17.07.2016

Erfolgreiche Rentnerband

Die erfahrene Truppe von Hellas-Nordwest zeigt eindrucksvoll, dass sie es noch kann

Gemeinsam stark: Der Aufstieg der 1. Männer spiegelt die positive Entwicklung wider, die die Spielvereinigung Hellas-Nordwest aktuell erlebt. Nun soll in der Landesliga der Erfolgskurs fortgesetzt werden. Foto: Verein

Beste Hinrunden- und Rückrundenmannschaft, die meisten Tore, die wenigsten Gegentreffer – „besser geht‘s nicht“, sagt Gökhan Kinran. Der Teammanager der Spielvereinigung Hellas-Nordwest hat allen Grund, mit Stolz auf die vergangene Meistersaison zurückzuschauen. In der gesamten Spielzeit standen die Charlottenburger nie schlechter als auf Platz vier und ab dem 13. Spieltag gaben sie die Spitze nicht mehr ab. „Der Schlüssel war unsere Heimstärke“, analysiert Kinran, „da waren wir zwar schon immer gut, diese Saison aber besonders.“ In der Tat war die Mannschaft von Trainer Ke­nan Arayici das mit Abstand beste Heimteam und blieb am heimischen Heckerdamm ungeschlagen. 

Im vergangenen Sommer galt Hellas als Wundertüte. Nachdem das Team mit höherklassig bewährten Spielern wie Kemal Akar und Irfan Yetim verstärkt wurde, war der Arayici-Elf zwar alles zuzutrauen, doch es gab ein paar große Fragezeichen. Reicht der kleine Kader über eine gesamte Saison? Und: Haben manche Spieler ihre beste Zeit nicht schon hinter sich? Die Antwort gab der 1. Vorsitzende Metin Yilmaz am Tag des Aufstiegs höchstselbst: „Die Rentnerband ist aufgestiegen.“ Das fortgeschrittene Fußballeralter, 13 der 19 zu Saisonbeginn im Kader stehenden Spieler waren über 30, war Hellas dann aber kaum anzumerken. 


Mit großer spielerischer Klasse und Erfahrung kompensierten die Charlottenburger etwaige konditionelle Nachteile und rasten von Erfolg zu Erfolg. „Vor der Saison wussten wir nicht, ob das mit unseren älteren ‚Stars‘ funktioniert oder ob wir zu viele Alphatiere haben“, sagt Kinran rückblickend. Man habe sich zwar schon gute Chancen ausgerechnet, Zweifel seien jedoch da gewesen. Die wurden aber schnell weggewischt. Der Saisonstart lief fast optimal und diesen Schwung konservierte Hellas über die gesamte Spielzeit. 

Zudem blieb die Mannschaft von Verletzungen weitgehend verschont. Einzig Onur Güzer fiel im Herbst für zwei Monate aus, ansonsten blieb es bei wenigen kleinen Blessuren. Und wenn mal Not am Mann war, gab es in Ermangelung einer starken 2. Mannschaft und einer A-Jugend Unterstützung von den Senioren. So halfen Kinran selbst oder Ali Bilgin mehrfach aus.
Insgesamt passte die Mannschaft einfach gut zusammen. Was bei all der offensiven Qualität von Akar, Yetim, Güzer, Nidal Swaidan oder Samet Yazici oft in Vergessenheit gerät: Hellas hatte auch die beste Abwehr. „Meisterschaften gewinnt man mit einer stabilen Defensive“, sagt Kinran und hebt besonders die Achse um Torwart Timur Yilmaz, die Abwehrspieler Ufuk Hoylugil und Rasim Bilgin sowie Sechser Özkan Sarac hervor. „Das Augenmerk lag ganz klar auf der Defensive“, erklärt Kinran, „denn vorne machen Kemal und Samet immer ein Tor.“
Mit dem Aufstieg in die Landesliga soll bei Hellas aber nicht Schluss sein. Oberstes Ziel für die kommende Saison ist es, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Mit Jogi Beyer haben die Charlottenburger bereits Unterstützung für Trainer Kenan Arayici an Land gezogen. Zudem soll der Kader etwas verjüngt werden. Als Abgänge sind einzig Güzer und Abdullah Dincer zu vermelden, dafür ist Hellas an einigen Hochkarätern dran. „Ich kann jetzt noch keine Namen nennen, da die Wechsel noch nicht perfekt sind, wir sind aber in Kontakt mit einigen Spielern, die schon in der Berlin- oder Oberliga gespielt haben“, verrät Kinran. 

Sollten diese Transfers zustande kommen, traut der Teammanager der Mannschaft eine gute Rolle in der Landesliga zu. Als Favorit sehen sich die Charlottenburger aber nicht. „Wenn wir wieder einen guten Start erwischen, können wir die Konkurrenz aber vielleicht etwas ärgern“, sagt Kinran.
Doch die Arbeit von Kinran und Vorstand Yilmaz endet nicht bei der ersten Mannschaft. Die Jugendabteilung soll weiter ausgebaut werden, denn aktuell gibt es da überhaupt keine Großfeldteams. „Vor drei Jahren bestand der Verein nur aus der 1. Herren“, gibt Kinran zu bedenken, „jetzt haben wir sieben, acht Mannschaften.“ In absehbarer Zeit soll es wieder eine C-, B- und A-Jugend geben. Damit die „Rentnerband“ irgendwann auch mal abgelöst wird. 

Die 87 Tore für Hellas-Nordwest erzielten:

Akar (29), Yazici (11), Yetim (9), Swaidan (7), E. Yilmaz (6), Sarac (4), Güzer (3), Dincer (2), Grabow (2), Hoylugil, Ünal, Inci, Toptan, Yavsan und Torwart C. Yilmaz (je 1). Hinzu kommen zwei Eigentore und eine 6:0-Wertung aus dem Rückspiel gegen die SpVgg Tiergarten.

Von Julian Graeber

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