23.07.2017

Forever young am Poloplatz

Rasselbande des Frohnauer SC rockt die Liga – Platz eins seit November – Saison zu 99 Prozent perfekt gelaufen

Foto: Verein

E rfolg in jungen Jahren: Das ist es, wonach jeder ambitionierte Sportler strebt. Bei Borussia Mönchengladbach haben sie 1965 sogar ihren Spitznamen aus der Kombination der beiden Eigenschaften heraus etabliert: „Fohlen­elf“ wird die Mannschaft vom Niederrhein bis heute genannt, weil das Team um Günther Netzer, Berti Vogts und Co. seinerzeit mit einem Altersdurchschnitt von nur 21,5 Jahren unbekümmert zum Bundesliga-Aufstieg galoppierte.

Kaum zu zähmen wie Jungpferde auf einer großen Weide. In Frohnau ließ man die Fohlen 2016/17 aus dem Stall: „Den ganz genauen Altersschnitt kann ich bei uns gar nicht sagen. Er wird aber wohl im vorderen 20er-Bereich liegen“, sagt Olaf Jahn, Trainer einer Frohnauer Meister-Mannschaft, deren Hauptakteure zum großen Teil im Casino noch nicht an den Pokertisch dürfen. Oder eben gerade einmal so. „Wir haben aktuell keinen Spieler jenseits der 30. Mit 25 gehört man hier schon zu den Älteren.“ 


Jahn, vor der letzten Saison noch höchstpersönlich für die A-Jugend beim Frohnauer SC verantwortlich, nahm acht Talente mit hoch in den Männerbereich und formte in Zusammenarbeit mit Co-Trainer Manuel Lenz und dem Sportlichen Leiter Michael Guddat ein, gemessen an Alter und Spielklasse, schon beinahe unverschämt souverän agierendes Team. Seit dem 20. November, nach einem 2:1-Sieg über den BFC Tur Abdin, gab Frohau die Tabellenführung nicht mehr ab, verlor insgesamt nur dreimal und schoss sich um ein Haar in die Dreistelligkeit. „Zur Vorbereitung kamen drei Gruppen zusammen, um eine Mannschaft zu werden. Die A-Jugendlichen und ich, neun Neuzugänge von außerhalb und ein paar verbliebene Spieler der letztjährigen Mannschaft“, beschreibt Jahn die Ausgangslage vor Beginn der Saison. 

Charakterlich war man schnell auf einer Wellenlänge: „Viele Frohnauer Jungs kennen sich von Kindesbeinen an, sind gut befreundet und haben auch außerhalb des Platzes Spaß miteinander“, erklärt der Übungsleiter, der die Frohnauer Männermannschaft bis 2012 schon einmal coachte. Mit den drei Neuzugängen Dustin Gundlach, Timo Badtke und Florian Venz , die allesamt vom Bezirksrivalen Füchse Berlin zur Rasselbande an den Poloplatz stießen, hatten die jungen Spieler schnell einen Orientierungspunkt gefunden: „Gerade in der Anfangsphase der Saison war es enorm wichtig, diese Achse im Team zu haben“, erinnert sich Jahn. „Die ersten Spiele waren die schwersten, der 5:1-Sieg bei Buchholz am dritten Spieltag bereits ein Schlüsselspiel für uns. Zu diesem Zeitpunkt brauchten wir ihre Erfahrung auf dem Platz am dringendsten.“ 

Über den grünen Klee hinweg loben will Jahn trotzdem keinen Einzelnen: „Ich habe keinen Spieler der Saison – ich habe eine Mannschaft der Saison“. Logisch, dass der Konkurrenzkampf bei solch einer Ansage ganz schön groß gewesen sein muss. Jeder zog mit, jeder wollte in die erste Elf. „Viel basteln musste ich eigentlich nie. Das hat die Situation natürlich einfacher gemacht“, erläutert Jahn. Spätestens nach dem 1:0-Sieg im Pokal bei Stern 1900 Anfang Oktober wusste die Konkurrenz, welche Lawine da aus dem Norden auf sie zurollt. Für den Trainer ein sportliches Highlight, da Stern zu diesem Zeitpunkt gar von der Spitze der Berlin-Liga grüßte: „Danach war der Glaube geweckt, wirklich aufsteigen zu können.“

Gegen das offensive 3-5-2-System wussten sich die Kontrahenten in der Bezirksliga oftmals nur noch mit Mauerfußball zu helfen. „Speziell zum Ende hin hat es nicht mehr ganz so viel Spaß gemacht, weil viele Teams gegen uns nur noch die Null halten wollten“, sagt Jahn. Im Spiel zum vorzeitigen Aufstieg rappelte es dann aber doch noch einmal im Karton: Nach dem 6:0-Sieg bei Tur Abdin wurde das Ticket für die Landesliga endgültig gelöst. Somit das zweite Mal, dass die Weddinger für Frohnau zum Glücksbringer wurden – wohl der Lieblingsgegner der Saison. Angstgegner war dagegen Berolina Mitte: Gegen den Mitaufsteiger zeigte sich zweimal, wo die jugendliche Leichtigkeit noch an ihre Grenzen stößt. Frohnau verlor beide Partien, fand gegen die abgeklärte Defensive kein Rezept. „Daran müssen wir in der Landesliga arbeiten. Wir brauchen mehr Ruhe, wenn wir wieder in solche Situation kommen“, weiß der Trainer. Richtungsweisend war übrigens auch die abgelaufene Saison der tatsächlichen Frohnauer A-Jugend: Um magere drei Pünktchen wurde die Berliner Meisterschaft nur denkbar knapp verpasst. Nein, beim Frohnauer SC haben sie schon lange kein Nachwuchsproblem mehr.

Die 99 Tore für den Frohnauer SC erzielten

Gundlach (24), Popescu (13), Venz (10), Domke (8), Schöning (8), Lemgau (8), Kunzel (5), Köster (5), Winkelmann (5), Badtke (3), Senyüz (3), Renke (3), Moser, Scholau, Metzlaff, Bunzel. 

Von Julian Städing

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