01.07.2017

Eine Klasse für sich

Der SC Staaken stürmt ohne Niederlage durch die Berlin-Liga – Fabian Engel intern zum besten Spieler gewählt

Foto: Andreas Krühler

Die ersten Auftritte im neuen Fußball-Jahr waren schon ein Fingerzeig. Mit grandiosen Leistungen wie beim 5:1-Sieg im Finale des Spandauer Bürgermeister-Pokals über den FC Spandau 06 und zuvor im Viertelfinale mit dem 6:0 über den gut besetzten Landesligisten Spandauer Kickers verteidigte der SC Staaken nicht nur die Trophäe, sondern demonstrierte eindrücklich, dass von dieser Mannschaft noch eine Menge zu erwarten sein dürfte.

Dass war im Juli 2016, und was dann folgte, war fast wie ein Märchen. Elf Monate später tuckerte der Berlin-Liga-Meister 2017 im offenen Doppeldecker-Bus durch die Hauptstadt, zurück von Steglitz an den westlichen Stadtrand. Mit einem 3:2-Auswärtssieg bei Stern 1900 am letzten Spieltag im Stauraum und Spaß bringenden Getränken an Bord.
Am Staakener Bahnhof ging dann erst recht die Post ab, 200 Fans erwarteten die Mannschaft. Jeder Spieler wurde einzeln auf eine eigens aufgebaute Bühne geholt. „Staaken war im Ausnahmezustand, die Fans haben uns empfangen wie nach dem Gewinn einer WM“, sagt Daniel Kujath, der Co-Trainer. „Daran werden wir uns noch in 100 Jahren erinnern.“ Und das haben sie sich wahrlich verdient. Als erster Verein überhaupt haben die Staakener eine komplette Saison in der Berlin-Liga ohne eine einzige Niederlage überstanden. Mit 86 Punkten holte der Klub noch vier mehr als der Vorjahresmeister VSG Altglienicke. Und der war ja auch nicht ganz so schlecht.


Architekt des Erfolgs: Jeffrey Seitz, der das Team vom zurückgetretenen Jörg Riedel übernommen hatte. Mit gerade 31 Jahren. Seitz ging als 16-Jähriger nach England zu den Tottenham Hotspurs, wollte Profi werden. Daraus wurde nichts, er kam zurück nach Berlin, 2011 begann er seine Trainerkarriere als Coach der Staakener A-Jugend in der Regionalliga. Inzwischen hat er die A-Lizenz, und als Riedel aufhörte, war er zur Stelle. Die Entscheidung des Vorstands, den jungen Seitz als neuen Coach der Ersten zu installieren, sollte sich als goldrichtig erweisen. Im Herbst, nach einem 2:1-Sieg beim SD Croatia, sagte der Vereinschef Claus-Dieter Krebs: „Der Trainer hat die Mannschaft auf ein ganz neues Niveau gebracht.“

Die Mannschaft, die im Jahr zuvor Achter geworden war, wurde kaum verändert. Aber mit Sebastian Gigold und David Koschnik, die beide vom SV Altlüdersdorf kamen, perfekt verstärkt. Und dann begann die für die Spieler nicht immer einfache Trainingsarbeit. „Eine Mannschaft braucht Struktur, jeder muss wissen was er zu tun hat“, sagte Seitz. Das wurde fast bis zum Erbrechen geübt. „Das war anstrengend für die Spieler, aber sie haben sich daran gewöhnt. Aber wer weiß, was gewesen wäre, wenn wir mal drei Partien verloren hätten.“

Hat die Mannschaft aber nicht – weil sie einfach gut war. Die Guske-Brüder Louis, Malte und Ricardo, Lukas Hesse im Tor, Dominik Reske in der Innenverteidigung, Moritz Mielke daneben, der später neben Tim Binting auf die Sechs rückte, Koschnick in der Viererkette außen, Gigold auf dem Flügel, der nach dem Goalgetter Erhan Bahceci mit 22 Toren bester Schütze war. Deniz Aksakal, Philipp Schulz, oder der gerade 20-jährige Fabian Engel auf der Zehn, der intern zum besten Spieler gekürt wurde – das Team funktionierte und zeigte immer wieder perfektes Umschaltspiel. Staaken preschte schon am ersten Spieltag nach einem 4:0-Sieg beim BSV Al-Dersimspor an die Spitze, auch nach der vierten Runde war man nochmals vorn. Nach dem 1:0 am 14. Spieltag gegen Tasmania rückte Staaken wieder auf Rang eins und gab die Position nicht mehr ab. 

Jetzt also Oberliga. Ohne Bahceci, der zum SD Croatia wechselt, aber weiter auf Kunstrasen am Staakener Bahnhof, auf dem seit 15 Monaten kein Spiel mehr verloren ging. Die große Kohle ist nicht da, aber Jeffrey Seitz hat einen Plan. Und den dürfte er wieder umsetzen, wenn er nach seinem Karibik-Urlaub am 2. Juli zurück ist.

Die 106 Tore für den SC Staaken erzielten

Bahceci (34), Gigold (22), Engel (13), Schulz (8), T. Binting (5), Aksakal (4), Koschnik (3), Wündsch (3), Ricardo Guske (2), Malte Guske (2), Louis Guske (2), Klünter, Kurras, Lampert, Voigt, Reske, Kammer, Hatzipanagiotou (je 1). Hinzu kommt ein Eigentor.

Von Bernd Karkossa

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