für mich gelaufen.“

Nach Wolfsburg ging es zum Goslarer SC. Hatten Sie die Karriere da schon abgehakt?

Pannewitz: „In Goslar habe ich gespielt, um etwas Geld zu verdienen. Wenn ich Fußball spiele, gebe ich immer einhundert Prozent, egal, wieviel ich wiege. Ich konnte da auch problemlos mithalten, Fußball ist immer meine Leidenschaft geblieben.“

Wie war das bei Ihren letzten Stationen? Ihre Mannschaftskameraden wollten doch sicher alle selbst Profi werden. 
Gab es dumme Sprüche, weil Sie Ihre Chance so leichtfertig hergeschenkt haben?

Pannewitz: „Darüber wurde nicht gesprochen. Das wusste eh jeder, dass ich mal nah dran war, ich selbst am allerbesten. Und jetzt habe ich nochmal eine Chance. Aber wie gesagt, ich war drei Jahre raus aus dem athletischen Bereich. Der ganze Ablauf ist quasi neu für mich. Ich werde bestimmt nicht am ersten Spieltag auflaufen und gleich loszaubern. Das wird schwer, ich brauche bestimmt sieben, acht Wochen. Ich merke, dass ich beim Training relativ schnell eine Herzfrequenz erreiche, die nahe am Maximum liegt. Auch meine Erholungsphase dauert noch zu lange. Fußballerisch habe ich nicht viel verlernt, das konnte man auch schon sehen.“

Wie sieht Ihr Tag aus?

Pannewitz: „Trainiern, trainieren, Mittagessen, danach ein Spaziergang mit Timmy und seinem neuen Hund, dann wieder Training, Abendbrot, ein bisschen Fernsehen – das ist alles.“

Und nebenbei haben Sie noch eine Familie.

Pannewitz: „Meine Frau und mein Sohn sind in Berlin, der Kleine wird im Oktober zwei Jahre alt. Ich versuche jedes Wochenende bei ihnen zu sein, was nicht leicht ist. Meine Frau ist in der Ausbildung zum gehobenen Polizeidienst, ich muss zusehen, dass ich mich hier durchkämpfe.“

Ist Jena Ihre letzte Chance, im Profifußball zu landen?

Pannewitz: „Ich hatte eigentlich schon zu viele Chancen, andererseits habe ich mir diese Möglichkeit selbst erarbeitet, mit Unterstützung von Timmy.“

Wann entscheidet sich, ob Sie einen Vertrag bekommen?

Pannewitz: „Das hängt vom Trainerstab ab. Wenn die sagen, okay, den Mann können wir gebrauchen, der kann uns helfen, dann werde ich den Vertrag unterschreiben. Falls nicht, dann schauen wir mal, was passiert. Jetzt fahren wir erstmal nach Belgien ins Trainingslager. Ich denke, in den nächsten zwei Wochen wird eine Entscheidung fallen.“

Interview: Alex Heinen

Kommentieren

Vermarktung: