Mein Fußball-Woche

11.06.2017

Dresden feiert 2. Double

Um ein Haar wäre es schiefgegangen. Nach dem Gewinn der DDR-Meisterschaft ist für Dynamo Dresden im Finale des FDGB-Pokals nur der Sieg und das damit nach 1971 verbundene zweite Double ein Thema. Bis es jedoch soweit ist und der 3:2 (0:0)-Erfolg gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig feststeht, müssen die Elbflorenzer im mit 55.000 Zuschauern ausverkauften Stadion der Weltjugend einen gewaltigen End­spurt hinlegen.

Es ist heiß, brütend heiß am Endspieltag. Deshalb glauben die Leipziger fünf Minuten vor dem Abpfiff durch Schiedsrichter Klaus Scheurell aus Wusterhausen/Dosse an die erfolgreiche Verteidigung des auch ein Jahr zuvor eroberten Potts. Sie wähnen den Meister, auch weil sie dessen Führung durch Rainer Sachse (46.) mit Toren von Flügelstürmer Wolfram Löwe (55.) und Abwehrspieler Gunter Sekora (63.) gedreht haben, fast schon am Ende. Nichts deutet mehr darauf hin, dass die Dresdner der Partie eine erneute Wende geben könnten.


Innerhalb von Sekunden passiert das Unwahrscheinliche aber doch. Gerd Weber schafft mit einem wuchtigen Kopfball den Ausgleich (85.) und Sachse mit seinem zweiten Treffer (87.) den Triumph. Dabei zeigt Dynamo im Zeitraffer die Leistung, die bereits zum Meistertitel geführt hat: Die Mannschaft ist stabil und anfällig zugleich, sie bietet großzügig angelegte Angriffe und banale Abspielfehler, sie glänzt einerseits dank Trickreichtum und Raffinesse, zeigt sich andererseits aber durchsichtig und einfallsarm. Dass es für die Männer aus Leipzig-Probstheida nicht zum Coup reicht, schmerzt die Spieler um Henning Frenzel sehr. „Wer so dicht vor der erfolgreichen Pokalverteidigung steht und sich erst in einer dramatisch zuspitzenden Schlussphase geschlagen geben muss, ist natürlich enttäuscht“, sagt der Kapitän. Der Nationalspieler weiß aber auch: „Nicht nachlassende Konzentration hat den Ausschlag gegeben, denn wir wussten um die Stärke der Dresdner und deren individuelle Klasse.“

Die mit Ausnahme von Torhüter Claus Boden mit Nationalspielern gespickten Dynamos müssen trotzdem das letzte Quäntchen an Energie aus sich herausholen, um den Meisterschaftsfünften zu bezwingen. „Am Ende waren wir in einem ausgeglichenen Spiel einfach nur die Glücklicheren“, findet Dresdens Kapitän Hans-Jürgen Dörner indirekt auch für den Verlierer ein Lob, denn: „Respekt hatten wir vor Lok sowieso, aber als wir in Rückstand geraten waren, fürchteten wir umso mehr deren Konterstärke. Letztlich aber glaube ich, dass der Sieg aufgrund unserer besseren Chancen durchaus verdient ist.“

Glück ist auch insofern im Spiel, dass Walter Fritzsch nicht den falschen Mann auswechselt. Im Trubel des Sieges gibt der Trainer-Fuchs nämlich zu: „Eigentlich wollte ich nicht Riedel aus dem Spiel nehmen, sondern Sachse, weil der in den Zweikämpfen einige Schwierigkeiten hatte. Dann aber explodiert er und macht das entscheidende Tor ...“
Parallel zum Pokalfinale geht die Aufstiegsrunde zur Oberliga in die zweite und entscheidende Hälfte. Bei Halbzeit ist noch gar nichts entschieden, das Fünferfeld liegt jeweils einen Punkt voneinander getrennt dicht beisammen, dennoch hat überraschend Chemie Böhlen die besten Karten. Die Männer aus dem Braunkohlenrevier südlich von Leipzig haben sich in einer sehenswerten Partie mit 4:3 gegen Wismut Gera behauptet und die Thüringer mit Ex-Nationalspieler Harald Irmscher (1974 noch WM-Teilnehmer) vorerst auf Rang 2 verdrängt.

Von Robert Klein

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