05.02.2017

Letzte Testspiele gar nicht gut

Zwei Wochen vor dem Start in die Oberliga-Rückrunde stehen die 14 Mannschaften der höchsten Spielklasse der DDR vor ihren letzten Testspielen. Die bisherige Phase der Vorbereitung auf die restlichen 13 Meisterschaftsspiele verlief für den BFC Dynamo und den 1. FC Union, die beiden Erstliga-Teams aus Berlin, nicht gerade vielversprechend.

Spielerische Harmonie kann sich vor allem bei den Männern aus Hohenschönhausen nicht einstellen, weil mit Bodo Rudwaleit, Reinhard Schwerdtner, Frank Terletzki und Roland Jüngling gleich vier Spieler mit der DFV-Nachwuchs­auswahl zu einer Wettkampfreise in Vietnam weilen. Zudem fallen Angreifer Hans-Jürgen Riediger nach einer Operation am Sprunggelenk und Abwehrspieler Norbert Trieloff mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel aus.
So kommt selbst ein 3:1 (0:0)-Sieg gegen den SASK Elstal, eine Mannschaft der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte, erst in der Schlussviertelstunde zustande. Nachwuchsmann Peter Pietrusska bricht mit seinem 1:0 (74.) den Bann, Dietmar Labes lässt einen Doppelpack (77., 83., Foulelfmeter) folgen, ehe Piskunow in letzter Minute für die Soldaten trifft.


Dass es noch lange nicht wie geschmiert läuft, muss der Tabellendritte auch gegen Stal Mielec erfahren. Der polnische Meister kommt zwar ohne seine Nationalspieler, zu denen auch der 1974er WM-Torschützenkönig Grzegorz Lato gehört; weil den Dynamos aber nur ein Kopfballtreffer von Peter Rohde gelingt (61.) und Labes drei Minuten vor dem Ende einen Elfmeter vergibt, setzt es für den BFC bei Gegentoren durch Krawczyk (52.) und Tryba (76.) eine 1:2-Niederlage. Auch zwei Spiele gegen Odra Opole zeigen, dass noch viel Sand im Getriebe knirscht. Zwar wird der zweite Vergleich 2:1 gewonnen (Bernd Brillat/Foulelfmeter und Ralf Sträßer sorgen für die BFC-Treffer), doch im ersten, der mit einer 2:4-Niederlage endet, offenbaren sich eklatante Abwehrschwächen. Erst nach einem 0:3-Rückstand kommen die Dynamos besser auf Touren und gestalten die Pleite dank eines Doppelpacks von Brillat ein wenig erträglicher.

Kaum besser läuft es beim 1. FC Union. In fünf Testspielen kassierten die Wuhlheider bislang elf Gegentore, zuletzt klappt es mit einem 0:0 bei Chemie Leipzig aber schon ansprechender. Trotzdem steht der Aufsteiger, der als Tabellen-Schlusslicht in die Rückrunde startet, vor einem ganz schweren Frühjahr.

Der Optimismus ist dennoch grenzenlos. „Die Mannschaft hat bisher prächtig mitgezogen“, sagt Trainer Heinz Werner, „sie hat sich allen noch so hohen Anforderungen mit bester Moral unterzogen.“ Weil die Eisernen in athletischer Hinsicht kaum Nachteile gegenüber der Konkurrenz hatten, legt der Coach größten Wert auf den technisch-taktischen Bereich, auf ein wirkungsvolleres Zusammenspiel. Einer, der es genau wissen muss, ob die Grundlagen für eine erfolgreiche Rückrunde ausreichen sollten, ist Joachim Sigusch. „Ich bin das sechste Jahr bei Union“, sagt der Kapitän, „aber so sorgfältig haben wir uns tatsächlich noch nie vorbereitet.“

Derweil haben die Unioner nicht nur den Klassenerhalt im Blick, sondern auch die Entwicklung ihres Nachwuchses. So hat Werner zwei Wochen lang die veranlagten Junioren Henry Treppschuh, Detlef Helms, Frank Melzer und Peter Wirth, Sohn des Alt-Internationalen Günter „Wibbel“ Wirth, ins Training eingegliedert. „Sie haben gezeigt, dass hier hoffnungsvolle Talente heranreifen“, ist Werner überzeugt.
Nun muss nur noch der Klassenerhalt gelingen.

Von Robert Klein

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