23.07.2017

Ein ganze Saison lang auf Kurs

Der SV Nord Wedding immer auf einem Aufstiegsrang: Platz 2 als schlechteste Platzierung

Foto: Verein

Vor der Saison galten die Weddinger in der 5. Abteilung der Kreisliga B allenfalls als ein Anwärter auf einen Platz im oberen Mittelfeld der Tabelle. Jetzt, wenige Wochen nach der Meisterschaft, gibt Trainer Dennis Rätsch während eines Telefonats mit der FuWo aus dem Urlaub in Griechenland schmunzelnd zu: „Insgeheim wollten wir aufsteigen.“ 

Fakt ist: Die abgelaufene Saison lief wie gemalt. Am 1. Spieltag übernahm der Nachfolgeverein des SC Rapide Wedding mit einem 5:1-Sieg gegen den TSV Lichtenberg II die Tabellenführung. Den Platz an der Sonne gaben die Weddinger nur ein einziges Mal wieder ab. Das war am 20. Spieltag nach der einzigen Heimniederlage (0:1 gegen FC Al-Kauthar). Und doch wurde die Mannschaft nur deshalb Herbstmeister, weil die 3:4-Niederlage gegen den 1. FC Neukölln II (die Mannschaft wurde später zurückgezogen) am Grünen Tisch in einen 6:0-Sieg umgewandelt wurde. Der „Club“ hatte seinerzeit einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt. 


Andererseits war der Zweikampf mit Neuling und Mitaufsteiger Tur Abdin II dafür verantwortlich, dass die SV Nord Wedding sich keine Schwäche erlauben durfte. Und nach dem 1:1 am letzten Spieltag beim Adlershofer BC II – die Mannschaft war zu diesem Sonnabendspiel mit einem Bus voller Fans angereist – mussten alle bis zur Meisterschaftsfeier auf die Niederlage des Lokalrivalen Tur Abdin II am Sonntag gegen die dadurch aufgestiegene SSG Humboldt warten. Die Feierlichkeiten kommentierte Nord Weddings Vorsitzender Klaus Köpke schließlich so: „Nach einer tollen Jubelparty habe ich dem Kader, dem Trainerteam, unserem Sponsor sowie allen weiteren Unterstützern gesagt: Herzlichen Dank!“

Köpke steht auch am Beginn des Erfolges, der schon in der Rückrunde 2015/16 begann. Da lagen die Weddinger abgeschlagen auf dem letzten Platz. Das war eine Folge von mehreren Spielzeiten, in denen Nord Wedding mehr als „Prügeltruppe“ von sich reden machte als als Fußballteam. Immer wieder verließen ganze Mannschaften den Verein. Und dann kam Dennis Rätsch und mit ihm Teammanager Costantino Lombardo sowie der in Verbandsangelegenheiten versierte Rainer Marks, „nebenbei“ auch Klassensprecher der Kreisliga B. Mit einigen neuen Spielern folgte prompt eine glänzende Rückrunde, verbunden mit einer Klettertour bis auf Rang 12.
„Wir mussten alles umkrempeln, uns von charakterlich nicht passenden Spielern trennen“, erzählt Rätsch. Köpke billigte den Prozess: „Es hat Veränderungen gegeben an der Kühnemannstraße. Das zeigt sich an der neuen Strategie, dem Entwicklungsprozess und im Zusammenwirken aller. Die Kooperation aller Akteure im Verein ist dabei unverzichtbar. Dieser Weg soll nun langfristig fortgesetzt werden.“ Trainer Rätsch ergänzt: „Das Umfeld stimmt. Wir haben ein hervorragenden Platz mit einem guten Schlüsselvertrag und ein tolles Vereinscasino. Und jeden Donnerstag treffen Vorstand und die Verantwortlichen der Mannschaften zusammen.“

In diesem Rahmen fand die Mannschaft zusammen. „Fußballerisch fehlt noch ein wenig Qualität, aber der Charakter stimmt“, sagt der Trainer. Wobei er mit Torjäger Isik, Mayerhofer, Kilic, Zenner, Chaari und Torwart Höhnke einige Stützen von der strengen Beurteilung ausnimmt. Vor allem in der Defensive (nur 31 Gegentreffer) wussten die Weddinger in der abgelaufenen Saison durchweg zu überzeugen.

Der erste Abgang steht derweil fest. Chaari verlässt die Weddinger definitiv, ob Karadag bleibt, ist laut Rätsch noch nicht sicher. Zwei, drei weitere Spieler, die es in der Meistersaison nicht in die Stammelf geschafft haben, werden den Verein wohl ebenfalls verlassen. Das alles bringt den Trainer aber nicht aus der Ruhe: „Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, wird unser Teammanager schon für neue Spieler gesorgt haben.“ Sechs, sieben Neuzugänge sollen kommen, während rund 15 Spieler aus der Meisterelf bleiben. 

Des Trainers Prognose für die neue Saison in der Kreisliga A hingegen klingt vorsichtig: „Wir wollen einen Platz im Mittelfeld und mit dem Abstieg nichts zu tun haben.“ Mittelfristig will die SV Nord Wedding weiter nach oben, „aber das geht nicht über Nacht“, warnt der 48-Jährige den schwärmenden Anhang, der sich noch an die große Vergangenheit des Vorgängervereins Rapide Wedding erinnert.

Die 105 Tore für die SV Nord Wedding erzielten

Isik (41), Kidis (20), Kaya (7), Irle (5), Zenner (5), Diab (4), Reinhardt (4), Chaari (4), Mayerhofer (4), Höhnke (2), Karadag (2), Kilic (2), Lutumba Mabica, Ortler, Puiu, R. Sever sowie ein Eigentor.

Von Manuel Fernandes

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