16.07.2017

„Ich merke, dass ich respektiert werde“

Nach zuletzt drei Spielzeiten beim SV Babelsberg 03 hat sich Bilal Cubukcu (30) zur neuen Saison Regionalliga-Konkurrent BFC Dynamo angeschlossen. Dass dem beidfüßigen Mittelfeldspieler in Hohenschönhausen einiges zugetraut wird, zeigt allein die Tatsache, dass Trainer René Rydlewicz den ehemaligen türkischen Süperlig-Profi (2008-2011 bei Genclerbirligi Ankara) gleich zum Spielführer ernannt hat. Der gebürtige Kreuzberger, der in der Jugend bei Anadoluspor Berlin, Rot-Weiß Neukölln, TeBe und Hertha BSC (B-Jugendmeister 2003 und DFB-Juniorenpokalsieger 2004, anschließend U 23 und Profi bis 2008) kickte, türkischer Auswahlspieler war (U 17 bis U 21) und auch die deutsche 2. Liga kennt (2011 bei Alemannia Aachen), verfolgt mit dem Ex-DDR-Meister gleichfalls ambitionierte Ziele.

Fußball-Woche: Herr Cubukcu, waren Sie sehr überrascht, als Ihnen beim BFC die Kapitänswürde angetragen wurde?


Bilal Cubukcu: „Nicht so sehr, wie man vielleicht denken könnte. Ich gehöre ja zu den erfahreneren Spielern und habe schon einiges hinter mir. In den ersten Gesprächen, die ich mit dem Trainer geführt hatte, wurde bereits angedeutet, dass man mir diese Aufgabe übertragen will – so ist es dann auch gekommen.“

Wie haben Ihre Mannschaftskollegen reagiert?

Cubukcu: „Von negativen Reaktionen ist mir nichts bekannt. Ich merke, dass ich respektiert werde, das sind alles gute Jungs.“

Sie waren zuletzt drei Jahre in Babelsberg. Wie sind, im Vergleich dazu, Ihre ersten Eindrücke beim BFC?

Cubukcu: „Als Berliner liegt mir Dynamo alleine von den Örtlichkeiten natürlich näher als Babelsberg. Das Umfeld ist anders, das ist auch klar, man merkt einfach, dass der BFC eine große Tradition und viele Erfolge aufzuweisen hat.“
Im letzen Jahr standen Sie kurz vor einem erneuten Wechsel in die Türkei, dann kam der Putsch dazwischen ...

Cubukcu: „Der eigentliche Grund, warum ich hier geblieben bin, war aber meine Familie. Das habe ich auch schon in anderen Interviews gesagt. Ich habe zwei Töchter, die ältere kommt jetzt in die Schule, die jüngere ist im Kindergarten. Solange beide noch klein sind, möchte ich soviel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen. Deshalb wollte ich in Berlin oder zumindest in der Nähe von Berlin bleiben.“

Sie haben Verwandte in der Türkei. Können Sie uns etwas über deren Erfahrung mit der neuen politischen Situation sagen?

Cubukcu: „Ich habe auch in Berlin viele Verwandte. Meine Verwandten in der Türkei leben hauptsächlich am Schwarzen Meer, in der Nähe von Trabzon. Das politische Leben aber spielt sich eher in den größeren Städten ab, in Ankara oder Istanbul. Wenn ich mit meinen Cousins telefoniere, dann scheint dort alles soweit in Ordnung zu sein. Ich glaube, vieles von dem, was man so hört und liest, wird übertrieben dargestellt.“

Bei Hertha wurden Sie zu Beginn Ihrer Karriere als Riesentalent gehandelt, dann kam es zum Bruch. Gibt es noch Bezugspunkte zu Ihrem Ex-Verein?

Cubukcu: „Kaum. Zu meiner Zeit waren dort ganz andere Personen tätig, es hat sich seitdem viel verändert. Stimmt, damals galt ich als großes Talent, dann wurde ich plötzlich nicht mehr gebraucht, also habe ich meinen Weg woanders gesucht. Der eine Trainer steht auf dich, der andere nicht, das ist so im Fußball.“

Lucien Favre war damals Ihr Trainer bei Hertha. Hat er seine Entscheidung, nicht auf Sie zu setzen, irgendwie begründet?

Cubukcu: „Ich weiß bis heute nicht, warum er mich nicht mehr haben wollte. Unter ihm hatte ich keine Chance, nicht eine einzige. Seine Entscheidung wurde mir von Dieter Hoeneß mitgeteilt. Bei Falko Götz – und auch davor – war ich immer Bestandteil des Teams. Ich wurde geschätzt, durfte mich bei Testspielen zeigen. Bei Favre? Nichts! Obwohl es während seiner Amtszeit bei mir richtig gut lief: Ich bin mit der U 23 aufgestiegen, habe zwölf Tore geschossen und 15 Vorlagen geliefert, ich war Nationalspieler in der Türkei. Die Enttäuschung war daher auch sehr groß bei mir. Aber das ist Vergangenheit, die muss man irgendwann abhaken, sonst kann man sich nicht mehr auf das konzentrieren, was heute wichtig ist.“

Demnächst schnuppern Sie nochmal am großen Fußball, wenn Schalke 04 im DFB-Pokal in den Jahn-Sportpark kommt.

Cubukcu: „Das wird ein echtes Highlight. Für viele Spieler wird es das erste Mal sein, ich selbst habe ja schon ein paar solcher Spiele mitgemacht. Wir freuen uns alle darauf.“

Ist Schalke ein Traumlos?

Cubukcu: „Ob Bayern, Dortmund, Schalke oder Leverkusen, das ist alles eine Kategorie. Wir erwarten viele Zuschauer, das Stadion wird sicher voll sein. Und wir werden hoffentlich jede Menge Spaß haben.“

Wie groß ist die Chance auf eine Überraschung?

Cubukcu: „Schalke ist immerhin Bundesligist, wir haben durchaus Respekt. Eine Chance ist natürlich immer da, ich erinnere nur an BAK gegen Hoffenheim (4:0 für den BAK in der ersten DFB-Pokalrunde 2012/13, d. Red.). Aber mit etwas Glück und der richtigen Einstellung ist immer etwas möglich.“

Welches Ziel peilen Sie in der Regionalliga an?

Cubukcu: „Wir haben eine starke Mannschaft, eine gute Mischung aus erfahrenen, jungen und talentierten Spielern und alle sind bereit. Ob DFB-Pokal, Liga oder Berliner Pokal. Wir werden alles dafür tun, das Bestmögliche zu erreichen, wir wollen die Saison nicht einfach nur runterspielen.“

Interview: Alex Heinen

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