01.10.2017

„Die Grenze nach oben ist noch nicht abgesteckt“

Interview mit Frank Michalak (AOK Nordost)

Frank Michalak (rechts) im Gespräch mit Horst Bläsig bei der AOK Nordost in Teltow.

Frank Michalak ist Vorstand der AOK Nordost und Fußballfan von Kindesbeinen an. 1956 im Ruhrgebiet geboren und seit 1990 in Brandenburg beheimatet, spielte er früher selbst Fußball und war jahrelang Jugendtrainer beim RSV Eintracht in Stahnsdorf. Im Interview der Woche spricht er über den Fußball in Berlin und Brandenburg, Sport und Gesundheit sowie den neuen Informationskanal der Gesundheitskasse.

Fußball-Woche: Herr Michalak, alle deutschen Klubs haben unter der Woche ihre Spiele in den beiden europäischen Wettbewerben verloren, auch Hertha BSC am Donnerstag in Schweden. Geben Sie dem Berliner Bundesligisten in der Europa League noch eine Chance?

Frank Michalak: „Ich kann Östersund schwer einschätzen, aber mit einer Niederlage hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Offenbar lief das Spiel ja auch etwas unglücklich für Hertha. Noch ist alles drin. Jetzt sechs Punkte aus den beiden Spielen gegen Luhansk, dann sähe es sehr gut aus.“

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Hertha insgesamt?

Michalak: „Ich freue mich über die Entwicklung. Und ich bin Dardai-Fan. Ich kenne ihn schon so lange, natürlich als Spieler, aber noch besser aus dem Jugendbereich. Wir hatten viele gemeinsame Jugendturniere. Ich finde ihn einfach sympathisch. Er ist ein Mensch, der ankommt, der bodenständig ist und nicht abhebt. Im Übrigen ist Hertha insgesamt sehr bodenständig. Die Entwicklung des Vereins ist gut, aber man wird jetzt irgendwo an eine Gabelung kommen, wo sich zeigen wird, wie es weitergeht: Gehört man zu den Mannschaften, die dauerhaft um die internationalen Plätze spielen, wobei ich nicht unbedingt von der Champions League rede, oder wird man wieder so ein Wackelkandidat, der in der Tabelle zwischen Platz 10 und 14 rumturnt.“

Wie ist es sonst Ihrer Ansicht nach um die führenden Klubs in Berlin und in den neuen Bundesländern bestellt?

Michalak: „Da hat sich einiges getan, vor allem in der 3. Liga mit den vielen Traditionsvereinen aus dem Osten. Ich würde mich freuen, wenn Cottbus es schaffen würde. Leider ist der Aufstieg in die 3. Liga nicht gerade einfach. Ich ahne schon, dass Cottbus und 1860 München in den Aufstiegsspielen aufeinandertreffen werden. (lacht) Schön wäre es auch, wenn wir mit dem 1. FC Union einen zweiten Bundesligisten in Berlin bekommen würden. Das wäre für die Stadt gut und würde auch Union zusammen mit dem Stadionausbau noch einmal einen starken Schub geben. Wir bekommen ja immer Besuch, wenn der VfL Bochum bei Union spielt. Das wird diesmal am vorletzten Spieltag der Fall sein. Ich hatte ursprünglich gedacht, da ginge es für beide Vereine um den Aufstieg. Für Bochum wird das wohl eher ein Spiel gegen den Abstieg, befürchte ich.“

Die AOK Nordost ist ja nicht nur im Leistungssport aktiv, sondern unterstützt vor allem auch den Breitensport, den Amateur- und Freizeitfußball. Ein Topevent in Berlin ist das alljährliche Traditionsmasters in der Max-Schmeling-Halle, diesmal am ersten Januar-Wochenende 2018 mit den Glasgow Rangers. Wie sind Ihre Erwartungen?

