Mein Fußball-Woche

10.09.2017

„Ich habe für beide Vereine gewisse Sympathien“

Louis Samson (22) will in die Bundesliga. Weil dem Defensiv-Spezialisten der direkte Weg bei seinem Ausbildungsverein Hertha BSC verwehrt blieb, verließ der gebürtige Berliner 2015 die U 23 der Blau-Weißen, um in Aue einen neuen Anlauf zu wagen. Eine gute Entscheidung: Mit dem damaligen Drittligisten gelang dem 1,90 m großen Rechtsfuß auf Anhieb die Rückkehr in die 2. Liga, im Jahr darauf glückte der Klassenerhalt. Diesen Sommer wagte Sam­son gemeinsam mit seinem langjähri­gen Teamkollegen Steve Breitkreuz (25), mit dem er bereits gemeinsam nach Aue gezogen war, den nächsten Schritt. Der Wechsel zu Eintracht Braunschweig erscheint folgerichtig, denn auch die Löwen verfolgen ehrgeizige Ziele, die am Freitag beim ebenfalls ambitionierten 1. FC Union (18.30 Uhr, Alte Försterei) untermauert werden sollen.

Fußball-Woche: Herr Samson, gibt es Sie nur im Doppelpack mit Steve Breitkreuz?


Louis Samson: „Das haben Steve und ich uns auch schon gefragt. Es ist nicht so, dass wir das planen, aber der Zufall wollte es, dass wir wieder bei dem gleichen Verein gelandet sind. Und schlimm ist es auch nicht, mit Steve komme ich bekanntermaßen gut klar, es ist auch von Vorteil, wenn da jemand ist, den man schon kennt.“

Auf dem Platz harmonieren Sie ebenfalls, in Aue haben Sie beide die Innenverteidigung gebildet. Wie sieht die Rollenverteilung in Braunschweig aus?

Samson: „Momentan bin ich eine Position weiter vorne, im defensiven Mittelfeld. Steve spielt weiter Innenverteidigung, unser Kontakt auf dem Spielfeld ist also nach wie vor eng.“

Was geht mit der Eintracht in dieser Saison?

Samson: „Wir wollen versuchen, viele Punkte zu sammeln und oben mitzuspielen. Dann schauen wir, was hinten raus möglich ist.“

Nach dem Zweitliga-Aufstieg mit Aue sah es zunächst nicht so gut aus, am Ende der Hinrunde 2016/17 stand die Mannschaft mit 13 Punkten auf Rang 17. Dann löste Domenico Tedesco Pavel Dotchev als Trainer ab, plötzlich lief es rund. Was ist da passiert?

Samson: „Wir wussten alle, dass es so nicht weitergehen konnte. Tedesco hat alles umgekrempelt, hat ein neues System spielen lassen und das hat funktioniert. Es hätte genauso gut nach hinten losgehen können, aber wir waren alle bereit und willig, seinen Weg mitzugehen. Der Trainer hat einfach sein Ding durchgezogen.“

Lässt sich genauer in Worte fassen, wie er „sein Ding“ durchgezogen hat?

Samson: „Wir haben im 3-4-3 gespielt, das hatten wir unter Pavel Dotchev nie gemacht. Dazu kamen gewisse Abläufe: Es gab jede Woche viele Videoanalysen, wirklich sehr viele. Erst die Nachbereitung, dann die Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Als nächstes hat er sich die einzelnen Spielabschnitte vorgenommen, also Mittelfeld, Stürmer, Verteidigung, es wurde wirklich alles bis ins kleinste Detail analysiert. Man darf auch nicht vergessen, Aue war Tedescos erste Profistation. Sein Engagement, der frische Wind als junger Trainer, das ganze Paket hat einfach gestimmt.“

Jetzt ist Domenico Tedesco Bundesliga-Trainer bei Schalke 04, kein leichter Job. Trauen Sie ihm zu, dass er das packt?

Samson: „Wer gesehen hat, was er in Aue für einen Wandel bewirkt hat, in den wenigen Wochen und Monaten, die ihm zur Verfügung standen, der kann sich gut vorstellen, was ihm alles zuzutrauen ist. Meines Erachtens steckt in ihm einiges an Potenzial, das wird er auch bei Schalke zeigen.“

Union hat sich in den letzten Jahren ebenfalls kontinuierlich in Richtung Bundesliga bewegt. Wie schätzen Sie die Chancen der Köpenicker ein?

Samson: „Letztes Jahr waren sie sehr stark, diesmal sind sie zumindest ordentlich gestartet. Vom Potenzial her ist ihnen einiges zuzutrauen, aber so früh lässt sich das in der 2. Liga nur schwer einschätzen.“

Wie gut kennen Sie den Klub als langjähriger Herthaner?

Samson: „In der Jugend hat man ja regelmäßig gegeneinander gespielt, den einen oder anderen kannte man da schon. Inzwischen kenne ich kaum noch jemanden bei Union.“ 

Käme für Sie ein Wechsel an die Alte Försterei infrage?

Samson: „Es ist jedenfalls nicht so, dass ich eine Abneigung gegen Union habe, nur weil ich mal bei Hertha war. Ich habe für beide Vereine gewisse Sympathien, einfach, weil sie zu meiner Heimatstadt gehören. So lange ich nicht selbst gegen sie spiele, drücke ich beiden Klubs hin und wieder auch die Daumen.“

Im Sommer soll der 1. FC Union Interesse an Ihnen und Steve Breitkreuz gezeigt haben. Wie konkret war das?

Samson: „Jedenfalls nicht so konkret, dass es an mich herangetragen wurde.“

Interessiert Sie noch der Werdegang Ihrer Vereine aus der Jugend, als da wären SCC, BFC Preussen oder TeBe?

Samson: „Ich kenne noch viele Fußballer von damals, die jetzt in den Berliner Ligen spielen. Wenn ich mal ein paar freie Tage habe, findet man mich auch auf Berliner Fußballplätzen.“

Welchem Ihrer Ex-Vereine haben Sie am meisten zu verdanken?

Samson: „Auf jeden Fall dem SCC, das war mein erster Verein.“

Und wo hatten Sie am meisten Spaß?

Samson: „(Überlegt) Bei TeBe war ich zwar nur ein Jahr, aber da haben wir damals mit dem Aufstieg viel erreicht, das war schon gut. Spaß hatte ich im Grunde genommen überall, sonst hätte ich mit dem Fußball auch aufgehört. Wenn man in der Jugend keinen Spaß am Fußball hat, dann läuft irgendwas falsch.“

Interview: Alex Heinen

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