06.08.2017

„Es gibt leichtere Gegner, als es Hansa für Hertha ist“

Interview mit Marko Rehmer

Marko Rehmer an Sport1-Mikrofon. Foto: JouLux

Mit der 1. Runde im DFB-Pokal starten nun auch alle Bundesligisten in die neue Saison. Hertha BSC greift am Montag nächster Woche beim FC Hansa Rostock (20.45 Uhr, Ostseestadion) ins Geschehen ein. Marko Rehmer (45) kennt beide Mannschaften aus dem Effeff. Sein spektakulärstes Erlebnis im Pokal aber hatte der 35-malige Nationalspieler, der sich aktuell unter anderem bei der börsennotierten Firma Staramba, die in Reinickendorf Fußball-Weltstars und andere Sport-Asse als 3D-Figuren herstellt, einbringt, mit einem ganz anderen Verein.

Fußball-Woche: Woran denken Sie, Herr Rehmer, wenn es um Ihr schönstes Pokalerlebnis geht?


Marko Rehmer: „Ans Finale 2006 mit Eintracht Frankfurt, ganz klar, auch wenn wir gegen die Bayern 0:1 verloren haben. Aber in so ein Finale will jeder, und das von der 1. Runde an.“

Dabei kannten Sie das Stadion längst in- und auswendig nach zuvor sechs Jahren bei Hertha BSC.

Rehmer: „Das schon, aber das ist noch einmal ein Kick. Die Stimmung, die Atmosphäre – einfach großartig. Das kann man mit einem Punktspiel, auch wenn selbst da die Hütte voll ist, niemals vergleichen.“

Weil Sie mit Eintracht damals Außenseiter waren, gilt Ihre Sympathie als neutraler Zuschauer im Pokal auch eher den Kleinen?

Rehmer: „Ja, durchaus, man hofft als Kleiner immer ein bisschen auf die Überraschung. Davon lebt der Pokal ja auch. Dabei meine ich mit klein aber keinen Drittligisten, sondern einen, der mit dem Sprung in die nächste Runde seinen kompletten Jahresetat für die nächste Saison einspielt.“

Dann trifft das klein auf den FC Hansa am Montag nächster Woche gegen Hertha BSC aus Ihrer Sicht also gar nicht zu?

Rehmer: „Es gibt auf jeden Fall für viele Bundesligisten leichtere Gegner, als es Hansa für Hertha ist. Andererseits musste ich mit Hertha, na ja, die eine oder andere Erfahrung mit Drittligisten sammeln, die nicht so schön war. Also sollte man keinen, wirklich keinen Gegner unterschätzen.“

Zumal die Rostocker ganz anständig in ihre Saison gestartet sind und Hertha vielleicht noch den Rhythmus sucht.

Rehmer: „Ein guter Start ist erst mal wichtig. Deshalb sollte Hertha aufpassen, denn die Brust der Hanseaten könnte durchaus ziemlich breit sein. Auch haben sie mit Pavel Dotschev einen neuen Trainer, der sein Handwerk versteht. Aber da habe ich vollstes Vertrauen in Pal Dardai, Michael Preetz und ihre Mannschaft.“

Unter Dardai ging es zuletzt bergauf, nun spielt Hertha nach Jahren wieder in Europa. Was trauen Sie den Blau-Weißen zu?

Rehmer: „Einiges. Ganz oben sehe ich Hertha nicht, aber so wie in den beiden vergangenen Jahren schon. Was mir auffällt, ist die Ruhe, ist die Gelassenheit im Verein, was nachvollziehbar ist bei der guten Entwicklung. Mir gefällt auch, wie Pal Dardai die Sache anfasst.“

Viele warnen jedoch vor der Doppelbelastung. Ist sie tatsächlich so gefährlich?

Rehmer: „Mit Pokal ist es sogar eine Dreifachbelastung, die ist nicht ohne. Wichtig wäre es, dass die Leistungsträger verletzungsfrei bleiben. Wenn wie im Vorjahr ein, zwei, drei von ihnen ausfallen, wird es schwer, die Ziele zu erreichen. Aber ich denke, Hertha hat sich gut verstärkt, auch Ondrej Duda wird eine gute Rolle spielen. Nur fehlt mir nach dem Weggang von John Anthony Brooks in der Abwehr noch ein wenig die Harmonie. Aber auch da bin ich guter Dinge.“

Sie selbst erlebten im Herbst 2003 mit Hertha in Rostock einen regelrechten Pokalkrimi. Es ging um ein Ultimatum für Trainer Huub Stevens. Bis zur vorletzten Minute der Verlängerung führte Hansa 2:1, dann erzielte Nando Rafael den Ausgleich und im Elfmeterschießen siegte Hertha. Was war danach los in der Kabine?

Rehmer: „Was halt so los ist, gar nicht einmal so viel. Du gehst ja nicht mit einem Ultimatum im Kopf ins Spiel. Wir waren eine Runde weiter, mehr gibt es da nicht zu sagen. In diesem Fall ist Fußball, was er oft ist: ein Ergebnissport.“

Für Sie spielten beide Vereine eine wichtige Rolle. Bei Hansa wurden Sie Bundesliga- und Nationalspieler, bei Hertha gab es die Champions League und Sie wurden Vizeweltmeister. Für wen schlägt Ihr Herz denn mehr?

Rehmer: „Es stimmt, ich hatte bei beiden Vereinen eine wunderbare Zeit und beide waren wichtig für mich. Wäre ich mehr für den einen, würde das bedeuten, dass ich eher gegen den anderen bin. Das wäre nicht fair. Ich bemühe mich, in dieser Frage neutral zu bleiben. Wie heißt es doch so schön: Der Bessere soll gewinnen.“

Interview: Andreas Baingo

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