09.07.2017

Favorit erfüllt die Erwartungen

Zum 125. Vereinsgeburtstag schenkt sich der traditionsreiche BSV 92 den Aufstieg in die Bezirksliga

Foto: Verein

Bereits am 26. Spieltag wurde ausgiebig gefeiert: Der Berliner SV 92 stand frühzeitig als Aufsteiger in die Bezirksliga fest. Mit nur drei Niederlagen setzten sich die Schmargendorfer in der 2. Abteilung der Kreisliga A durch. Trainer Marco Hechtfisch, sein langjähriger Co-Trainer Axel Budtke und der erfahrene Torwarttrainer Michael Köhn hatten die Lehren aus der Vorsaison gezogen, als am Ende zwei Punkte zum Aufstieg fehlten. Hechtfisch: „Wir hatten vor allem massive Probleme gegen körperbetonte Mannschaften. Daran haben wir erfolgreich gearbeitet.“ Zudem war das Team im Vorjahr erst neu zusammengestellt worden, so dass man diesmal auf eine gefestigte Einheit bauen konnte.

Mit der Favoritenbürde ausgestattet, schlug sich die junge Mannschaft in der abgelaufenen Spielzeit außerordentlich souverän. Zu Hause verlor der BSV 92 nur das letzte Spiel (0:2 gegen Türkiyemspor II). Zuvor waren die aufgrund
ihrer Spielkleidung auch „Störche“ genannten Schmargendorfer seit dem 18. September ohne Niederlage. Allerdings: Zum Saison start stotterte der Motor. Nach dem 5:2-Auftaktsieg gegen die Berliner Amateure folgten ein 0:0 gegen Schmöckwitz-Eichwalde und die beiden Niederlagen beim TuS Makkabi (1:4) und beim BFC Preussen II (2:4). Zwischendurch schieden die Weiß-Schwarzen im Berliner Pilsner-Pokal nach guter Leistung gegen Berlin-Ligist Croatia aus (0:3).


Am 4. Spieltag stand die Mannschaft mit vier Punkten nur auf dem 12. Platz, als erneut wichtige Weichen gestellt wurden. „Wir haben ausschließlich auf Angriffspressing gespielt. Aber nicht jeder Angriff muss gleich nach vorne gehen. Daher haben wir variablere Spieltaktiken einstudiert, um auch den einen oder anderen Gegner zu locken“, verrät Trainer Hechtfisch.

Der Kurswechsel erfolgte beim Sieg gegen Borussia Pankow. Dabei erzielte Neuzugang Stanislaw Shapiro (kam vom Landesligisten Berliner SC II) das entscheidende 2:1 in der Nachspielzeit. Leider konnte der technisch starke Spieler seine Tempodedefizite auch im Training mit Laufcoach Budtke nicht kompensieren. Dazu kamen Verletzungen, so dass Shapiro in der Rückrunde keine Rolle mehr spielte. Für sein Team ging es jedoch weiter aufwärts. Die Tabellenspitze wurde erstmals am 15. März mit dem 3:1-Sieg im Nachholspiel gegen TuS Makkabi II erobert, um sie nach dem 1:1 gegen den BFC Preussen II am 20. März wieder abzugeben. Doch mit dem 2:1-Sieg bei Borussia Pankow am 20. Spieltag eroberte der BSV 92 die Pole Position zurück – und gab sie nicht mehr ab.

Mit Sebastian Sobczyk (26 Treffer) stellt der BSV 92 auch den besten Torjäger der 2. Abteilung. Er bildete mit El-Amin Elsaadawi (16), Philipp Liss (11) und dem 21-jährigen laufstarken Rechtsaußen Karl Anker (11) ein gefährliches Quartett. Eine tolle Entwicklung legte Jakob Vehn hin; er absolvierte mit 29 Einsätzen die meisten Spiele. Bis vor vier Jahren als Torwart im Einsatz, ist er als Mittelfeldmotor „am Ball sehr stark und für die Spielklasse überragend“, lobt sein Trainer.

Goalgetter Sobczyk glänzte aber nicht nur im Abschluss – ihm gelangen auch die meisten Vorlagen. Liss glänzte ebenfalls beim Auflegen, traf aber vor allem vom Strafstoßpunkt. Ein Glücksfall für den BSV war die Rückkehr von El-Amin Elsaadawi. Er hatte in den vergangenen Jahren bei diversen Vereinen gespielt, zuletzt bei Westend 01. Bei Berlin-Ligist Hürtürkel setzte er sich nicht durch, spielte daher von Dezember an beim BSV 92. Trainer Hechtfisch ist von ihm begeistert: „Er ist ein Kraftpaket mit einer Top-Einstellung.“ In der Rückrunde traf er in fast jedem Spiel. Und der 20-jährige Lennard Schleifenbaum konnte den in der Rückrunde verletzungsbedingt ausgefallenen ehemaligen Jugendbundesligaspieler Marcello Berlingheri gleichwertig ersetzen.

In der Defensive rief Stefano Tedesco sein ganzes Potenzial ab. Der körperlich große Innenverteidiger schaffte in kürzester Zeit den Sprung aus der A-Jugend in die Stammelf. Schon jetzt kocht er erfahrene Angreifer in den Zweikämpfen eiskalt ab, besitzt außerdem ein starkes Kopfball- und Stellungsspiel. Hinter ihm zeigte Sascha Gernhardt im Tor eine starke Leistung. Er war kurzfristig eingesprungen, als Stammkeeper Clemens Burghardt eine Auszeit benötigte. Es war Gernhardts letzte Saison zwischen den Pfosten. Er beendete seine Karriere. Das Trainerteam wird auch in der neuen Saison die Mannschaft trainieren. Trainer Hechtfisch will dazu „erst einmal in der neuen Klasse ankommen“ und möglichst früh den Klassenerhalt sichern. Davor feiert der Mehrspartenverein am kommenden Sonntag im Stadion Wilmersdorf mit einem großen Sportund Grillfest seinen 125. Geburtstag. Die Aufstiegself wird im Rahmen der Veranstaltung gegen Hertha BSC III, dem anderen 125-jährigen der Stadt, antreten. Nicht ganz so alt, aber sicherlich in dem Zusammenhang noch zu erwähnen ist BSV-Betreuer und Urgestein Peter „Pitti“ Kunz. Er ist seit langen Jahren die gute Seele der 1. Mannschaft. Das wird auch in der Bezirksliga so bleiben.

Die 94 Tore für den Berliner SV 92 erzielten:

Sobczyk (26), Elsaadawi (16), Anker (11), Liss (11), Wolff (7), Paschke (4), Mazana (4), Tedesco (3), Schleifenbaum (3), Vehn (2), Koch (2), Shapiro (2), Berlinghieri, Schnack und Ünsal (je 1).

Von Kilian Daske

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken