29.07.2017

Drei Trainer und ein Aufstieg

BSV Heinersdorf ohne Heimniederlage zum Staffelsieg – Interimscoach Habryka holt elf Siege aus elf Spielen

Foto: Verein

Trainerwechsel während einer Saison sind auch im Amateurfußball keine Seltenheit mehr. In der Regel treten sie jedoch auf, wenn es bei einer Mannschaft sportlich nicht läuft oder es in der Chemie zwischen Coach, Vorstand und/oder Team brodelt. Ein souveräner Staffelsieg und ein damit verbundener Aufstieg in die Bezirksliga bei gleich drei verschiedenen Übungsleitern ist daher eine durchaus erwähnenswerte Besonderheit.

Begonnen hat Aufsteiger BSV Heinersdorf mit Heiko Dohlich. Er führte die Mannschaft durch die Hinrunde. Zu Weihnachten standen die Pankower auf dem 4. Tabellenplatz. Dann gab Dohlich aus beruflichen Gründen das Zepter weiter. Ihn zog es in die USA. Es folgte Marcel Sydow, der von der SG Prenzlauer Berg II (Kreisliga C) zu den Heinersdorfern stieß. Er bereitete die Mannschaft auf die Rückrunde vor. Dann stand er vier Spiele an der Linie – mit einer durchaus akzeptablen Bilanz: zwei Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage. Für den neutralen Beobachter überraschend warf er Mitte März das Handtuch. Über die Gründe ließen die Vereinsvertreter des BSV Heinersdorf und der Ex-Coach nicht viel nach außen dringen. Es soll halt einfach nicht gepasst haben zwischen Trainer und Team – trotz des Erfolges. Am Ende sollte sich dieser Bruch wohl als Glücksfall erweisen. Denn Eberhard Habryka, Heinersdorfer Urgestein, betreute als Interimscoach die Mannschaft die verbleibenen elf Spiele bis zum Ende der Saison. Und dabei holte er 33 Punkte – ausschließlich Siege!


Das ist für einen Trainer eine bären­sstarke Bilanz. Habryka selbst findet das Hervorheben seiner Person im Zusammenhang mit dieser Erfolgsserie übertrieben. Er selbst lobte sein Team als ein mannschaftlich geschlossenes Gefüge, dass in der entscheidenden Phase der Saison erkannt habe, worum es geht. Und Habryka hat zwar an der Linie gestanden, das Training unter der Woche jedoch Torhüter Philipp Hildenbrand überlassen. Habrykas Zeit auf der Trainerbank war mit dem Saisonende vorbei. In der Bezirksliga übernimmt nun Olaf Seier.

Dass der Erfolg auch trotz der Brüche im Funktionsteam eintreten konnte, hat auch darin seine Ursache, dass in den letzten Jahren kontinuierlich am Aufbau einer Aufstiegsmannschaft gearbeitet wurde. Eindrucksvoll ist die Heimstärke des BSV Heinersdorf: Die letzte Heimniederlage datiert vom 1. November 2015: Damals verlor man im heimischen Kissingenstadion mit 2:4 gegen den BSV Al-Dersimspor II. Seitdem ist der BSV saisonübergreifend seit 24 Spielen „dahoam“ ungeschlagen (21 Siege, drei Unentschieden). Diese Serie nimmt der Verein nun mit in die Bezirksliga und wird in der neuen Spielklasse sicherlich auf die „Festung“ Kissingenstadion bauen.

In der Aufstiegssaison 2016/17 stand Heinersdorf zwar nur an sechs von 30 Spieltagen an der Tabellenspitze – nach einem guten Saisonstart (2./3. Spieltag) und schließlich an den entscheidenden Terminen zum Saisonende. Nach zwischenzeitlicher Lauerstellung im Verfolgerfeld erreichte man erst am 21. Spieltag mit dem dritten Tabellenplatz wieder einen Aufstiegsrang. Der Rixdorfer SV, der lange auf dem 1. Platz stand, wurde am 27. Spieltag überholt. Die schlechteste Saisonplatzierung war übrigens Rang fünf.

Am konstanten Erfolg über die gesamte Saison hat der gesamte Kader seinen Anteil. Herauszuheben ist jedoch Florian Franz. Der erst 23-jährige Mittelfeldregisseur besitzt eine ansprechende Spielintelligenz, ist handlungsschnell und technisch versiert. Von den 97 Toren des BSV Heinersdorf gingen 21 Treffer auf sein Konto. Damit ist er der Torschützenkönig seiner Mannschaft und der drittbeste Goalgetter seiner Staffel. Beim 2:0 gegen NNW 98 am 20. Spieltag traf er bereits nach 35 Sekunden und erzielte damit das schnellste Saisontor des Aufsteigers. Der BSV Heinersdorf erzielte mit 97 Treffern die meisten in der 4. Abteilung und stellte mit 44 Gegentoren die drittbeste Defensive.

Die 97 Tore für den BSV Heinersdorf erzielten

König (21), Franz (17), Rauch (14), Engler (9), Grunow (6), Onyedieke, Bochert, Senf, Kästner, Räsch (je 4), Strauß, Schulze (je 2), Bockey, Steger, Gierth, Hinz, Schmidt (je 1) sowie ein Eigentor.

Von Kilian Daske und Maximilian Wölfl

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