30.07.2017

„In Kiel herrschen super Bedingungen“

Interview mit Christopher Lenz (Holstein Kiel)

Von Union an Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel ausgeliehen: Christopher Lenz, hier im Zweikampf mit Steven Skrzybski. Foto: JouLux

Immer dicht dran, nie mittendrin – so gestaltete sich der Werdegang von Christopher Lenz (22), zumindest bis zum vergangenen Winter. Da wechselte der 1,80 Meter große Linksfuß aus dem Süden Berlins auf Leihbasis vom 1. FC Union eine Liga tiefer zu Holstein Kiel – und avancierte bei den Störchen auf Anhieb zum Stammspieler auf der linken Verteidigerposition. Im Sommer sollte Lenz, der einen Großteil seiner Jugend bei Hertha BSC verbrachte und zehn Länderspiele für die U 19 des DFB absolvierte, eigentlich zu den Köpenickern zurückkehren. Stattdessen einigten sich beide Klubs auf eine Verlängerung des Leihgeschäfts. Am Freitag (18.30 Uhr, Alte Försterei) kehrt Lenz deshalb vorerst als Konkurrent und frischgebackener Aufsteiger mit dem Deutschen Meister von 1912 in seine alte Heimat und womöglich auch künftige Wirkungsstätte (Vertrag bei Union bis Ende Juni 2019) zurück.

Fußball-Woche: Herr Lenz, Ihr erster Verein war Stern Marienfelde. Wie alt waren Sie beim Eintritt?

Christopher Lenz: „Ich glaube, ich war drei Jahre alt.“

So früh? Das müssen Sie uns erklären.

Lenz: „Ich habe dort gleich um die Ecke gewohnt und bin mit Maximilian Philipp (heute Profi bei Borussia Dortmund, d. Red.) dorthin gegangen. Hany Mukhtar (heute Profi bei Bröndby Kopenhagen, d. Red.) war auch dabei. Wir haben dann bei den Älteren mitgespielt. Unser Jahrgang, 1994/95, den gab es damals noch gar nicht.“ 

Maximilian Philipp und Hany Mukhtar waren Ihre Kumpels aus der Nachbarschaft?

Lenz: „Maximilian war und ist bis heute mein bester Freund, Hany hat ein paar Straßen weiter gewohnt.“

Die nächste Station war dann Hertha BSC?

Lenz: „Das war direkt im Anschluss, ein Jahr später. Wir mussten unsere Mannschaft bei Stern Marienfelde verlassen, weil wir zu jung waren. In eine neue Mannschaft wollten wir aber nicht. Es gab dann eine große Sichtung, daraufhin sind wir zu den Hertha-Minis gewechselt.“

Bei Hertha waren Sie von 1999 bis 2012. Mit einer kurzen Unterbrechung 2008/09, als Sie bei Tennis Borussia gespielt haben. Gab es dafür einen Grund?

Lenz: „Als Maximilian Philipp bei Hertha aussortiert wurde, bin ich mitgegangen (Philipp spielte bis 2011 bei TeBe, d. Red.). Die Freundschaft zu ihm war mir damals einfach wichtiger als der Traum vom Fußball-Profi. Nach einem Jahr trat Hertha wieder an mich heran, ob ich nicht zurückkommen wolle. Ich habe Maximilian gefragt, ob das in Ordnung wäre. Er sagte, das sei kein Problem, also bin ich wieder zu Hertha.“ 

Dort waren Sie bis zur U 19, danach vier Jahre von der U 19 bis zur U 23 in Gladbach, bevor es zurück nach Berlin ging, zum 1. FC Union. Seit 1. Januar sind Sie in Kiel und gleich in die 2. Liga aufgestiegen. Erklären Sie doch mal bitte kurz die Vorzüge Ihres aktuellen Klubs.

Lenz: „In Kiel herrschen super Bedingen, gleichzeitig gibt es nicht solch einen Druck, beispielsweise durch die Medien, so wie in Berlin oder Hamburg. Wir trainieren ganz in Ruhe, können entspannt unsere Art Fußball zu spielen weiter entwickeln. Es macht mir hier unheimlich viel Spaß.“

Von außen betrachtet wirkt alles sehr familiär. Ins Holstein-Stadion passen auch gerade einmal 10.200 Fans.

Lenz: „Das Stadion wird demnächst ausgebaut, bis es soweit ist, gibt es provisorische Tribünen. Daher passen momentan sogar etwas mehr Zuschauer rein. In der 3. Liga war es meistens ziemlich voll.“

Das sportliche Ziel kann eigentlich nur Nichtabstieg lauten?

Lenz: „Das würde ich gar nicht mal sagen. Offiziell haben wir uns kein Ziel gesetzt, aber natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Wir wollen unseren Fußball spielen und schauen, wie weit wir damit kommen.“

Auf welche Art Fußball müssen sich Ihre Gegner einstellen?

Lenz: „Ich denke, dass wir eine spielerisch sehr gute Mannschaft sind, wir wollen Fußball spielen. Darüber hinaus geben uns die Trainer eine individuelle Taktik mit auf den Weg, mir der wir dem Spiel unseren Stempel aufdrücken.“

Union peilt den Aufstieg an. Was sagt Ihr Gefühl, klappt‘s diesmal?

Lenz: „Vor der Saison Prognosen abzugeben, das ist immer schwierig. Viel hängt davon ab, wie man startet, wo man im Winter steht und wie man sich gegen Ende der Saison präsentiert. Das war ja das Problem im letzten Jahr, als Union in dieser einen Englischen Woche nichts geholt hat und plötzlich oben weg war. Sie haben sich jetzt nochmal verstärkt und werden sicher eine gute Rolle spielen, trotzdem werden wir dort versuchen zu gewinnen. Danach kann Union gerne Punkte holen.“

Das klingt sehr selbstbewusst. Wir dürfen uns also auf einen frechen und forschen Auftritt in der Alten Försterei freuen?

Lenz: „Das hoffe ich zumindest. Die Alte Försterei ist ein Stadion, in dem gleich eine super Kulisse auf uns wartet. Aber im Endeffekt ist es auch nur ein Fußballspiel.“

Was trauen Sie Ihrem Ex-Klub Hertha zu?

Lenz: „Hertha ist ja oft eine Wundertüte, zuletzt standen sie entgegen den Erwartungen relativ weit oben. Ich hoffe, dass sie sich international gut präsentieren, das würde mich freuen.“

Interview: Alex Heinen

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