26.02.2017

Kein Bayern-Glück in Berlin

Hertha BSC, nach der Hinrunde mit 21:13 Punkten Tabellenvierter der Bundesliga, holte in den ersten fünf Begegnungen der Rückrunde gerade mal einen einzigen Zähler und fiel auf den 7. Rang zurück. Auch beim heimstarken VfL Bochum gab es nichts zu holen. 

Den Führungstreffer von Kaczor nach acht Minuten konnte Grau unmittelbar darauf egalisieren, doch schon zwei Minuten später traf Kaczor erneut zur Führung, und als der gleiche Spieler nach einer halben Stunde zum dritten Male traf, wechselte Hertha-Trainer Georg Kessler Kaczors Gegenspieler Hermandung noch vor der Pause aus und brachte Diefenbach, der mit dem Bochumer Torjäger gleich viel besser klar kam. Auch nach dem Wechsel besaß Bochum noch gute Möglichkeiten, ehe Granitza von einem Zusammenprall zweier Bochumer Abwehrspieler profitierte und auf 3:2 (74.) verkürzen konnte. Zehn Minuten später sorgte Trimhold mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze für den 4:2-Endstand.


Bei den Herthanern herrschte nach dieser erneuten Pleite Ernüchterung. Neben Hermandung stand auch Torsteher Nigbur in der Kritik, bei dem sich tolle Paraden und anfängerhafte Faust- und Fangfehler munter abwechselten. Allein Brück wurde neben Diefenbach noch eine gute Leistung attestiert. 

Am gleichen Spieltag erlebte Tennis Borussia eine Sternstunde in der Bundesliga. 40.000 Zuschauer waren im Olympiastadion beim 3:1 (1:0)-Erfolg der Borussen über Bayern München, die das Hinspiel in München noch mit 9:0 gewonnen hatten, schier aus dem Häuschen. Wendt hatte die Lila-Weißen zwei Minuten vor der Pause per Kopfball in Führung gebracht, Baake erhöhte sieben Minuten nach Wiederanpfiff auf 2:0, wobei Münchens Mittelfeldspieler Önal den Schuss noch unhaltbar für Torsteher Maier abfälschte, und schließlich gelang Wendt (75.) sogar noch per Konter das 3:0. In der Endphase traf der eingewechselte Kirschner per Flachschuss zum 3:1 (83.). 

Eine ganz starke Leistung bot bei den Borussen Berkemeier, der mit seinen Dribblings und Pässen in die Tiefe Franz Beckenbauer die Show stahl, und einmal mehr Torsteher Groß, der in der von den Münchenern überlegen geführten 2. Halbzeit so manche klare Torchance der Gäste zunichte machte. Beiden bescheinigte die Fußball-Woche eine nationalmannschaftsreife Leistung. Auch der kleine Abwehrspieler Savkovic wuchs über sich hinaus und lieferte sich mit Nationalspieler Rumme­nigge sehenswerte Zweikämpfe, die unentschieden ausgingen. „Ich kann Vorstand, Trainer und Mannschaft zu ihrer erfolgreichen Arbeit in den letzten sechs Monaten nur gratulieren“, betonte Bayern-Trainer Dettmar Cramer, der eine Woche später mit den Bayern zum Viertelfinalspiel im DFB-Pokal gegen Hertha BSC erneut nach Berlin kommen musste. 
 
Anders als im Bundesligaalltag zeigten sich die Blau-Weißen im Pokal von ihrer besten Seite und besiegten die stark ersatzgeschwächten Bayern (ohne Müller, Hoeneß, Schwarzenbeck und Dürnberger) nach 120 Minuten mit 4:2. Dabei lagen die Berliner zweimal in Rückstand. Die frühe Führung von Kapellmann (6.) glich Granitza per Foulelfmeter nach 51 Minuten aus. In der Verlängerung überschlugen sich dann die Ereignisse. Zunächst traf der gerade erst eingewechselte Weiß mit einem Flachschuss zum 2:1 (95.) für die Bayern, dann landete Granitzas Kopfball (100.) nach Flanke von Horr zum Ausgleich im Netz. In der 2. Halbzeit der Verlängerung mobilisierten die Herthaner ihre letzten Kräfte und warfen die Bayern durch Treffer von Horr (108.), dem der Ball nach einer Ecke glücklich ans Knie sprang, und Gersdorff (116.), der nach einem schlecht abgewehrten Eckball aus Nahdistanz traf, aus dem Wettbewerb. „Das war Fußball, wie ihn die Massen lieben: Knisternd vor Spannung, torreich und tempogeladen“, urteilte die Fußball-Woche über die Partie im Olympiastadion. 

Großes Lob gab es von allen Seiten für Trainer Georg Kessler, der nach den vielen Enttäuschungen in den Wochen zuvor kräftig in die Kritik geraten war. Doch diesmal bewies der Holländer ein glückliches Händchen bei seiner Aufstellung. Sziedat ließ Nationalspieler Rummenigge kaum zur Entfaltung kommen, Beer und Sidka kurbelten kräftig im Mittelfeld und vorn bohrte sich Granitza immer wieder wie ein Pfeil in die Bayern-Abwehr. Hinzu kam, dass der für Kristensen nach 39 Minuten eingewechselte Horr wie in besten Zeiten aufspielte und der nach 97 Minuten für Diefenbach gekommene Gersdorff mit seinem Treffer zum 4:2 für die endgültige Entscheidung sorgte. Mehr Glück kann ein Trainer mit seinen Einwechslungen nicht haben. 

Von Rainer Fritzsche

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