11.11.2017

„Ich sehe keinen Unterschied zur Oberliga“

Interview mit Igor Caktas (SD Croatia)

Kennt sich im Berliner Amateurfußball bestens aus und engagiert sich seit Jahren beim SD Croatia: Igor Caktas, 2. Vorsitzender und Teammanager der 1. Mannschaft. Foto: JouLux

Igor Caktas (43) ist der Mann für alles bei Berlin-Ligist SD Croatia. Der heutige 2. Vorsitzende und Teammanager hat die Regionalliga-Spielzeit 1998/99 und den Einzug ins Berliner-Pokalfinale 1994 im Verein miterlebt. Nach dem finanziellen Kollaps und dem Fall in die Bezirksliga spielt Croatia derzeit wieder eine gute Rolle in Berlins höchster Spielklasse. Durch solide Arbeit steht man aktuell in der Spitzengruppe der Berlin-Liga und kann einen durchaus namhaften Kader vorweisen.

Fußball-Woche: Herr Caktas, wie sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Igor Caktas: „Wir stehen gut da. Die Atmosphäre rund um die erste Mannschaft ist sehr positiv. Unsere Neuzugänge passen menschlich gut rein. Wir wollten ins obere Drittel der Tabelle und da stehen wir momentan. Somit sind wir zufrieden.“

Ist in dieser Saison noch mehr möglich?


Caktas: „Alles ist offen. Viele Spitzenmannschaften haben schon gepatzt. Die Liga ist sehr ausgeglichen. Selbst der TSV Rudow als Zehnter kann die Topteams auswärts schlagen. Wenn wir am Ende oben stehen, nehmen wir das natürlich gerne mit.“

Der Verein hat Ende der 1990er Jahre in der Regionalliga gespielt. Das war seinerzeit die dritthöchste Spielklasse. Ist das etwas, wovon Sie manchmal träumen?

Caktas: „Das sind schöne Erinnerungen, aber ich weiß natürlich, dass es ein schwerer Weg ist. Wir wollen uns erst mal in der Berlin-Liga etablieren und hier ein gutes Bild abgeben. Und wenn das der Fall ist, kommt vielleicht eines Tages ein großer Sponsor dazu. Wenn man genug Geld hat, dann ist alles möglich.“

Der SD Croatia kann nicht so sehr auf die eigene Jugendarbeit setzen. Ein Nachteil?

Caktas: „Mit Sicherheit. Wir liegen hier in unserem Bezirk Tempelhof, was die Jugendarbeit angeht, vielleicht an sechster Stelle. Im Berliner Süden gibt es so viele gute Vereine. Viktoria 89, Blau-Weiß 90 oder auch der FC Internationale. Das ist nicht einfach für uns. Wir müssen immer fertige Spieler holen und das kostet eben ein paar Euro mehr. Wir verfolgen aber ein Modell, dass man sich zunächst in einer Liga etabliert, um dann stetig zu wachsen.

Wie schätzen Sie das Niveau der Berlin-Liga insgesamt ein?

Caktas: „Ich sehe keinen großen Unterschied zur Oberliga, außer vielleicht in der Physis und bei Standards, aber das kommt durch mehr Trainingsarbeit. Im technisch-taktischen Bereich schätze ich die Berlin-Liga stärker ein. Man sieht es ja schon im Berliner Pokal. In den letzten Jahren hat es fast immer ein Berlin-Ligist bis ins Finale geschafft.“

Woher kommt dieses hohe Niveau?

Caktas: „In Berlin hast du viele gut ausgebildete Spieler. Bei Hertha oder Union haben sie Jugend-Bundesliga gespielt, danach versuchen sie es als Profi. Aber das ist schwierig. Mit 23, 24 merken viele, dass es nicht reicht, und wechseln dann in die Berlin-Liga, weil hier der zeitliche Aufwand nicht ganz so groß ist. Da kann man nebenbei studieren oder eine Ausbildung machen. Bestes Beispiel ist unser Torwart Joel Samake, der noch in Darmstadt in der 3. Liga gespielt hat.“

Will solch ein Spieler denn überhaupt aufsteigen, um dann plötzlich bis nach Wismar oder Schwerin zu fahren?


Caktas: „Wenn man aufsteigt, muss man den Kader umstellen. Man braucht dann junge, hungrige Spieler. Gerade die Älteren sind dann oft nicht mehr bereit, so einen hohen Aufwand zu leisten. Da geht das Privatleben oder der Beruf vor. Wenn man in die Oberliga aufsteigt, wird das sowohl sportlich als auch finanziell keine einfache Sache.“

Wie bewerten Sie solche Investitionen wie bei Blau-Weiß? Oder interessiert Sie das Geld der Konkurrenz nicht?

Caktas: „Wenn ein gesundes, langfristiges Angebot kommt, warum sollte man sich nicht dafür entscheiden. Aber: Einen guten und korrekten Sponsor zu finden, ist sehr schwer. Wir haben da mit unseren Partnern sehr viel Glück. Wir würden aber niemals unser Namensrechte verkaufen oder alles Geld nur in die erste Mannschaft investieren. Leider macht im Amateurfußball das Geld mittlerweile sehr viel aus.“

Schauen auch die Spieler zu sehr aufs Geld?

Caktas:
„Da hat sicher eine Veränderung stattgefunden. Früher hat man zunächst wegen der Leidenschaft Fußball gespielt, heute wechseln junge Spieler weil sie woanders 50 Euro mehr kriegen. Kaum einer verzichtet auf Geld, um seinem langjährigen Jugendverein mal etwas zurückzugeben. Das ist keine gute Entwicklung.“

Sie stecken seit über zehn Jahren sehr viel Zeit in die Vereinsarbeit. Wie lange tun Sie sich das noch an?

Caktas: „Ich mache das sehr gerne, auch wenn die Akkus manchmal auf Null stehen. Man quält sich weiter. Aber ich bin ja nicht alleine: Mein 1. Vorsitzender Josip Begic, unser Geschäftsführer Ivan Pelivan und unsere Schatzmeisterin Erika Nützer – sie alle machen tolle Arbeit. Wenn ich dann positives Feedback kriege, sind die Akkus schnell wieder aufgeladen.“

Interview: Fabian Friedmann

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