16.07.2017

Eine Nummer zu groß

Club Italia auf dem Weg zur Meisterschaft nur selten in Bedrängnis –„Icke“ Häßlers erster Erfolg als Cheftrainer

Foto: Verein

Am 11. Juli 2016, fast auf den Tag genau vor einem Jahr, schickte Thomas „Icke“ Häßler die Mannschaft von Club Italia erstmals zum Warmlaufen über den Kunstrasenplatz am Spandauer Damm. Als die Meldung „Welt und Europameister coacht Achtligisten“ ein paar Monate zuvor die Runde machte, war die Neugier der Presse landesweit geweckt. Wie lässt ein ehemaliger Weltklasse-Spieler trainieren? Warum Bezirksliga?

Und überhaupt: Kann es in der Konstellation „Gut betuchter Verein plus geballte Fußballkompetenz“ eigentlich eine Alternative zum souveränen Aufstieg geben? „Ich bin auch ein bisschen nervös gewesen, weil es für mich der erste Job als Chef ist“, erklärte Häßler einem Internet-Sender am Tag seiner Premiere und schob professionell vage, aber zwischen den Zeilen unzweifelhaft hinterher: „Wir versuchen, wenn es geht, uns ganz oben festzuhalten. Was letztendlich unterm Strich dabei raus kommt im ersten Jahr – das werden wir dann sehen.“ 


Mit dem Wissen der Gegenwart kann die Aussage beinahe als Drohung an die Konkurrenz umgedeutet werden. Am Ende der Spielzeit 2016/17 steht bekanntlich eine Meisterschaft mit fast 100 erzielten Toren, 23 Siegen, nur zwei Niederlagen und 21 Punkten Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. Die Bilanz ist eines Weltmeisters würdig.
Für Co-Trainer Christoph Höche, der Häßler im vergangenen Jahr beim Italiener kennenlernte und menschlich einen „Pfundskerl“ im 51-Jährigen sieht, war der Marsch in die Landesliga zunächst nicht ganz so eindeutig vorauszusehen: „Am Anfang mussten wir unseren Kader von 30 auf 22 Mann reduzieren. In der Vorbereitung hat sich dann langsam herauskristallisiert, wer zur ersten Elf gehört.“ Aus der Masse wurde eine Einheit. Als die Spieler dann noch im TV-Vierteiler „Dit is Fußball!“ unter Leitung von Schauspieler Martin Semmelrogge und Comedian Oliver Kalkofe mitmachen durften, wuchs man auch mental stärker zusammen. „Eine unkonventionelle Teambuilding-Maßnahme, die viel bewirkt hat“, erinnert sich der 43-jährige Co-Trainer. Rein fußballerisch agierten die meisten Italia-Akteure von Beginn an über Bezirksliga-Durchschnitt. Auch von der Bank kam stets Qualität, Höche unterteilt das Team lediglich in „gut und sehr gut“. 

Im schnell einstudierten 4-2-3-1-System setzte das Quartett um Torjäger Liam Kelly, Vitali Zlatan, Georgios Mikelatze und Enrico Schöffel („Einer der besten Außenbahnspieler bis hin zur Berlin-Liga“, so Höche) immer wieder zu Rochaden auf den Offensivpositionen an und blieb für die meisten Gegenspieler in der Spielklasse kaum zu stellen. Danilo Gomes Borges, einer von zahlreichen Neuzugängen, brachte zudem Oberliga-Erfahrung mit und deklarierte Italias Abwehr zur Sperrzone für zu schmächtige Stürmer. Nach der nachträglich als Niederlage gewerteten Auftaktpartie beim FC Liria startete Italia durch, gewann auch gegen ambitionierte Klubs wie Hansa 07 (2:1 am 3. Spieltag), Stern Britz (3:1 am 7. Spieltag) und Charlottenburg-Wilmersdorf (6:0 am 8. Spieltag) ohne große Probleme. „Viele Ergebnisse sind am Ende sogar zu knapp ausgefallen. Was wir in der gesamten Saison an Chancen ausgelassen haben, war rekordverdächtig“, bilanziert Höche rückblickend. Mit den drei „Seuchen-Wochen“ im November folgte die einzige Schwächephase der Saison: Am 30. Oktober schied man im Pokal beim 1. FC Schöneberg aus (1:4), ließ sich sieben Tage später unter akutester Personalnot drei Tore vom Grünauer BC einschenken (0:3) und kam im darauffolgenden Spiel gegen den späteren Absteiger Tennis Borussia II nicht über ein 0:0 hinaus. Die Herbstmeisterschaft ging an Liria. 

Im Januar zog Thomas Häßler ins „Dschungelcamp“, seine Mannschaft in der Tabelle lieber weiter nach oben. Mit zwölf Siegen und drei Unentschieden glückte eine fast makellose Halbserie. Nach dem 1:0-Sieg gegen den 1. FC Lübars Anfang April gab das Team keinen Zähler mehr ab, fuhr zehn Siege am Stück ein. Höches Highlight kam Ende Mai: „Landesliga-Aufstieg durch ein 8:0 beim Friedrichshagener SV – und das bei mehr als 60 Minuten in Unterzahl.“ Zwei Wochen später wurde die Meisterschaft mit einem 3:1 über den FK Srbija dann endgültig eingetütet. Anschließend Bierdusche, Steakhaus, Tanzmusik – so, wie sich das gehört. Allerdings nur für die Spieler: „Wir beide halten uns zurück, wenn es auf die Piste geht“, sagt Höche. „Insgesamt nimmt Thomas aber sicher viel mit aus seiner Premieren-Saison. Ihm ist irgendwo auch ein Stein vom Herzen gefallen.“

Die 97 Tore für Club Italia erzielten

Kelly (16), Melo Cavalcante, Mikelatze (je 12), Malinowski, Zlatan (je 7), Zaher, Schöffel (je 6), Rosati, Gomes Borges, Zeidan (je 4), Schulz, Karatas, Sorrilha, Pilan (je 3), De Almeida, Santos-Feliciano (je 2), Jakupovic, Leao (je 1) sowie ein Eigentor.

Von Julian Städing

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