19.01.2018

„Es hat riesig Spaß gemacht“

Interview mit Omid Saberdest (Berliner SC)

Trumpfte beim Berlin-Liga-Hallenturnier auf, sicherte sich die Torjägerkanone, verlor aber mit dem Berliner SC das Finale ganz knapp: Omid Saberdest. Foto: JouLux

Zum großen Pokal hat es beim Hallenturnier der Berlin-Liga nicht gereicht. Der Berliner SC verlor im Finale 3:4 im Neunmeterschießen gegen Blau-Weiß 90. Zuvor hatte es 5:5 gestanden. Aber eine kleine Trophäe ging doch an den Berliner SC, genauer gesagt an Omid Saberdest. Der 25-Jährige, der in der Jugend bei Hertha BSC war und später unter anderem für Hertha und den Berliner AK in der Regionalliga spielte, war mit insgesamt neun Treffern bester Torschütze. Im Interview spricht Saberdest über eine Rote Karte, die Chancen in der Rückrunde und die Attraktivität der Berlin-Liga.

FuWo: Herr Saberdest, in der Endrunde war der BSC lange ohne Gegentor. Dann musste Torwart Mateusz Mika wegen eines Handspiels außerhalb des Torraums mit Rot runter. Wie haben Sie es gesehen?

Omid Saberdest: „Erst dachte ich, das kann so nicht stimmen. Aber der Schiedsrichter hatte recht. Damit war vielleicht ein gewisser Reiz aus dem Turnier. Nicht nur für uns, auch für die Zuschauer, weil wir keinen zweiten Torwart dabei hatten.“

Trotzdem ist der Berliner SC ins Endspiel eingezogen.


Saberdest: „Das war überragend. Von jedem einzelnen von uns. So wie das gesamte Turnier.“

Hätte Ihr Team mit Mateusz Mika gewonnen?

Saberdest: „Da hätten wir definitiv noch bessere Chancen gehabt.“

Es war so schon sehr knapp.

Saberdest: „Das stimmt. Aber Blau-Weiß hat im Endspiel manchmal von der Mittellinie geschossen und der Ball war drin. Das soll überhaupt kein Vorwurf an unseren Mann im Tor sein …“

…Feldspieler Emre Önal.

Saberdest: „Er hat einen Schuss im Entscheidungsschießen gehalten und davor ein paar schöne Dinger rausgeholt. Im Gruppenspiel haben wir gegen Blau-Weiß noch 3:0 gewonnen. Aber die haben sich sehr gesteigert. Alles in allem hat es riesig Spaß gemacht.“

Sie haben Ihren Neunmeter verwandelt. Als letzter Schütze des BSC. War das vorher so abgesprochen?


Saberdest: „Wir hatten keine richtige Reihenfolge. Jeder ist mal hin. Nachdem unsere ersten beiden Schüsse nicht reingingen, hatten wir ohnehin nur noch wenig Hoffnung.“

Für Sie gab es die Torjägerkanone. Haben Sie damit gerechnet, dass es so gut läuft?

Saberdest: „Überhaupt nicht. Natürlich hätte ich lieber das Turnier gewonnen, doch besonders meine Eltern werden sich freuen. Die Kanone bekommt einen schönen Platz bei den anderen Trophäen.“

Haben Sie schon so viele gewonnen?


Saberdest: „In der Jugend waren es einige.“

Auf dem Feld liegt der Berliner SC direkt hinter Spitzenreiter Blau Weiß 90. Was sind die Ziele für die Rückrunde?

Saberdest: „So weitermachen wie in der Hinrunde. Wir werden topfit sein. Dafür wird unser Trainer Wolfgang Sandhowe sorgen.“

Der Rückstand auf Blau-Weiß beträgt vier Punkte. Was geht da noch?

Saberdest: „Wir versuchen, Blau-Weiß zu kriegen. Wenn wir weiter so gut sind und sie straucheln, ist vielleicht etwas möglich. Aber es kann natürlich auch in die andere Richtung gehen. Der Aufstieg ist zu Saisonbeginn nicht unser Ziel gewesen. Blau-Weiß hat fleißig eingekauft und ganz andere Möglichkeiten.“

War der BSC bislang besser als Sie selbst gedacht hätten?

Saberdest: „Ich kannte die Berlin-Liga nicht. Es gibt auch andere starke Mannschaften, aber wir stehen vor denen. Und ich hatte damit gerechnet, dass wir oben mitspielen können.“

Sie sind in der Hinrunde oft nur eingewechselt worden und haben bislang fünf Tore erzielt.

Saberdest: „Wir haben unsere beiden Stürmer vorn, die ihre Tore machen. Zudem bin ich erst kurz vor Saisonbeginn dazugekommen. Wir haben viel gewonnen, warum sollte der Trainer da was ändern? Am Ende habe ich öfter außen gespielt und getroffen. Ich hoffe, dass ich in der Rückrunde oft zum Einsatz komme.“

Sie sind in Ihrer Laufbahn schon oft gewechselt. Bleiben Sie länger beim BSC?

Saberdest: „Ich fühle mich gut hier. Mit der Mannschaft und dem Vorstand passt es. Bei anderen Vereinen hatte ich schon nach kurzer Zeit ein anderes Gefühl. Ich kann mir gut vorstellen, länger zu bleiben. Insgesamt habe ich meine Ansprüche zurückgeschraubt.“

Inwiefern?

Saberdest: „Mein Hauptaugenmerk liegt nicht mehr auf dem Fußball. Ich studiere jetzt Informatik an der Uni Potsdam. In der Berlin-Liga wird weniger trainiert als in höheren Ligen. Ich kann abends entspannt zum Training gehen, Fußball spielen und habe genug Zeit zum Lernen.“

Sie haben schon in der Regionalliga gespielt. Träumen Sie noch vom ganz großen Fußball?


Saberdest: „Dieser Traum ist weitgehend ausgeträumt. Klar gibt es öfter mal solche Phänomene. Aber ich glaube nicht daran, dass jemand von einer unteren Liga plötzlich in die Erste Liga wechselt und da voll einschlägt.“

Sehen Sie Unterschiede zu Ihren früheren Ligen?

Saberdest: „Kaum. In der Oberliga hat man mehr Spiele außerhalb Berlins und dadurch mehr Aufwand. Ich finde die Berlin-Liga spielerisch sehr attraktiv. Diese Saison haben wir Blau-Weiß, die etwas über den anderen stehen. Ohne Blau-Weiß würden fünf bis sechs Vereine um Platz eins kämpfen. Es gibt wenige Ligen, die so spannend sind.“

Interview: Sebastian Schlichting

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