Mein Fußball-Woche

19.02.2017

„Jede Partie wird eine heiße Nummer“

Geboren in Beirut, aufgewachsen in Spandau: Bereits als Sechsjähriger kam Hassan Chaabo mit seinen Eltern aus dem Libanon in die Havelstadt. Hier ging der kleine Hassan zur Schule, hier fand er seine sportliche Heimat, hier lebt er mit seiner Lebensgefährtin und seinen drei Söhnen noch heute. Für den Spandauer SV absolvierte Chaabo in den 1990er Jahren rund 120 Spiele in der Regionalliga. Seit 2014 trainiert der inzwischen 46-Jährige die Spandauer Kickers, die zur Überraschung einiger nach der Hinrunde die Tabelle der 2. Abteilung der Landesliga punktgleich vor dem Topfavoriten Sparta Lichtenberg anführen.

FuWo: Herr Chaabo, nur der Berlin-Ligist SC Staaken, für den Sie früher auch gespielt haben, steht im Havelbezirk noch vor den Kickers. Wie fühlt man sich als Nummer zwei in Spandau?


Hassan Chaabo: „Schon gut, aber unser Nachbar SC Staaken ist uns noch weit voraus. Die haben einen guten Trainer, spielen einen tollen Fußball. Wir arbeiten daran, dass wir näher herankommen.“

Das sieht gut aus. Im Vorjahr war SpaKi als Vierter so weit vorn wie noch nie, jetzt sogar Tabellenführer. Kann es mit dem Aufstieg klappen?

Chaabo: „Wir würden nicht nein sagen, wenn es passieren sollte. Wichtig wird sein, dass wir gegen die Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel nichts liegenlassen. Jede Partie wird eine heiße Nummer. Und klar: Sparta Lichtenberg hat sich noch einmal verstärkt und ist vom Potenzial her sicher vorn. Ich habe mich ja schon gewundert, dass sie in der Aufstiegsrelegation an Makkabi gescheitert sind.“

Zum Start in die Rückrunde geht es am Sonntag gegen den FC Spandau 06. Das Hinspiel habt Ihr 2:0 gewonnen. Die werden jetzt auf Revanche sinnen, oder?

Chaabo: „Das wird wohl so sein. Aber Spandau 06 hat einige Veränderungen im Kader, die müssen die Neuzugänge erst einmal integrieren. Und wir spielen zu Hause – ich sage immer: Unsere Heimspiele müssen wir gewinnen. Ich tippe wieder auf ein 2:0.“

Sie haben vor der Saison gesagt, die Mannschaft habe ihre Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Wie weit ist sie inzwischen?

Chaabo: „Fertig ist eine Mannschaft nie, im Fußball geht es immer weiter. Aber die Spieler sind seit meinem Amtsantritt drei Jahre älter und erfahrener geworden, sie haben körperlich und von der Schnelligkeit her zugelegt. Und nachdem wir immer viele Gegentore kassiert haben, hat sich unsere Defensive deutlich verbessert.“

Jack Krumnow ist kein klassischer Mittelstürmer, hat schon 13 Tore erzielt. Wie wichtig ist er für das Team?

Chaabo: „Wenn er fit ist, ist er superwichtig. Jack ist ein Winnertyp, er reißt die Mannschaft mit. Und manch einer unterschätzt ihn, wenn er durchs Mittelfeld trabt. Wenn er dann antritt, erleben sie eine böse Überraschung. Auch Ben Lehl hat eine tolle Hinrunde gespielt, dazu die Abwehrreihe vor unserem starken Torwart Marc Schröder.“

Gab es in der Winterpause Veränderungen im Kader?

Chaabo: „Ja, vom Stamm haben uns Hassan Sinan und Manuel Erman verlassen. Neu sind Sinisa Kresovic vom Brandenburg-Ligisten Miersdorf/Zeuthen, Tim Kressner von BW Spandau, Fatih Güllü vom SC Gatow, Nico Karau von Blau-Gelb Falkensee und Torwart Abdul Farkouh von Meteor 06.“

SpaKi ist auch noch im Pokal dabei. Im Viertelfinale geht es gegen den BFC Dynamo, die Partie findet im Sportpark Staaken statt. Im Vorjahr ist Dynamo gegen den SC Staaken dort ausgeschieden. Ein gutes Omen?

Chaabo: „Vor allem ein schlechtes für Dynamo (lacht). Wir sind guter Dinge, und wenn wir uns nichts ausrechnen würden, dann sollten wir erst gar nicht antreten.“

Noch ein Wort zum SSV: Wie haben Sie als Spandauer die Auflösung Ihres früheren Vereins vor gut zwei Jahren wahr genommen?

Chaabo: „Ich fand es richtig traurig. Es hat so viele Gespräche gegeben, auch über Fusionen, die letztlich nicht stattgefunden haben. Der Bezirk Spandau hätte seine Stellung im Fußball ausbauen können, da wäre die Regionalliga, vielleicht sogar die 3. Liga möglich gewesen. Leider wurde die Chance aber vor einigen Jahren verpasst.“

Interview: Bernd Karkossa 

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