15.08.2017

Hertha BSC und die internationalen Wettbewerbe

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Trotz der Rivalitäten mit anderen Berliner Klubs wie Union oder dem BFC Dynamo muss man ganz klar anerkennen: Hertha ist im Berliner Raum mit Abstand der erfolgreichste Klub. Nichtsdestotrotz hat er in seiner Geschichte zahlreiche Höhen und Tiefen auch in den internationalen Wettbewerben erlebt. Die Geschichte dieser Höhen und Tiefen und die gegenwärtigen Chancen, sich in den Wettbewerben langfristig zu etablieren, sollen analysiert werden. 

Herthas letzte Saison

Auch wenn es im letzten Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen an allen Ecke und Enden haperte – bei einem Ergebnis von 2:6 auch in Zahlen gut ablesbar – hat der Verein dennoch seine Saisonziele erreicht. 30 Punkte in der Hinrunde, magere 19 in der Rückrunde hat die Hertha in dieser Saison geholt. Insgesamt also kein schlechtes Ergebnis, aber der Leistungsverfall in der Hinrunde ist beinahe schon ein Hertha-Klassiker.

 
Inklusive der Niederlage gegen Bayer 04 hat es für Hertha in der Rückrunde ganze zehn Schlappen gehagelt. Trotzdem: Das erste Mal seit immerhin acht Jahren hat Hertha die direkte Qualifikation für die Europa League geschafft und am Ende der Saison den sechsten Tabellenplatz erreicht. 

Endlich wieder Europa

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Die nächste Saison wird indes spannend, denn, wie der Artikel später zeigen wird, waren die Leistungen der Herthaner in den internationalen Wettbewerben durchaus stark unterschiedlich. Nichtsdestotrotz darf man optimistisch sein, denn das letzte Mal, dass Hertha eine so hohe Platzierung in der Bundesliga erreichte, war 2009 unter Lucien Favre, dessen Erfolgen viele Fans noch lange hinterher trauerten.


Seit Pal Dardai Cheftrainer wurde, ist nicht nur ein überzeugter Herthaner in der Verantwortung, dessen drei Söhne bei der Vereinsjugend spielen, er hat mit seiner schon als Spieler erkennbaren Kampfkraft auch dafür gesorgt, dass die Defensive der Hertha stabiler steht, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Durch seine bescheidene, bodenständige und ehrliche Art abseits der mittlerweile gängien Standard-Antworten in Interviews hat sich der gebürtige Ungar zudem große Sympathie bei den Berlinern erspielt. 

Trotz der Qualifikation für die Europa League wird Dardai schon allein durch seinen Charakter begründet ganz klar der Liga vor dem europäischen Wettbewerb absolute Priorität einräumen – er ist lange genug im Klub, um zu wissen, dass die kräfteraubende Doppelbelastung Hertha nicht immer gut getan hat. 
Ob Geld indes Tore schießt, wird sich mit der Verpflichtung von Davie Selke, dem vielversprechenden U-21-Nationalspieler, noch zeigen. Schlägt seine Verpflichtung ein, kann er Vedad Ibisevic und Salomon Kalou assistieren, die die Torausbeute der Blau-Weißen doch nach wie vor immer noch fast im Alleingang besorgen. 
Zusätzlich hat sich Hertha noch mit dem Niederländer Karim Rekik, der bereits für Manchester City und Olympique Marseille sowie den PSV Eindhoven auf dem Feld stand, verstärkt. Der Innenverteidiger soll weiterhin für Stabilität sorgen.
Der Flügelspieler Valentino Lazaro, der das lahmende Mittelfeld des Hauptstadtvereins kreativer machen soll, ist bereits österreichischer Nationalspieler und kommt von Red Bull Salzburg.

Die Fähigkeit, auch teurere Transfers zu stemmen, hat sich Hertha erst neu erworben, und zwar seit 2014. Man ließ den Finanzinvestor KKR beim Verein einsteigen. Vielen Fans mutete dieser Schritt sehr merkwürdig an, da derartige Unternehmen sich selten finanzstark bei Clubs beteiligen. Zudem hatten sie die immense Angst, dass der Investor ein umfangreiches Mitspracherecht bekäme und, ähnlich wie in München mit 1860 geschehen, immensen Schaden verursachen könnte. Bislang ist allerdings noch nichts dergleichen geschehen, stattdessen konnte der Verein sich auf diese Weise von seinen doch drückenden Verbindlichkeiten etwas freischwimmen. 

Zusätzlich Geld in die Kassen gespült hat wohl der Transfer von Jon Anthony Brooks zum VfL Wolfsburg, der den Wölfen ganze 20 Millionen Euro wert war.
Weniger erfreulich ist die Entwicklung des Youngsters Sinan Kurt, der sich mit Coach Dardai mittlerweile scheinbar völlig entzweit hat und dem der Verein trotz eines bis 2019 laufenden Vertrags bereits jetzt den Wechsel nahe legt.
Die gerade gefeierten 125 Jahre Vereinsbestehen wären indes ein schöner Anlass, um den Kurs Richtung Zukunft zu setzen, ganz passend zum neuen Slogan „Die Zukunft gehört Berlin“, der auf den unbeliebten „We try. We fail. We win“ folgte. Ob die Zukunft fußballerisch der Hertha gehört und die Zeit des Versagens tatsächlich vorbei ist, wird sich erst zeigen müssen.

