06.04.2018

„Es war noch nie so schwer, die Liga zu halten“

Interview mit Moritz Stoppelkamp (MSV Duisburg)

Torgefährlicher Mittelfeldspieler: Moritz Stoppelkamp vom MSV Duisburg (links), hier im Zweikampf mit Unions Steven Skrzybski. Foto: JouLux

Als 16-Jähriger verließ Moritz Stoppelkamp (31) seinen Heimatklub, als gestandener Profi kehrte der Offensivallrounder im reifen Alter von 30 Jahren zurück zu seinen Wurzeln beim Meidericher Spielverein 02 e. V. Duisburg. Seine Lehr- und Wanderjahre hatten den gebürtigen Duisburger zwischenzeitlich in sämtliche Himmelsrichtungen geführt, mit der Erfahrung von 71 Bundesligaspielen (Hannover 96 und SC Paderborn) sowie mehr als 150 Zweitligaspielen (Rot-Weiß Oberhausen, 1860 München, Paderborn und Karlsruher SC) im Gepäck, verstärkt der 1,80 Meter große Rechtsfuß seit Juli 2017 den Zweitliga-Aufsteiger und einstigen Bundesligisten vom Niederrhein. Vor dem Gastspiel der Zebras beim 1. FC Union (Sonnabend, 13 Uhr, Alte Försterei) sprach die FuWo mit Stoppelkamp über seine Liebe zum MSV, einen Rekord für die Ewigkeit und die Situation in der engsten 2. Liga aller Zeiten.

Fußball-Woche: Herr Stoppelkamp, wie fühlt es sich an, wenn man nach 14 Jahren zu seinem Jugendverein zurückkehrt?

Moritz Stoppelkamp: „Als ob man nach Hause kommt. Einerseits findet man sein gewohntes Umfeld vor, trotzdem ist es auch eine Art Neuanfang, weil man davor so lange in Deutschland unterwegs war. Ich wollte immer zurück, jetzt schließt sich der Kreis.“

Demnach hatten Sie schon länger den Plan, nach Duisburg zurückzukehren?

Stoppelkamp: „Natürlich, es hatte sich nur leider in den letzten Jahren nicht ergeben. Umso glücklicher bin ich, dass es letzten Sommer geklappt hat.“

Dann sind Sie wahrscheinlich seit früher Jugend ein Fan des MSV?

Stoppelkamp: „Na klar, ich war sogar Balljunge. Mein Vater hat mich oft mit ins Stadion genommen. Mein Highlight war das Pokalendspiel des MSV in Berlin gegen Bayern (6. Mai 1998, Endstand 2:1 für Bayern München; die Red.), da war ich live dabei. Am besten fand ich immer Bachirou Salou (1995 bis 1998 beim MSV; die Red.), ein Superstürmer.“

Vor Ihrer Rückkehr nach Duisburg konnten Sie bei etlichen Klubs Erfahrungen sammeln. Was ist Ihnen bei den verschiedenen Stationen besonders in Erinnerung geblieben?


Stoppelkamp: „Bei Rot-Weiß Oberhausen habe ich meine ersten Spiele in der 2. Liga gemacht. Dort habe ich noch immer viele Freunde, mit denen ich in Kontakt stehe. Das war eine super Zeit, dort habe ich gelernt, dass man durch eine gute Kameradschaft viel wettmachen kann. In Hannover hatte ich mein Bundesliga-Debüt und durfte ein bisschen in die Europa League reinschnuppern. Bei 1860 München war es wichtig, wieder Spielpraxis zu sammeln, dort habe ich dann fast zwei Jahre konstant auf einem guten Level durchgespielt. Beim SC Paderborn bleibt natürlich mein Tor aus 83 Metern in Erinnerung. Karlsruhe war leider nicht so erfolgreich, aber trotz allem lehrreich. Jetzt heißt es beim MSV für mich: back to the roots!“

Berühmt wurden Sie in der Tat durch Ihr 83-Meter-Tor beim ersten Bundesliga-Heimsieg des SC Paderborn am vierten Spieltag der Saison 2014/15. Sogar eine Straße wurde deswegen nach Ihnen benannt.

Stoppelkamp: „Genau genommen ist es eine Allee, exakt 83 Meter lang. Aber ehrlich gesagt, dass da gleich eine Straße nach mir benannt wurde, fand ich zu viel des Guten. Das war erst mein viertes Spiel für Paderborn, viele meiner Mitspieler hatten den Durchmarsch von der 3. Liga bis in die Bundesliga mitgemacht. Dann komme ich, schieße das Tor und schon wird eine Straße nach mir benannt. Das war mir ein bisschen unangenehm, aber gut, was soll man da machen.“

Zurück in die Gegenwart: Selten war die 2. Liga so eng wie in diesem Jahr, selbst ein einstelliger Tabellenplatz hinter der Spitzengruppe kann trügerisch sein. Wie groß ist die Abstiegsgefahr für den MSV?


Stoppelkamp: „Die Situation ist gefährlich. Vor ein paar Wochen galten wir noch als Anwärter für den Aufstieg. Dann haben wir einige Spiele verloren und waren trotz Platz sieben plötzlich wieder mittendrin. Uns war immer bewusst, es geht nur um den Klassenerhalt, darauf müssen wir uns konzentrieren. In der Vergangenheit haben Mannschaften mit 33 Punkten die Klasse gehalten, diesmal steht man mit der gleichen Punktzahl sieben Spieltage vor Saison­ende auf dem Relegationsplatz. Das habe ich so noch nicht erlebt.“

Sie sind jetzt 31 Jahre, wird Duisburg Ihre letzte Station?

Stoppelkamp: „Ich hoffe, wobei ich sicher noch einige Jahre spielen kann. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn ich meine Karriere hier erst in fünf, sechs Jahren beenden könnte.“

Ein Abstecher in die Bundesliga wäre vermutlich nicht schlecht?

Stoppelkamp: „Das wäre nochmal ein schöner Abschluss, aber wie gesagt, wir wollen erstmal die Klasse halten. Und noch ist das Ziel nicht erreicht, es war noch nie so schwer, die Liga zu halten.“

Beim 1. FC Union hat man die Aufstiegs­ambitionen ebenfalls abgehakt und den Abstiegskampf ausgerufen.

Stoppelkamp: „Auch für mich war Union vor der Saison einer der Top-Favoriten. Das ist ein toller Verein, als Spieler kommt man immer wieder gerne dorthin, super Stimmung, super Atmosphäre. Die Mannschaft hat, wie ich finde, mit die beste Qualität in der Liga, nur haben sie das nicht so abrufen können. Ich traue ihnen trotz allem noch die Aufstiegsrelegation zu. Dazu bräuchten sie eine Serie, aber bitte erst, nachdem wir dort gespielt haben.“

Interview: Alex Heinen

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