Michalak: „Das Turnier wird wieder vor ausverkauftem Haus stattfinden. Und das Derby zwischen Hertha und Union in der Vorrunde ist immer ein Duell voller Emotionen und Leidenschaft. Das Zuschauen macht richtig Spaß. Zumal die meisten Spieler noch voll im Saft stehen und das Niveau entsprechend hoch ist. Die ausländischen Mannschaften waren zuletzt überrascht von dem hohen Niveau und der tollen Atmosphäre und konnten nicht so mithalten, aber es gab ja auch schon positive Überraschungen wie Sparta Prag.“

Die Gesundheitskasse ist auch Namensgeber der Senioren-Pokale in Berlin. Warum gerade dieses Engagement?

Michalak: „Da verhält es sich genauso wie mit dem Traditionsmasters. Die Senioren zeigen, dass man auch im fortgeschrittenen Alter Sport treiben kann. Das deckt sich mit unserem gesetzlichen Auftrag und unserer Botschaft. Sport und Bewegung sind entscheidend im Leben. Prävention und Vorsorge mit dem Sport, das ist für uns der Hauptansatzpunkt.“

Diese Botschaft wird seit Donnerstagabend auch über ein neues Medium verbreitet, einen neuen YouTube-Channel der AOK Nordost. Was waren die Beweggründe dafür?

Michalak: „Für uns ist das ein interessanter Ansatz. Wir sind so aktiv im gesamten Sportbereich, da wollten wir auch eine Plattform haben, wo unsere Kunden und interessierten Beobachter immer mal nachschauen können, was die AOK so bietet. Da geht es nicht nur um die Berichterstattung von Sportveranstaltungen. Mit Sportlern haben wir Aushängeschilder, die es uns bedeutend einfacher machen, unsere Botschaften rüberzubringen. Siehe die Kampagne ‚Männer, lasst die Hosen runter‘ mit Jimmy Hartwig. Da kriegen wir ein super Feedback. Wenn wir es da wirklich schaffen, einige Menschen mehr zur Früherkennung zu bewegen und dadurch schwere Krebsleiden zu verhindern, dann ist das ein richtiger Erfolg.“

Auf was darf sich der Nutzer beim Besuch des neuen YouTube-Kanals der AOK Nordost freuen?

Michalak: „Wir werden selbstverständlich von den Highlights unserer Sportkooperationen berichten. Wir können mit unseren Sportpartnern viel bewegen. Ich sage es aber ausdrücklich: Der Spitzensport ist natürlich am interessantesten, aber wir wollen gerade im Breitensport, im Kinder- und Jugendsport Akzente setzen. So werden wir ausführlich zum Beispiel über Laufveranstaltungen informieren und auf diesem Wege motivieren, aktiv etwas zu machen. Wir wollen den Fokus aber auch auf andere Themen richten, nicht alltägliche Blickwinkel einnehmen, einen Blick hinter die Kulissen werfen: Wie geht ein Pal Dardai mit Druck um, wie fühlt es sich an, 3:0 gewonnen oder 0:3 verloren zu haben, wie gehe ich mit Emotionen, mit der Psyche um? Wie ernährt sich ein Sportler? Wir hoffen, dass wir alles, was wir machen, in diesem Kanal bündeln können und für jeden in dieser Mischung etwas dabei ist.“

Welche Formate wird es geben?

Michalak: „Wir werden mindestens zwei Videos pro Woche einstellen, aktuelle Infos liefern und auch Sport-Talkrunden anbieten. Die erste ist für den 11. November geplant. Wir haben auch einige Mitarbeiter, die einen sportlichen Background haben und die wir da einbeziehen können, sei es Juri Schlünz, Cem Efe, Jeniffer Zietz oder Inka Wesely. Das sind ja bekannte Namen im Fußball. Wir wollen zudem Communitys bilden für gemeinsame Sportaktivitäten in der Nachbarschaft, hierzulande eher unbekannten Sportarten die Möglichkeit einräumen, sich vorzustellen, die ganze Palette zeigen, was alles machbar ist, sagen wir mal, von drei bis 90 Jahren. Wir sind mit dem Kanal jetzt am Anfang, die Grenze nach oben ist noch nicht abgesteckt.“

Interview: Horst Bläsig

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