Die Doppelbelastung mit insgesamt 26 Pflichtspielen bis Weihnachten bietet für Hertha auch neben den kurzen Ruhephasen neue Herausforderungen. Denn die klassischen, kleineren Abstiegskandidaten wie Ingolstadt, Braunschweig oder Darmstadt fehlen, und hinter den Neuaufsteigern wie Hannover 96 und Stuttgart stehen mehr Erwartungen, Geld und Bundesliga-Erfahrung als hinter diesen „kleineren“ Klubs.
Insgesamt also fällt eine Prognose schwer – entsprechend bedeckt halten sich die Verantwortlichen, auch von Michael Preetz sind kaum klare Saisonziele zu bekommen. Kein Wunder, denn die Erwartungen der Fans gehen bei Erfolgen schnell durch die Decke – obwohl der Club noch nicht allzu lange wieder erstklassig ist.
Verschiedene Szenarien erscheinen jedenfalls möglich: Sollte Hertha traditionell in der Rückrunde schwächeln, wäre ein weiterer Verbleib im europäischen Wettbewerb sogar eher nachteilig. Bleibt die Mannschaft hingegen stabil und die Verletzungsprobleme halten sich in Grenzen, ist grundsätzlich ein Weiterkommen denkbar. Die Voraussetzung, um auf diesem Niveau dann bestehen zu können, ist ganz klar eine Niveausteigerung – die Klatsche gegen Leverkusen hat gezeigt, dass den Herthanern die Schnelligkeit und die Dynamik für dieses Level noch abgeht. 

Herthas Geschichte in den internationalen Wettbewerben

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Zu den größten Erfolgen der Hertha-Historie gehört sicherlich das Erreichen des Halbfinales im UEFA-Pokal – also dem Vorläufer der Europa League, in der sie in der Spielzeit 2017/18 wieder antreten darf. Leider war Hertha gegen Roter Stern Belgrad kein Glück beschieden. Durch die Auswärtstorregelung sorgte nach einem 0:1 im Hinspiel das 2:1 im Rückspiel für das Ausscheiden der Alten Dame. Der sportliche Niedergang des Vereins, der die 1980er-Jahre überdauerte, endete erst in den 1990ern, als 1997 der Aufstieg gelang.


Anschließend sollten die Fans nicht allzu lange warten müssen, bis die Blau-Weißen endlich wieder international antreten durften. Die Anfang der Neunziger stattfindende Entwicklung vom Europapokal der Landesmeister zur Champions League hatten die Herthaner wegen ihrer mangelnden Erstklassigkeit aus der Ferne verfolgen müssen. Doch in der Saison 1999/2000 sorgte Hertha für ein echtes Ausrufezeichen, als sie in zwei Heimspielen sowohl den FC Chelsea (2:1) als auch den AC Mailand (1:0) schlug. Gegen den FC Barcelona war immerhin ein Unentschieden drin (1:1), die Gruppenhase überstand Hertha trotz dieser mit Blick auf die kurze Distanz zwischen dem Aufstieg und den Achtungserfolgen aber nicht.
In den folgenden Jahren kam es immer wieder dazu, dass Hertha vorne um die internationalen Plätze mitspielte – in der Saison 2003/2004 konnte Hertha wieder im UEFA-Cup auflaufen, unterlag aber schon in der ersten Runde Dyskobolia Grodzisk mit 0:1 im Rückspiel und schied somit aus. In der laufenden Saison wurde zudem knapp die Qualifikation für die Champions League verpasst.
Zwei Jahre später schaffte der Club es in das Sechzehntelfinale, schied aber gegen Rapid Bukarest mit 0:1 und 0:2 aus.
2006/2007 sollte dann über den UI-Cup noch einmal die Qualifikation für den UEFA-Pokal gelingen. Allerdings war auch hier der Ausflug auf die europäische Bühne schnell vorbei – in der ersten Runde war nach einer Niederlage gegen Odense BK allerdings schon wieder Endstation. In der folgenden Saison gelang es dem Club dann erneut, sich indirekt zu qualifizieren, und zwar dieses Mal über die Fairplay-Wertung.
2008/2009 gelang dann der höchste Sieg für die Herthaner in einem Europapokal-Wettbewerb bisher: 8:1 gegen Nistru Otaci aus Moldawien. Viel bringen sollte das allerdings nicht, Hertha scheiterte bereits in der Gruppenphase.
Dann sollte erst einmal Schluss sein mit dem internationalen Wettbewerb, es folgten Jahre der Krise, wechselnder Trainer, Zweitligaaufenthalte und des endlichen Wiederaufstiegs. 

Fazit

Herthas Geschichte im internationalen Wettbewerb ist also durchaus bewegt, jedoch von Misserfolgen geprägt. Womöglich schafft es der Klub aber in den nächsten Spielzeiten, sich oben zu etablieren und vielleicht sogar einmal wieder in der Champions League mitzuspielen? Langweilig wird es mit Hertha jedenfalls nie. 

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